Zank oder Zärtlichkeit? Diese beiden Weißstörche machen einen quicklebendigen Eindruck – dank eines umfangreichen Artenhilfsprogramms des Freistaats ist ihre Art in Bayern wieder heimisch geworden. Foto: Alexander Heinl/dpa

Hilfsprogramm endet

Großer Erfolg: Weißstorch wieder heimisch in Bayern

Weißstörche sind hierzulande keine Seltenheit mehr. Das ist einem Artenhilfsprogramm des Freistaats zu verdanken. Viele freiwillige Helfer waren daran beteiligt – und können über die Eigenarten der Tiere heute einiges erzählen.

Oettingen – Der Weißstorch ist in Bayern wieder heimisch geworden. In den 80er-Jahren brüteten nur knapp 60 Storchenpaare in Bayern, heute sind es rund 480, wie der Landesbund für Vogelschutz (LBV) am Montag in Oettingen (Landkreis Donau-Ries) bekannt gab. Deswegen beendet der Verband sein mit dem bayerischen Umweltministerium und dem Landesamt für Umwelt initiiertes Artenhilfsprogramm für die Vogelart. Das Programm wurde 1984 gestartet; damals gehörte der Weißstorch zu den bedrohten Tierarten. Die Prognosen für seinen Erhalt waren düster.

Zu den Maßnahmen gehörte die Neuanlage von Tümpeln, die dem Storch als Nahrungsgebiet dienen. Außerdem wurden zahlreiche Unterlagen für die Nester der Störche, die sogenannten Horste, auf Gebäuden aufgestellt. Als Kulturfolger nutze der Weißstorch die vom Menschen geschaffenen Lebensräume, sei sogar darauf angewiesen, erklärte der LBV.

Das birgt Gefahren: Ein Großteil der rund 170 000 für den Weißstorch gefährlichen Strommasten im Freistaat ist nun mit einer Stromschlag-Sicherung versehen. „Darüber hinaus haben wir, zusammen mit unseren Partnern, Landwirten und Gemeinden intensiv beraten, wie sie schonend Talwiesen bewirtschaften und bei Siedlungs- und Straßenbauplanungen auf Nahrungsflächen Rücksicht nehmen“, sagte Oda Wieding vom LBV.

Für Umweltministerin Ulrike Scharf (CSU) ist das Hilfsprogramm im bayerischen Naturschutz beispiellos. „Durch eine intensive Betreuung der Horstpaare und den Erhalt und die Neuanlage von Nahrungsflächen konnte beim Weißstorch eine Erfolgsgeschichte geschrieben werden“, sagte sie.

Das ist auch rund 350 ehrenamtlichen Storchenbetreuern in Bayern zu verdanken, die bei solchen Maßnahmen mithelfen. Einer von ihnen ist Richard Straub, LBV-Kreisgruppen-Chef in Ebersberg. „Wenn wir das Artenhilfsprogramm nicht gehabt hätten, hätten wir jetzt vielleicht keine Störche mehr“, sagte der 66-Jährige.

In fast 30 Jahren ehrenamtlicher Arbeit hat Straub viel über Störche gelernt. Zum Beispiel über deren Eigenart, immer wieder zum gleichen Nest zurückzukehren: „Die Störche kommen nicht wegen der Treue zum Partner wieder zurück, sondern wegen der Treue zum Horst“, sagte er. „Meistens kommen die Storchenmännchen früher zurück. Jedes Weibchen, das darüber fliegt, klappert er dann als potenzielle Partnerin an. Mit der Treue ist da nicht so viel los.“

Straub ergänzte: „Es kann dann auch passieren – was ich auch beobachtet habe –, dass ein paar Tage später die Störchin vom letzten Jahr kommt, und dann ist es wie im richtigen Leben. Dann gibt es da Ärger.“

Von Lisa Forster

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