John Demjanjuk bei Transport nach Stadelheim.

Gutachten zu Verhandlungsfähigkeit Demjanjuks

München - Das ärztliche Gutachten über die Verhandlungsfähigkeit des mutmaßlichen NS-Verbrechers John Demjanjuk wird in dieser Woche erwartet.

"Wir gehen davon aus, dass er zumindest eingeschränkt verhandlungsfähig ist", bestätigte Oberstaatsanwalt Anton Winkler am Montag einen Bericht des Magazins "Focus".

Die Staatsanwaltschaft München I will den 89-Jährigen wegen Beihilfe zum Mord an mindestens 29.000 Juden anklagen. Demjanjuk soll als Wachmann 1943 im Vernichtungslager Sobibor im besetzten Polen die Menschen in die Gaskammern getrieben haben. Er sitzt seit seiner Abschiebung aus den USA vor etwa acht Wochen in München in Untersuchungshaft.

"Natürlich haben wir die Anklage in wesentlichen Teilen vorbereitet. Aber wir warten das Gutachten und eventuelle Stellungnahmen der Verteidigung ab", sagte Winkler. Derzeit prüft das Oberlandesgericht zudem eine Haftbeschwerde der Anwälte, die in erster Instanz bereits abgewiesen worden war.

Der gebürtige Ukrainer Demjanjuk hatte nach dem Zweiten Weltkrieg auf seinen Ausreiseanträgen in die USA Sobibor als Aufenthaltsort angegeben. Wahrscheinlich hätten die US-Behörden dem keine Bedeutung beigemessen, da sie den Ort nicht kannten, hieß es dazu bereits vor Wochen. Später hatte Demjanjuk behauptet, er sei nie in Sobibor gewesen. "Das muss er sich natürlich entgegenhalten lassen", sagte Winkler. Hauptbeweismittel der Ankläger ist jedoch ein SS-Dienstausweis mit der Nummer 1393. Zudem geht aus einer Verlegungsliste von März 1943 hervor, dass Demjanjuk damals nach Sobibor verlegt wurde.

dpa

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