Gullivers sonnige Kurzreise ist vorbei

München - Der schönwetterbringende Riese ist schon wieder abgereist: Wer sommerliche Temperaturen und strahlenden Sonnenschein nicht genießen konnte, muss sich nicht grämen. Wir sagen Ihnen, wann Sie auf das nächste Hoch hoffen dürfen.

Der Frühling kam mit voller Pracht – und jeder Menge Arbeit für Pitt Grunitz. Sein Liegestuhl-Verleih im Englischen Garten in München brummte. „Die Leute kamen ratzfatz aus ihren Winterschlaf-Löchern“, erzählt Geschäftsführer Grunitz. „Dieses Jahr gab es noch keinen Tag, an dem es so knallschön war wie an diesem Wochenende.“ Die 100 Liegestühle auf der Wiese am Schwabinger Bach waren schnell vergriffen. Grunitz: „In den Bikini hat sich noch keine Frau getraut, die Männer lagen aber schon oben ohne in der Sonne.“

Ob in die Biergärten, in die Parks, auf die Balkone: Ganz Bayern hat es in den vergangenen Tagen bei herrlich sonnigem Frühlingswetter nach draußen gezogen. Wen wundert’s: Am Freitag wurde sogar ein Rekord vermeldet. Die bisherige Maximaltemperatur von 18,7 Grad (2004) für einen 16. März in München wurde nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes überschritten. In der Landeshauptstadt ließ Hoch Gulliver die Temperaturen auf 21,8 Grad klettern. Der höchste Wert seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahre 1879.

Und auch am Wochenende herrschte größtenteils noch Kaiserwetter mit einer für diese Jahreszeit sehr geringen Luftfeuchtigkeit. Samstag zeigte das Thermometer in Oberbayern um die 20 Grad, in Nürnberg und Würzburg waren es 21. „Nur in Sachsen war es mit 22 bis 23 Grad eine Spur wärmer als in Bayern“, sagt Paul Brüser. Von einem bayerischen „Rekordfrühling“ will der Meteorologe vom Deutschen Wetterdienst aber nicht sprechen. „Es ist zwar schön warmes Biergartenwetter und wir sind auch nah dran an dem, was Mitte und Ende März möglich ist. Aber das aktuelle Wetter ist nicht außergewöhnlich.“ Am 17. März 2004 wurden in München auch schon mal 22,5 Grad gemessen.

Und wenig außergewöhnlich findet Brüser auch, dass es mit den sommerlichen Temperaturen zumindest vorerst schon wieder vorbei ist – schließlich sei der astronomische Frühlingsanfang auch erst am  Dienstag. „Ein ganz gewöhnlicher Prozess“, sagt der Meteorologe.

Es war nur ein kurzer Besuch von Gulliver in Bayern. Inzwischen hat sich der schönwetterbringende Riese Richtung Frankreich zurückgezogen und den Weg freigemacht für Ausläufer des Tiefs Barbara. Am Sonntag brachte die Dame, die von den Britischen Inseln nach Bayern kam, wechselhaftes Wetter mit Wolken, Regen und frischeren Temperaturen in den Freistaat. Während sich die einen in Oberbayern noch über strahlend blauen Himmel und Temperaturen um die 18 Grad freuten, verabschiedete sich der Frühling in Unterfranken schon vormittags. Heute kann es über 800 bis 1000 Metern sogar wieder schneien.

Der Deutsche Wetterdienst macht aber Hoffnung. „Das ist nur ein vorübergehender Einbruch. Schon bald wird es deutlich freundlicher, bei Temperaturen von 13 bis 17 Grad“, so Brüser. Ab Dienstag werde ein noch namenlose Hoch Deutschland wieder freundliches und wärmeres Wetter bringen. Nur nachts bleibt es noch ziemlich kalt, am Alpenrand fällt das Thermometer auf bis zu null Grad. Ob der Frühling dauerhaft zu Gast sein wird oder sich wie Gulliver auf die nächste Reise begibt, vermag Brüser nicht zu sagen: „Im April kann es auch wieder schneien.“

Katharina Blum

Rubriklistenbild: © dpa

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