+
Eigentlich Förster von Beruf: Josef Göppel (hier mit Hund Asko).

Interview mit störrischem Abgeordneten

Das grüne Gewissen der CSU geht in Rente: Josef Göppel

  • schließen

Konservativ ist er vielleicht nur noch bei der „Ehe für alle“, wo er mit Nein stimmte: Der CSU-Abgeordnete Josef Göppel (67). Bei der Bundestagswahl 2017 tritt er nach 15 Jahren nicht mehr an. Ein Gespräch über Scheitern und Erfolge.

Konservativ ist er vielleicht nur noch bei der „Ehe für alle“, wo er mit Nein stimmte: Der CSU-Abgeordnete Josef Göppel (67), verheiratet, vier Töchter, war seit 2002 im Bundestag. Der Förster lag bei Umwelthemen mit ziemlicher Sicherheit quer zur offiziellen Parteilinie. Er selbst betont, in seinem Wahlkreis Ansbach stets mehr Erststimmen bekommen zu haben als seine Partei an Zweitstimmen. (Lesen Sie hier die wichtigsten Fragen und Antworten zur Bundestagswahl 2017.)

Die Frage, ob Sie denn nicht in der falschen Partei gelandet sind, ist ja fast schon obligatorisch. Offenbar sehen Sie das nicht so. Wo aber sind Sie eigentlich konservativ?

Ich bin ein wertkonservativer Mensch. Ich bin 1970 in die CSU eingetreten, als in Bayern das erste Umweltministerium entstand, im gleichen Jahr übrigens in den Bund Naturschutz. Als junger Förster war das ganz selbstverständlich. Ich empfand eine Aufbruchstimmung für ein Leben und Wirtschaften im Einklang mit der Natur.

Haben Sie nie daran gedacht, die Partei zu verlassen?

Nein, meine ganze Familie ist wertkonservativ, ich komme aus einer fränkischen Kleinbauernfamilie, die seit 1582 auf derselben Hofstelle lebt. Ich habe letzten Sonntag mein 40-jähriges Ehejubiläum begehen dürfen – das zeigt vielleicht meine Grundeinstellung.

Dennoch ecken Sie oft an. Auf der letzten Sitzung des Umweltausschusses im Bundestag am vergangenen Dienstag haben Sie Ihren Parteifreunden noch mal eins mitgegeben und gesagt, das Zeitalter des Verbrennungsmotors sei vorbei.

Das können unsere Spitzenpolitiker auch mit Beschwörungen nicht aufhalten. Kaiser Wilhelm II sagte 1916: Ich glaube an das Pferd. Das Automobil ist nur eine vorübergehende Erscheinung. Schon damals war das Festhalten an alten Strukturen falsch. Modernisierung unserer Volkswirtschaft geht nur dann, wenn wir auch im Verkehr emissionsärmer werden.

Wo ist Umweltschutz in Bayern heute bitter nötig?

Das Wichtigste ist, den ausufernden Gewerbebau in Bayern zu beschränken. Die Dörfer und Städte ähneln sich doch immer mehr. Fast alle sind an den Ausfallstraßen von großen Gewerbehallen umgeben. Dadurch leidet die Attraktivität Bayerns. Irgendwann kippt das Bild und dann ist es hier so wie überall. Gleichzeitig veröden die Ortskerne.

Auch Bayern hätte beinahe den gegenläufigen Weg eingeschlagen. Es gab ja den Plan, das Anbindegebot für Gewerbebauten aufzulockern und das auch abseits von Ortschaften zuzulassen.

Das stimmt. Bayern hat es an anderer Stelle aber noch schlimmer gemacht. Unser bayerischer Innenminister Joachim Herrmann hat einen Beschluss initiiert, der in Berlin gegen meine Stimme gefasst wurde. Im Bundesbaugesetzbuch wurde ein Passus eingefügt, nachdem jeder Ortsteil in Deutschland im Schnellverfahren einen Hektar Bauland auf der grünen Wiese ausweisen kann.

Aus Ihrer Sicht eine verheerende Entwicklung.

Ja. Ich kritisiere an der CSU, dass sie ihre eigenen Grundsätze als konservative Partei immer wieder verletzt.

Was war Ihr größer Erfolg?

Die Beendigung der Atomkraftnutzung. Ich habe 2010 gegen die Verlängerung der Laufzeit für die Atomkraftwerke bis 2050 gestimmt. Ich habe schon damals gemerkt, dass sich die Bundeskanzlerin als Physikerin mit diesem Beschluss der schwarz-gelben Koalition nicht recht wohlfühlt. Wenig später kamen Fukushima und die Wende.

Als Vorsitzender des Arbeitskreises Umwelt in der CSU haben Sie einen Beschluss gegen die 3. Startbahn am Flughafen München gefasst.

Ja. Der Arbeitskreis verlangt ein bayernweites Flughafenkonzept unter Einbeziehung der Flughäfen Nürnberg und Memmingen. Ich denke, dass die 3. Startbahn letztlich nicht kommt, da die Flugzeuge immer größer werden und dadurch die Zahl der Starts und Landungen trotz wachsender Passagierzahlen nicht zwangsläufig steigen muss.

Wer wird künftig das grüne Gewissen der CSU sein?

Ich bin mit einigen jüngeren Kollegen im Gespräch, um ihnen das Thema schmackhaft zu machen.

Wahlhilfe: Hier finden Sie den Wahl-O-Mat zur Bundestagswahl 2017.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Mehrere Fahrzeuge müssen ausweichen: Geisterfahrer-Unfall endet glimpflich
Ein Geisterfahrer hat am Montag auf der Autobahn 7 im Allgäu mehrere Autos gestreift und ist dann mit einem weiteren Wagen zusammengestoßen.
Mehrere Fahrzeuge müssen ausweichen: Geisterfahrer-Unfall endet glimpflich
180 Kilo gefunden: Koks-Mafia beliefert Supermarkt
Die Polizei ermittelt gegen einen Drogenring, der Kokain über Bananenkisten an Supermärkte liefert. Es geht um Waren im Wert von zehn Millionen Euro.
180 Kilo gefunden: Koks-Mafia beliefert Supermarkt
Tödlicher Unfall mit zwei jungen Frauen: Verursacher nun vor Gericht
Knapp ein Jahr nach dem Unfall, der zwei junge Frauen das Leben kostete, steht der Fahrer des anderen Autos vor Gericht. Auch ein anderer Mann muss sich verantworten.
Tödlicher Unfall mit zwei jungen Frauen: Verursacher nun vor Gericht
Panzerfäuste im Wald gefunden
Mitarbeiter eines Sprengkommandos haben in einem Wald bei Hauzenberg (Landkreis Passau) fünf Panzerfäuste aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt.
Panzerfäuste im Wald gefunden

Kommentare