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Grüß Gott, ihr Neu-Bayern!

München - 2010 wurden über 12.000 Ausländer in Bayern eingebürgert. Seit gestern hat auch ein Ehepaar aus Usbekistan die deutsche Staatsbürgerschaft. Innenminister Herrmann überreichte ihnen die Einbürgerungsurkunde persönlich.

Deutscher zu werden, das kann sehr schön sein - vor allem wenn der Chef selbst einbürgert, der bayerische Innenminister persönlich. „Es freut mich sehr, dass Sie sich so vorbildlich in unsere Gesellschaft integriert haben“, sagte Joachim Herrmann (CSU) gestern zum Ehepaar Roza und Alexander Mazo, sie Lehrerin, er Jurist, seit 2003 in Deutschland, wohnhaft in Augsburg, gebürtig in Usbekistan.

Danach gab es im Innenhof des Ministeriums am Odeonsplatz einen Schwur auf das Grundgesetz, Blumen, die Einbürgerungsurkunde, ein Glas Orangensaft zum Anstoßen und ein Büchlein mit der bayerischen Verfassung. Sie habe jetzt zwei Heimaten, sagte Frau Mazo. Der Innenminister lächelte selig. Die meisten Einbürgerungsurkunden, sagte er, könne er aber leider nicht persönlich überreichen. Wäre ein bisserl viel Arbeit, selbst für einen bayerischen Innenminister. 2010 zählte das Ministerium 12 021 Neubürger in Bayern, das sind fast gleich viele wie letztes Jahr, aber 8600 weniger als 2000.

Der Großteil der eingebürgerten Ausländer kommt aus der Türkei (2131 oder 17,7 Prozent). Weitere starke Herkunftsländer sind der Irak (930), Rumänien (862) und die Ukraine (678). Innenminister Herrmann betonte, dass das „Interesse an Einbürgerung“ nach wie vor groß sei. Explizit verteidigte er den Einbürgerungstest, der bei seiner Einführung noch auf herbe Kritik gestoßen war. Die Tests seien „absolut notwendig“, erklärte er. Es sei eine „Gespensterdiskussion“ gewesen, die damals geführt wurde. Viele hielten die Fragen für zu schwer. Heute, so Herrmann, könne man sagen: „alles Blödsinn“. Seinen Angaben zufolge besteht den Test so gut wie jeder potentielle Neubürger. Die Erfolgsquote liege bei 98,2 Prozent.

Zudem sprach sich der CSU-Politiker dafür aus, dass ausländische Hochschulabsolventen auch nach ihrem Studium in Bayern bleiben und arbeiten. Man brauche im Freistaat qualifizierte Fachkräfte, sagte er. Der Freistaat habe schließlich 50 000 Euro oder mehr in die Ausbildung der jungen Leute investiert. Seiner Meinung nach wäre es schon aus dieser Sicht unsinnig, sich nicht um diese eigenhändig ausgebildeten Arbeitskräfte zu bemühen.

Der FDP-Vorsitzende Philipp Rösler hatte im Vorfeld eine stärkere Zuwanderung von Fachkräften aus Ländern außerhalb der Europäischen Union gefordert. Diesem Vorstoß erteilte Bayerns Innenminister eine klare Absage. Er lehne es ab, die Zuwanderungshürden zu senken. Es gelte das „Vorrangprinzip“. Sprich: Erst in Deutschland und Europa schauen, dann im Rest der Welt.

Insgesamt hat der Ausländeranteil im Freistaat 2010 gegenüber dem Vorjahr um 22 000 Personen zugenommen - auf jetzt 1,1 Millionen. In Bayern leben dem Innenminister zufolge Leute aus rund 200 Staaten. Die größte Gruppe kommt mit 213 400 Menschen aus der Türkei, gefolgt von 187 000 Mitbürgern aus Nachfolgestaaten des ehemaligen Jugoslawien. Der bayerische Innenminister kann schon mal den Orangensaft kalt stellen, seine nächste Einbürgerung kommt ganz bestimmt.

Von Stefan Sessler

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