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Winke, winke aus dem "Zug der Freiheit".

Großer Bahnhof für den "Zug der Freiheit"

Hof - Als am 1. Oktober 1989 der erste Zug mit DDR-Flüchtlingen hinter Plauen über die innerdeutsche Grenze nach Westen rollte, flossen Tränen der Freude. Das war heute vor 20 Jahren.

Einige Flüchtlinge hatten wochenlang in der Prager Botschaft der Bundesrepublik ausgeharrt, um endlich in die selbst gewählte Freiheit zu gelangen. "Ich weiß nicht, wo plötzlich überall die Fahnen herkamen. Manche hatten bayerische Fahnen, manche Deutschlandfahnen", erinnerte sich Botschaftsflüchtling René Heymann am Donnerstag an den Moment, als der Zug die innerdeutsche Grenze passierte: "Da hat niemand mehr gesessen."

Heymann gehört zu den rund 200 Passagieren, die 20 Jahres später im "Zug der Freiheit" in Originalwaggons und auf historischer Route an jene Ereignisse anknüpfen, die aus Historikersicht den Fall der Berliner Mauer ankündigten. Die Dresdner Initiative "Kultur Aktiv" hat den Sonderzug organisiert, Projektmanager Mirko Sennewald sagt: "Meine Motivation war, dass ich damals selbst in Freiberg am Bahnhof stand und dann von den (ostdeutschen) Polizisten mit Hunden vertrieben wurde."

Schikanierende Grenzkontrollen gehören inzwischen der Vergangenheit an. Statt über den "Eisernen Vorhang" zwischen West- und Osteuropa geht die Tour mittlerweile durch die Europäische Union. "Der Zug fährt aus einem freien Land in ein freies Land. Das ist das Schöne, dass das eine Selbstverständlichkeit geworden ist", sagt der sächsische Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU), 2009 mit an Bord.

Das Interieur der Abteile verströmt mit dem Geruch von Kunstleder und dem Fehlen jeglicher Digitaltechnik die Atmosphäre des vergangenen Jahrhunderts. "Meine Damen und Herren, auf Gleis 6 wurde für Sie bereitgestellt: Zug der Freiheit nach Hof über Freiberg, Chemnitz, Plauen im Vogtland und Gutenfürst", lautet die Durchsage am Hauptbahnhof Dresden.

Die Schaffner waren noch 'mal in die alten Uniformen der DDR-Reichsbahn geschlüpft. "Die Leute hatten die Schnauze voll", sagt Ingo Wlodasch zur Stimmung in der DDR 1989. Sein Kollege Enriko Emmer erzählt: "Ein Bekannter von mir war Rangierer in Dresden und er musste noch mal kurz in den Zug rein - dann fuhr der mit ihm weg."

"Kultur Aktiv" hat die Waggons für Ausstellungen und Kunstprojekte geöffnet, die sich mit dem Wendejahr in Mittelosteuropa beschäftigen. Hingucker sind "Zwerge", die mit orangefarbenen Plastikmützen durch die Gänge wuseln - die polnische Truppe "Orange Alternative" war schon seit 1981 Teil der antikommunistischen Opposition in Polen. Man kann auch in einem Souvenirabteil Miniaturmodelle des "Zugs der Freiheit" und Sondermarken kaufen.

Die Dresdner Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU) empfängt die bunte Kolonne am Donnerstagmittag mit den Worten: "Der Zug, der die Menschen ins westdeutsche Hof brachte, war bald Symbol für ein ausrangiertes politisches System, das von seinen Bürgern aufs Abstellgleis geschoben wurde." In der Endstation Hof soll am Abend ein Denkmal enthüllt werden, um ein Kapitel deutscher Geschichte unvergesslich zu machen.

Von Jakob Lemke und Eva-Maria Simon

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