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Debatte über Müllentsorgung

Hat der Grüne Punkt ausgedient?

München - Braucht's den Grünen Punkt noch? Viele Kommunen sagen Nein. Sie wollen Wertstoffe selber sammeln, halten das jetzige System für einen Geldfresser. Die Gegenseite betont: Am Ende zahlt der Kunde drauf.

Er ist das ausgelagerte Recycling-Gewissen von Verbrauchern und Verpackungsindustrie. Der Grüne Punkt, der auf Joghurt-Bechern, Alu-Dosen, Flaschen zu finden ist, steht wie kein zweites Zeichen für die Wiederverwendung von Wertstoffen. Gute Sache, finden viele. Nicht der Verband kommunaler Unternehmen (VKU). Er sagt, das privatwirtschaftlich organisierte System sei so unökologisch wie teuer. Und findet: Kommunen sind die besseren Entsorger.

Das Thema ist nicht neu. Seit Jahren streiten sich Kommunen und der Betreiber des Entsorgungssystems „Duales System Deutschland“ (DSD) um die Zugriffsrechte auf die teils wertvollen Stoffe. Jetzt geht der VKU in die Offensive. Allein für die Verwaltung des Systems gingen jährlich 120 Millionen Euro drauf, heißt es aus der Berliner Zentrale. Helmut Schmidt, Zweiter Werksleiter der Abfallwirtschaftsbetriebe München (AWM) und im VKU aktiv, ergänzt, auf Bayern entfiele rund ein Achtel.

Rausgeschmissenes Geld? Tatsächlich ist das System verschachtelt. Laut Schmidt gibt es in Bayern rund 4000 Verträge zwischen DSD, Entsorgern und Kommunen. Der Hintergrund: Seit 1991 müssen sich die Verpackungshersteller selbst um die Entsorgung ihres Mülls kümmern. Um die Aufgabe auszulagern, gründeten sie den DSD. Der kassiert seither Geld für die Vergabe des Lizenzsymbols Grüner Punkt. Allerdings verfügt er nicht über Müllwagen und Container, sondern beauftragt Privat-Unternehmen.

Die könnten es auch sein, die unter einer Neuregelung leiden. Gerade in größeren Städten gebe es Unternehmen, „die das hart treffen würde“, sagt Rüdiger Weiß, Geschäftsführer beim Verband der Bayerischen Entsorgungsunternehmen (VBS). 150 Entsorger sind hier organisiert, 46 aus Oberbayern.

Kritiker befürchten, dass zudem auch Kunden finanziell büßen könnten. Seit Gründung seien durch den Wettbewerb zwischen den zehn dualen Entsorgern die Gebühren um 50 Prozent gefallen, sagt DSD-Sprecher Norbert Völl – auf etwa zwölf Euro pro Kopf und Jahr. Die Kommunen dagegen seien Monopolisten. Mehrkosten fielen sofort auf Kunden und Hersteller zurück. Nur: Erst am Mittwoch hatte der DSD die Preise für Hersteller um acht Prozent angehoben.

Und die Umweltbilanz? Schmidt sagt, zumindest bei der Flaschen-Verwertung sehe die schlechter aus als vor Gründung des DSD. Damals seien 70 Prozent recycelt worden, heute nur 50 Prozent. Anders sieht es bei den Verpackungen aus. Laut DSD ist die Recyclingquote hier auf 73 Prozent gestiegen.

Dennoch: Könnten die Gemeinden das billiger und besser? Schmidt ist überzeugt: „Es wäre keine allzu große Herausforderung, das alles selbst zu organisieren.“ Fritz Raab, Geschäftsführer der „EVA-Abfallentsorgung“ im Kreis Weilheim -Schongau, sagt sogar: „Auf dem Markt würde sich nichts ändern.“ Fiele der DSD weg, „würden eben einfach wir die Ausschreibung übernehmen“.

Marcus Mäckler

Rubriklistenbild: © dpa

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