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Günter Grünwald: Westerwelle ist goldwert

Kabarettisten würde ein "Vierteltrottel" reichen

Günter Grünwald attackiert Westerwelle

München - Auch heuer nützen Bayerns Kabarettisten die Gunst der Faschingsstunde, um so richtig abzuledern. Wie Günter Grünwald. Er findet, dass Außenminister Guido Westerwelle ein „Volltrottel“ ist.

Keine Frage: Auch in diesem Jahr nützen Bayerns Kabarettisten die Gunst der Faschingsstunde, um so richtig abzuledern. Günter Grünwald etwa findet, dass unser Bundesaußenminister Guido Westerwelle ein „Volltrottel“ ist (siehe Text unten) – nach dessen jüngsten Äußerungen über „sozialistische Züge“, falls man das Arbeitslosengeld erhöht, über Hartz-IV-Empfänger und Arbeitnehmer, „die sich mittlerweile dafür entschuldigen müssen, dass sie von ihrer Arbeit auch etwas behalten möchten“. FDP-Sprecher Wulf Oehme kommentiert Grünwalds Spruch gegenüber der tz so: „Das Niveau dieser Aussage spricht für sich selbst.“

Wir haben Stimmen gesammelt über den (geistigen) Zustand unserer Nation und unserer politischen Führungsriege. Neben Grünwald und Dieter Hildebrandt melden sich Christian „Fonsi“ Springer, Lisa Fitz und Bernd Regenauer.

Günter Grünwald

Auf der einen Seite ist schon klar, dass ein Herr Westerwelle Gold wert ist für die Kabarettszene, auf der anderen Seite würde mir persönlich statt dieses Volltrottels auch ein Halb- bzw. sogar ein Vierteltrottel reichen.

Dieter Hildebrandt

 „Wer dem Volk anstrengungslosen Wohlstand verspricht, lädt zur spätrömischen Dekadenz ein“, hat Westerwelle gesagt. Ich bin bestürzt, dass der Bildungsmangel schon so früh begonnen hat. Es gab keinen allgemeinen Wohlstand in Rom. Ich bin sowieso dafür, dass wir den Aschermittwoch der Kabarettisten ausfallen lassen und nur noch Westerwelle engagieren. Vielfalt? Nun ja, die gäbe es dann nicht. Das würde immer nur in eine Richtung gehen – wie ein Holzwurm.

Bernd Regenauer

Der Guido Westerwelle ist jetzt völlig übergeschnappt. Man kommt mit dem Fremdschämen gar nicht mehr nach. Ich schlage vor, dass man den Amtseid ändert. Statt „Ich schwöre, Schaden vom deutschen Volk abzuwenden“ sollte er lauten: „Ich schwöre, mich bei Schaden vom deutschen Volk abzuwenden.“ Die Privatisierung haut einfach nicht hin. Schauen Sie sich nur die Deutsche Bahn an. Wenn du dich da auf ein Nebengleis wirfst, dann verhungerst du.

Christian Springer

Christian Springer ins seiner Rolle als "Fonsi"

Am Zeugnistag war früher Komasaufen angesagt, heute gehen Schüler zur G8-Demo. Auf Kultusminister Ludwig Spaenle haben sie eine Tomate geworfen. Eine einzige! Da sieht man, wie schlecht es den Schülern wirklich geht. Und diese eine Tomate hat großen Symbolwert. Die berühmteste Tomatensorte heißt nämlich Grünes Zebra und zeigt die Zukunft der Bayerischen Staatsregierung: viel, viel Grün und nur mehr ein schmaler schwarzer Streifen. Pfusch bei der Hartz-IV-Berechnung? Jedem Säugling werden monatlich 11,90 Euro zugestanden für Tabak und Alkohol, Geld für Windeln ist aber nicht vorgesehen. Nun ja, dadurch kommen ganz neue Erziehungsaufgaben auf die Eltern zu: Babys sollen mehr rauchen, dann scheißen s’ nicht mehr so viel.

Lisa Fitz

Die Klimaerwärmung hat uns fest im Griff! Ich habe heuer schon zwei Sätze Winterreifen gebraucht, und mein Mann hat Oberarme wie Dolf Lundgren. Angela Merkel, unsere Klimakanzlerin, hat ja mittlerweile so eine neue Armbewegung drauf: beide Arme gleichzeitig rauf und runter. Das hat sie, seit sie in China war. Ist da etwa eine Fälschung zurückgekommen?

Wolfgang Krebs

Die Initialen „GW“ stehen nicht nur für Guido Westerwelle, sondern auch für „Größter Wahlbetrüger“. Er hat vor der Wahl Steuersenkungen versprochen, und es ist nichts passiert! Und die FDP steht wohl mittlerweile nicht mehr für „Freie Demokratische Partei Deutschlands“, sondern für „Fasching der Pappnasen“ – und Das auch nach der narrischen Zeit.

Zukunft des Kabaretts

„Mario Barth ist zum Kotzen!“, sagt Lisa Fitz der tz am Rande der Pressekonferenz zum Aschermittwoch der Kabarettisten. „Ich hab’ ihn neulich eine viertel Stunde lang ausgehalten, und ich habe kein einziges Mal gelacht.“

Damit steht Bayerns berühmteste Kabarettistin nicht alleine – überhaupt soll ein Ruck durch die Szene gehen. Christian Springer („Fonsi“) bringt es auf den Punkt: „Das Kabarett muss sich neu aufstellen und wieder ernsthafter werden. Das Publikum hat mittlerweile ein extremes Bedürfnis, über Politik zu reden. Die Gaudizeit ist vorbei. Wie müssen wieder tiefer einsteigen.“

Weg von dem „Pointenzwang“ soll’s gehen, wie Lisa Fitz bekräftigt. „Das Politkabarett ist nicht tot – und wird es auch nie sein. Es ist nun mal schon immer ein Programm für Minderheiten, für kritische Menschen. Aber die wird es immer geben.“

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