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Wie ein Schönheitsfleck sieht die Venus aus, die an der Sonne vorbeizieht. Dieses Bild wurde im Jahr 2004 über Kuala Lumpur aufgenommen.

Gute Sicht auf das Venus-Spektakel

München - Am Mittwoch ist ein seltenes Himmelsschauspiel zu bestaunen. Die Venus schiebt sich vor die Sonne. Beobachter in Bayern müssen früh aufstehen – doch es könnte sich lohnen.

Sie hatten eine wissenschaftliche Mission und fanden den Tod: Elf Seemänner verloren am 6. Juni 1761 ihr Leben. Die britische „Seahorse“ war auf ein französisches Kriegsschiff getroffen – Frankreich wollte den Engländern keinen Vorsprung in der Forschung gewähren. Doch die „Seahorse“ entkam, erreichte Kapstadt – dort brachten die Expeditionsführer ihre Mission zu Ende. Sie beobachteten den Venustransit.

251 Jahre später, am 6. Juni 2012, schiebt sich die Venus erneut an der Sonne vorbei – seit der Erfindung des Fernrohrs erst zum sechsten Mal. Auch in Bayern kann man das seltene Phänomen bewundern. Zwischen 5.15 und 6.55 Uhr. „Eigentlich beginnt das Schauspiel kurz nach Mitternacht“, sagt Peter Stättmayer von der Volkssternwarte München. „Es gibt Leute, die fahren weit, um alles sehen zu können.“ Wer das etwa anderthalbstündige Spektakel verfolgen möchte, den lädt die Sternwarte (Rosenheimer Straße 145 h, München) ein. Spezielle Fernrohre stehen bereit. Doch Sternengucker müssen nicht zwingend in die Warte kommen. Stättmayer: „Wer gute Augen hat, braucht nicht einmal ein Fernglas“, sagt er, „aber freien Blick auf den nordöstlichen Horizont.“

Die Experten vom Deutschen Wetterdienst machen Hoffnung: „Wie es aussieht, bleibt es von Dienstagmittag bis Mittwochvormittag trocken“, sagte ein Meteorologe. Erst dann schieben sich wieder Wolken vor die Sonne. Astrologe Stättmayer hofft auf eine als roter Glutball aufgehende Sonne. „Dann kann man mit bloßem Auge zusehen.“ Aber nur dann: Ist die Sonne bereits zu hell, kann man sogar erblinden, warnt er. Schutzbrillen, die wir von Sonnenfinsternissen kennen, sind unbedingt nötig.

So spektakulär wie dieses Ereignis ist der Venustransit nicht. Der Nachbarplanet der Erde ist nur als kleiner Punkt zu sehen und nimmt uns nicht das Tageslicht. „Trotzdem ist es faszinierend zu sehen, wie rasch sich so ein Planet bewegt“, sagt Stättmayer. Außerdem ist es ein tragendes Ereignis in der Geschichte der Astronomie: Durch den Venustransit wurde 1639 zum ersten Mal die Entfernung von der Sonne zur Erde berechnet. Verpassen sollte man die Planetenwanderung auch deshalb nicht, weil die meisten von uns die nächste nicht erleben werden. Denn die Transite der Venus treten paarweise auf, zwischen den Partnern liegen jeweils acht Jahre. Doch die Paare treten im Abstand von 105 Jahren auf. Der letzte Transit ereignete sich 2004. Der nächste ist also 2117. Früh aufstehen lohnt sich.

Von David Libossek

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