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Sepp Dürr fährt gern Fahrrad - aber für eine Wiederwahl in den Landtag muss er ganz schön strampeln.

Interview: „Söder wird Kreide fressen“

Grünen-Abgeordneter Dürr sehnt sich nach Koalition mit der CSU

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20 Jahre lang war Sepp Dürr mit den Grünen in der Opposition, jetzt strebt er für Bayern eine Koalition mit der CSU an. Ob der Germeringer allerdings nochmal ins Maximilianeum kommt, ist fraglich.

Leise Töne hört man von Sepp Dürr (64) eher selten, gerade hat er aber seinen Enkel auf dem Arm. Nach schwerer Krankheit wollte der Grünen-Abgeordnete eigentlich mit der Politik aufhören, nun aber will er sein Mandat erneuern und mit dem Familienleben verbinden. Auf Platz 42 der oberbayerscheint eine fünfte Legislaturperiode für den Biobauern aus Germering bloß wenig aussichtsreich, doch Dürr kämpft – um dann mit der CSU zu koalieren.

-Herr Dürr, aus Listenplatz 12 wurde 42. Wurden Sie von Ihren Grünen-Parteifreunden kaltgestellt?

Wir haben viele in der Partei, die sich gerade präsentieren – da reicht es mir, überhaupt einen Platz zu haben. Wir haben besonders gute Chancen bei der Wahl. Deswegen müssen wir aber auch viel dafür tun.

-Derzeit haben die Grünen 17 Abgeordnete – da müssen Sie schon weit hoch gehäufelt werden.

Für mich ist entscheidend, dass ich mit meiner Person für die Grünen werben kann und nicht auf andere verweisen muss. Wo ich kandidiere, ist dafür egal.

-Sie sind ein kritischer und sehr streitbarer Abgeordneter, der gegenüber der CSU oft sehr deutlich wird. Und jetzt wollen sie zusammen regieren?

Ich nehme auch einen anderen Partner, aber danach schaut’s ja nicht aus. Schauen Sie, wir erleben momentan viele dramatische Veränderungen: Die Bauern werden immer weniger, der Druck nimmt zu, dazu verschwindet unsere Landschaft. Das ist doch Wahnsinn! Die Bremse können wir nur in der Regierung reinhauen. Ich habe in der Opposition 20 Jahre lang geredet, fürs Gestalten muss man regieren. Nicht immer, aber ab und zu.

-Wie muss sich die CSU dafür bewegen?

Sie muss einfach ordentlich verlieren. Die Bundestagswahl hat gezeigt, dass sie dann vieles schön brav intern regelt. Im Herbst ist Markus Söder als Wahlverlierer entweder schon wieder weg – oder Söder wird Kreide fressen. Das kann er ja eh hervorragend. Wird die CSU abgestraft, wird sie grüner werden. Der Jamaika-Versuch in Berlin hat gezeigt, dass die Hürden überwindbar sind.

-Bleiben Sie der laute, provokante Kämpfer? Oder schlagen Sie versöhnliche Töne an?

Wenn ich draufhauen muss, haue ich drauf. Aber ich habe mit der CSU gemeinsam ja auch schon viel erreicht. Wenn man sehr krank ist, überlegt man: Was ist wichtig? Ich habe festgestellt, dass mir Politik noch Freude macht. Das möchte ich einbringen.

-Teilen Ihre Fraktionskollegen Ihre Euphorie, was eine Koalition angeht?

Vielleicht herrscht keine Euphorie, aber sie haben auch nicht so lange gewartet wie ich. Es gibt vielleicht ein, zwei Zweifler, aber die meisten wollen mitmachen – auch wenn sie noch nicht wissen, was das dann bedeutet.

-Sie müssen laut werden für einen Wahlerfolg von fast ganz hinten.

Ich mach’s mit konservativer Strategie, eigentlich so wie die CSU: All diejenigen, die mich schon mal gewählt haben, sollen es wieder tun. Wir Grüne werden diesmal mehr Leute reinbringen, es stehen unbekannte Namen auf der Liste – da sehe ich gute Chancen für mich. Wichtig ist, dass die Kandidatur bekannt wird – und wenn ich dafür eben wie am Sonntag eine auf die Rübe kriegen muss. Es gäbe zwar weniger masochistische Methoden, aber so sagen viele: Oha, dem Sepp muss man helfen.

Interview: Sebastian Dorn

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