Teurer Abschied

Heimleiterin befördert 30 Angestellte

Günzburg - Ob sie es aus reiner Gutmütigkeit getan hat? Sozusagen als vorweihnachtliches Geschenk? Eine Heimleiterin in Günzburg hat derzeit mächtig Ärger. Kurz vor ihrem Abschied hat sie noch schnell 30 Mitarbeiter befördert. 

Johanna W. musste ihr Amt als Hauptleiterin der Eigenbetriebs Seniorenheime in der Region abgeben – aber ein paar Tage vor ihrem Abschied beförderte sie noch schnell 30 Mitarbeiter. Jetzt wurde sie vom Landrat mit sofortiger Wirkung beurlaubt …

Der Streit um die Gehaltserhöhungen. In Günzburg nennen so manche Johanna W. schon die „Robina Hood der Altenheime“. Zur Erklärung: Die 57-Jährige war verantwortlich für fünf Senioreneinrichtungen in der Region – unter anderem für Häuser in Thannhausen, Burgau und Jettingen. Zeitgleich war sie aber auch Heimleiterin des Wahl-Linderischen Altenheims in Günzburg, das ebenfalls vom Landkreis verwaltet wird.

Im Sommer entschied der Kreistag, dass diese Ämter getrennt werden sollen. Heißt: Johanna W. könnte entweder Haupt-Chefin bleiben oder das Altenheim in Günzburg leiten.

Die Sozialexpertin entschied sich für letzteres. Bevor ihre Arbeitszeit aber endete, ging sie noch durch all ihre Häuser und beförderte insgesamt 30 Mitarbeiter. So wurden Pflegefachkräfte teils zu Stationsleitern höhergruppiert. Doch damit nicht genug: Johanna W. wandelte nach einem Bericht der Günzburger Zeitung noch schnell mehr als ein Dutzend befristeter Verträge in unbefristete Arbeitsverhältnisse um. „Ohne Not“, wie Landrat Hubert Hafner betont. Er beurlaubte sie nun. Immerhin sind für den Landkreis durch die Aktion Mehrkosten von weit über 100 000 Euro entstanden.

Und was sagt die Geschasste nun zu alldem? Sie möchte sich lieber nicht äußern, da es sich ja um ein laufendes Verfahren handle. Sie bestätigt aber gegenüber der Günzburger Zeitung, dass sie beurlaubt wurde. Fakt ist natürlich: In vielen Heimen fehlt es an gutem Personal, viele werfen den Job sogar hin, weil er hart und schlecht bezahlt ist. Vielleicht wollte die 57-Jährige genau das verhindern? Johanna W. sagt nur: „IchwolltemitkeinerEntscheidung dem Landkreis Schaden zufügen.“

Derzeit wird übrigens geprüft, ob die Beförderungen mittels des Tarifrechts rückgängig gemacht werden können.

tz

Rubriklistenbild: © dpa

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