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Heute beginnt die Hopfenernte in Bayern

Branche meldet Trendumkehr

Bierkrise war gestern

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München/Wolnzach - Brauereisterben und Bierkrise – das war einmal. Passend zum Jubiläum 500 Jahre Reinheitsgebot meldet die Branche Anzeichen für eine Trendumkehr. Zu verdanken ist das auch exotischen Biersorten.

Den viel beschworenen Begriff Brauereisterben kann Holger Eichele nicht mehr hören. Die Zahl der Braustätten, sagt der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Brauerbunds, wachse sei Jahren. „Wir erleben in Deutschland eine wahre Renaissance des Bieres und des Brauens – auch dank neuer Hopfensorten und alter Rezepturen.“ 1388 Brauereien gibt es in Deutschland, knapp die Hälfte davon (626) in Bayern. Nach Jahrzehnten des Rückgangs (1960 gab es in Bayern noch 1566 Brauereien) wächst die Zahl der Braustätten auch in Bayern seit Jahren langsam, aber stetig an. Auch von einer Bierkrise will Lothar Ebbertz, Hauptgeschäftsführer der Brauer in Bayern, nichts wissen. „Wir haben nun seit fünf, sechs Jahren hintereinander eine positive Ausstoß-Entwicklung“, sagt er. 25,5 Millionen Hektoliter Bier wurden 2015 in Bayern produziert. Vor allem Helles erlebe eine Renaissance. Auch der Verkauf alkoholfreier Biere wächst – der Anteil am Gesamtausstoß beträgt schon sieben Prozent. „Alkoholfreies Weißbier läuft hervorragend“, sagt Ebbertz.

Es gibt aber noch einen Grund für die Trendumkehr: die Craft-Beer-Szene. Bundesweit experimentieren Mini-Brauer mit exotischen Sorten. Bier mit Wacholder-, Orange- oder Melonen-Aromen etwa. Allein die Camba Bavaria in Truchtlaching (Kreis Traunstein) hat über 50 Sorten im Programm. Bier mit Bourbon-Geschmack, mit Rum, Cognac und anderem. Manche Sude sind nur kurz im Handel. Der Marktanteil von Craft-Beer liegt bundesweit bei nur einem Prozent, aber die Brauerei-Experimente zeugen allemal von einer neuen Lust aufs Bier.

Die Hopfenbauern, die gestern ihre traditionelle Hopfen-Rundfahrt in Wolnzach absolvierten und sich über eine überdurchschnittlich gute Ernte freuen (siehe Kasten), sehen die Craft-Beer-Szene mit gemischten Gefühlen. Die Herausforderungen für die Pflanzer vor allem in Franken, die Aroma-Hopfen anbauen, sind groß. „Zählten wir im Jahr 2012 noch 180 verschiedene Sorten, so sind es mittlerweile bereits 250 – und diese Zahl wird weiter wachsen“, erklärt der weltweit größte Hopfenhändler Barth in Nürnberg. Das Hopfenaroma erhalte einen „völlig neuen Stellenwert“. Die Zahl der Sorten sei inzwischen so groß, dass die für Rezepte wichtigen Geschmacksvergleiche knapp werden – also die Hinweise für den Brauer, ob der Hopfen eher ein Pfirsich- oder ein Pfefferaroma liefert.

Fast schon ein Gegensatz zum experimentierfreudigen Craft-Beer-Brauer ist die traditionelle kleine Brauerei, die auf dem Land ihre Stammkundschaft findet. „In Bayern gibt es keinen Landkreis ohne Brauerei“, sagt Brauer-Geschäftsführer Ebbertz. 127 sind es allein in Oberbayern. Gerade einmal zehn Mitarbeiter hat der Weilheimer Dachsbräu, ein Traditionsunternehmen mit einer Geschichte seit 1879. „Unser Ziel ist nicht Wachstum, sondern stetiger Bestand“, sagt Geschäftsführerin Ulrike Flassig. Der Absatz: stabil mit leichtem Trend nach oben, ein bis zwei Prozent. Mit 8000 Hektoliter Bier jährlich ist der Dachsbräu im Vergleich mit Bier-Riesen wie der Radeberger Gruppe (11,8 Millionen Hektoliter) ein Zwerg. Aber für die Weilheimer ein Wichtiger: „Unser Absatzmarkt ist 50 Kilometer um den Schornstein rum“, sagt Flassig.

Zu viel Optimismus freilich will in der Branche niemand verbreiten. Der Bier-Ausstoß in Deutschland – um die 90 Millionen Hektoliter – dürfte noch lange Zeit nicht alte Rekordwerte (einst über 100 Millionen Hektoliter) erreichen. Und 20 Prozent gehen ohnehin in den Export. Gegen Brauerei- und Bierkrise helfe kein Jammern, sagt Lothar Ebbertz vom Brauerei-Verband. „Dagegen muss man antrinken.“

Sebastian Raabe, Dirk Walter

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