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Grundschule gibt WM-frei

München - WM-frei an Schulen - das soll es nach dem Willen des Kultusministeriums keinesfalls geben. Eine Münchner Grundschulrektorin wagt es trotzdem.

Sonntag, 20.30 Uhr - eine Nation hockt vor dem Fernseher und sieht, was die deutsche Elf gegen Australien zustande bringen wird. Auch viele Grundschüler werden wohl bis zum Ende des Spiels ausharren. Aber am Montag ist Schule. Werden die übernächtigten Schüler dann im Unterricht den Nachtschlaf nachholen? Das fürchtet offenbar eine Münchner Grundschulrektorin (Name unserer Redaktion bekannt). Sie hat das Thema im Lehrerkollegium angesprochen. Die Pädagogen verständigten sich auf folgende Regelung, die in einer Email an die Eltern derzeit die Runde macht: „Am Morgen nach einem Spiel der deutschen Mannschaft sollen die Kinder ausschlafen und können später in die Schule kommen. Sicher sollte man hier nicht übertreiben, 11 Uhr ist sicher etwas spät, aber 9 - 10 Uhr wohl okay.“ Freilich wäre es schön, heißt es in der Email weiter, wenn die Eltern vorher kurz in der Schule anrufen.

Erstaunen im Kultusministerium, als unsere Redaktion den Fall schilderte. Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) spricht sich strikt gegen ein WM-frei aus. „Der deutsche Sieg wird die Motivation der Schüler sicher genug beflügeln“, erklärt er augenzwinkernd. Ähnlich sehen es die Vorsitzenden der großen Lehrerverbände: „Ich hoffe, dass die Rektorin gute Gründe hat“, sagt der Chef des Volksschullehrerverbands BLLV, Klaus Wenzel. „Ich würde so etwas nicht machen.“ Realschullehrer-Chef Anton Huber sagt: „Ich sehe keine Notwendigkeit.“ Und sein Kollege vom Gymnasiallehrerverband BPV, Max Schmidt: „Unterricht sollte generell nicht entfallen, auch nicht am Montag.“ Schmidt ist auch dagegen, wegen des zweiten Spiels der Jogi-Elf am Freitag (Anpfiff 13.30 Uhr) irgendwelche Sonderregelungen zu treffen, nur weil vielleicht einige Schüler aufgrund eines späten Schulschlusses die Anfangsminuten verpassen könnten. „Wir müssen die Prioritäten richtig setzen“, pflichtet ihm sein Kollege Huber bei.

Schon bei der EM 2008 hatte es ein EM-frei gegeben - allerdings in Berlin, und auch nur wegen des Endspiels. Bildungssenator Jürgen Zöllner gab damals für die geplante Siegesfeier am Brandenburger Tor die Anweisung heraus, den Schülern die Teilnahme zu ermöglichen. Die Feiern fielen dann aus bekannten Gründen aber eine Nummer kleiner aus als geplant.

„Warten wir’s mal ab, wie lange sich die Frage mit dem WM-frei diesmal stellt“, lästert Gymnasialverbandschef Schmidt.

dw

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