Jeder Zweite gilt als islamfeindlich

Grünen-Studie: Bayern besonders rassistisch

München - Antisemitismus und eine negative Haltung gegenüber Muslimen sind nach einer von den Grünen in Auftrag gegebenen Studie in Bayern so hoch, wie in keinem anderen westdeutschen Bundesland.

Der Alltagsrassismus ist laut einer Studie im Auftrag der Grünen in Bayern oft ausgeprägter als in anderen westdeutschen Bundesländern. „Unsere Studie zeigt, dass besonders die Abneigung gegenüber andersartig wahrgenommenen Gruppen sehr hoch ist“, sagte Studien-Leiter Oliver Decker von der Universität Leipzig am Freitag. Innerhalb des zehnjährigen Untersuchungszeitraums habe sich daran kaum etwas verändert.

So sei die negative Einstellung gegenüber Muslimen, Juden sowie Roma und Sinti in Bayern besonders hoch. Rund jeder Zweite gilt laut der Studie als islamfeindlich. Eine große Mehrheit fordert ein hartes Vorgehen bei der Beurteilung von Asylanträgen und knapp die Hälfte der Befragten gab an, Muslimen sollte die Zuwanderung verboten werden.

Gleichzeitig jedoch findet die Mehrheit der Bayern, dass die Demokratie in Deutschland gut funktioniere. 95 Prozent stehen hinter der Regierungsform. „Die hohe Akzeptanz der Demokratie lebt davon, dass es hier viel zu verteilen gibt. Solange es den Menschen ökonomisch gut geht, äußern sie vielleicht ihren Unmut über bestimmte Dinge, zweifeln aber nicht an Grundlegendem“, erklärte Decker.

Auch dass sich die rechtsextreme Tendenz nicht in Wahlergebnissen widerspiegeln, hält Decker für eine Folge der guten wirtschaftlichen Lage. Außerdem sei die Parteienbindung in Bayern sehr hoch. „Zwischen der Einstellung und dem Verhalten liegen Welten“, sagte Decker.

Die Landtags-Grünen sehen in dem Studienergebnis einen Beleg für die gescheiterten Maßnahmen des CSU gegen Rechtsextremismus. Die Grünen-Expertin Katharina Schulze forderte mehr vorbeugende Maßnahmen: „Die bisherigen Mittel der CSU sind nicht die richtige Art, diesem gesamtgesellschaftlichen Phänomen entgegenzuwirken.“

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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