+
Guido Gehrmann wurde mit 23 Jahren Weltmeister im Drachenfliegen. Schon damals mit dabei: Sponsor Red Bull

Red-Bull-Pilot aus Bayern

Vor seinem Tod rettete er dem Spezl das Leben

  • schließen

Traunstein - Der verstorbene Red-Bull-Pilot Guido Gehrmann aus Traunstein hat zweieinhalb Monate vor seinem Tod einem Spezl im Cockpit das Leben gerettet.

Es sind dramatische Szenen, die die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung von einem Absturz am Kienberg bei Inzell in sachlichem Ton nachzeichnet. Details, die die Behörde von der Aussage des Lebensretters weiß: "Noch im Sitz der Kabine habe er den Piloten reanimiert …" Oder: "Mangels anfänglichen Mobilfunkempfangs habe er ihn zu seinem Hubschrauber geschleppt …" Der, der im Februar so aufopferungsvoll versucht hat, einem Menschen zu helfen, heißt Guido Gehrmann (38) – jener Red-Bull-Pilot, der zweieinhalb Monate später in einem 007-Jet in Tirol in den Tod gestürzt ist .

Das Unglück am Kienberg: Die Berufspiloten Guido Gehrmann und Fritz R. (43) hatten sich am 20. Februar zu einem Rundflug bei Ruhpolding getroffen, jeder in einem Leichthubschrauber vom Typ CH-7 Kompress. Gehrmann flog voraus, als zwischen Kienberg und Rauschberg gegen 16.25 Uhr der Funkverkehr abbrach und der Heli von Fritz R. verschwunden war. Das kleine Fluggerät war an einer Bergwachthütte südwestlich des Kienberggipfels in 1400 Metern Höhe abgestürzt. Gehrmann sei daraufhin mit seinem baugleichen Hubschrauber gelandet. Es begann sein verzweifelter Kampf, den Spezl zurück ins Leben zu holen. Da er nach erfolgreicher Wiederbelebung an der Hubschrauberkanzel keinen Handyempfang bekam, schleppte er den lebengefährlich Verletzten zu seinem Helikopter. Der Plan: schnell runter ins Tal mit Fritz! Dann hatte er doch ein Netz und konnte Hilfe rufen – ein Rettungshubschrauber brachte Fritz R. nach Traunstein.

Und jetzt der tragische Absturz … Der plötzliche Tod des begnadeten Piloten „schockt weltweit die Szene“, sagt Hugo Heuberger, Präsident des Oberösterreichischen Sportfliegerclubs, in dem Fritz R. Mitglied ist. Denn: Guido Gehrmann war nicht nur ein erfahrener Lufthansa-Pilot, sondern eine Macht in der Kunstflugszene gewesen: Heuberger: „Das zeigen die Kondolenzschreiben, die aus der ganzen Welt bei uns eintreffen.“

Gehrmann wohnte auf einem Anwesen bei Grabenstätt. Von dort konnte er schnell Flughäfen wie Salzburg und München erreichen. Der Berufspilot war ein Experte auf vielen Fluggeräten: Mit 17 Jahren wurde er bereits als jüngster Hubschrauberpilot Deutschlands gefeiert, mit 23 war er schon Weltmeister im Drachenkunstflug – schon damals gesponsert vom Energydrink-Hersteller Red Bull.

„Je leichter das Fluggerät war, desto besser fand er es“, erinnert sich Hugo Heuberger. Mit dieser Einstellung lag schließlich auch Gehrmanns Einsatz beim Kunstflugteam Flying Bulls nahe. Dort war der Grabenstätter ein allseits geschätzter Kunstflieger geworden, umso größer ist dort jetzt die Trauer.

Das Unglücksflugzeug vom Typ Bede BD 5 ist eine sehr kleine Maschine mit einer Spannweite wenig über fünf Metern. Sie erlaubt wegen der Maße außergewöhnliche Kunststücke. Der Jet kann dabei mit einer Geschwindigkeit von bis 500 Stundenkilometern fliegen. Bekannt wurde das kleinste Strahlenflugzeug der Welt im Jahr 1983 durch den Bond-Film Octopussy mit Roger Moore. 007 startet dabei aus einem Pferdeanhänger heraus und wird in seinem Geschoss von einer Boden-Luft-Rakete verfolgt.

Die Absturzursache soll der Ausfall des Triebwerks gewesen sein. Gehrmann hatte noch einen Notruf abgesetzt, die Inntalautobahn wurde für ihn gesperrt. Zur Notlandung kam es nicht mehr, der Microjet zerschellte. Sein Freund Fritz, der im Februar verunglückt war, hat davon nichts mitbekommen: Er liegt in Innsbruck im Koma.

Markus Christandl

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Es gibt wieder mehr Honig
36,1 Kilogramm Honig haben die bayerischen Imker dieses Jahr im Schnitt pro Bienenvolk geerntet. Eine Menge, mit der sie zufrieden sind – obwohl im Frühjahr viele Blüten …
Es gibt wieder mehr Honig
Motorradfahrer nach Zusammenstoß mit Auto gestorben
Ein Motorradfahrer ist am frühen Montagmorgen bei Binswangen im Landkreis Dillingen bei einem Zusammenstoß mit einem Auto tödlich verunglückt.
Motorradfahrer nach Zusammenstoß mit Auto gestorben
Monika Gruber stinksauer: So fies werden meine Fans abgezockt
Kabarettistin Monika Gruber ist Kult. Karten für ihre Touren sind blitzschnell ausverkauft. Fans tun alles für die begehrte Ware - und werden übel abgezockt. Die …
Monika Gruber stinksauer: So fies werden meine Fans abgezockt
59-Jähriger steigt bei Cham in Brunnen - und kehrt nie mehr zurück
Ein 59-jähriger Landwirt ist am Samstag in Neukirchen beim Heiligen Blut (Landkreis Cham) tödlich verunglückt.
59-Jähriger steigt bei Cham in Brunnen - und kehrt nie mehr zurück

Kommentare