Signalstörung: Verzögerungen und Zugausfälle auf der Stammstrecke

Signalstörung: Verzögerungen und Zugausfälle auf der Stammstrecke
Gymnasiasten beim Abitur in einer Turnhalle. Eine Erörterung, ob acht oder neun Jahre am Gymnasium besser sind, wäre vielleicht auch ein schönes Prüfungsthema. Foto: dpa

Philologenverband fordert

Lehrer starten neuen Vorstoß für ein G9

  • schließen

München - Die Gymnasiallehrer lassen nicht locker: Bei der Hauptversammlung des Philologenverbands soll erneut der Weg zu einem „neuen G9“ diskutiert werden. Hintergrund sind auch erste, eher mäßige Erfahrungen mit der Mittelstufe plus.

Das Volksbegehren der Freien Wähler zur Wiedereinführung des neunjährigen Gymnasiums ist im Juli 2014 mit Karacho durchgefallen. Doch das stört den Bayerischen Philologenverband offenbar keineswegs. Er macht nach einer Atempause in der Diskussion wieder Front gegen die bestehende Schullandschaft. „Wenn wir Hochbegabte in acht Jahren zum Abitur führen wollen, die Mehrheit aber mehr Zeit braucht, gilt es über die Wege dahin neu nachzudenken“, heißt es in der Vorankündigung der Hauptversammlung, zu der ab Donnerstag in Augsburg 200 Delegierte eingeladen sind.

G8 nur für 30 Prozent der Schüler geeignet

Der Verband werde „sein Modell für ein neues neunjähriges Gymnasium“ weiterentwickeln. Gegenüber unserer Zeitung sagt Verbandsvorsitzender Max Schmidt: Das Gymnasium werde „billiger und besser“, wenn man es „von neun Jahren her denkt“. Das G8 sei „nur für eine Minderheit“, vielleicht 30 Prozent der Schüler, der richtige Weg.

Mehrere Gründe nennt Schmidt für seinen erneuten Vorstoß. So sei die Konzeption der Oberstufe nach wie vor unausgegoren. Nur wenige Schüler wählten zum Beispiel Physik, Chemie und Biologie – jene Fächer, die gerade von der Wirtschaft immer wieder gefordert würden. Außerdem führt Schmidt die Flüchtlings-Zuwanderung an. „Das ist auch eine Herausforderung für die Gymnasien“, betont er. Flüchtlingskinder dürften nicht nur an Mittel- und Berufsschulen unterkommen. „Da sind doch viele dabei, deren Eltern Uni-Abschlüsse haben“. Wenn die Kinder Deutsch gelernt hätten, dann dürfe einem Übertritt aufs Gymnasium nichts entgegenstehen. Schmidt weiter: „Das Gymnasium darf nicht die Schule der Deutschen werden.“ Und das G9 sei da besser als das G8.

Mittelstufe Plus wird zur "Hängematte"

Ein weiterer Grund für Schmidts Überlegungen ist die Mittelstufe plus. So heißt der Schulversuch, in dem die 8. bis 10. Jahrgangsstufe auf vier statt drei Jahre ausgedehnt wird. 47 Gymnasien in Bayern probieren das aus. Am Gymnasium Miesbach haben gleich drei der vier achten Klassen auf die Mittelstufe plus umgestellt. Erste Erfahrungen stimmen Schulleiter Rainer Dlugosch, der ein Gymnasium der zwei Geschwindigkeiten befürwortet, nachdenklich. Bei den Schülern der Mittelstufe plus stelle er eine „Sorglos-Mentalität“ fest. Die Noten seien nicht berauschend, wie auch der erste Zeugnis-Zwischenbericht diesen Freitag ergeben werde. Die Schüler hätten bewusst keinen Nachmittagsunterricht, die Freizeit werde jedoch nicht genutzt, „um Lücken im Stoff zu schließen“. Auch Heinz-Peter Meidinger, Chef des Deutschen Philologenverbands und Schulleiter in Deggendorf, warnt: Die Mittelstufe plus dürfe nicht „zur Hängematte“ werden. Der Jahrgangsstufentest der Achtklässler in Mathe sei an seiner Schule im Mittelstufe-plus-Zug schlechter ausgefallen als im G8-Zug, wenngleich Meidinger gleichfalls betont, dass es beim Deutsch-Test diese Unterschiede nicht gab.

Das Kultusministerium will nicht kommentieren

Das Kultusministerium kann nicht über Probleme berichten. „Wir haben auch Rückmeldungen, dass Schüler sich sehr engagiert den Möglichkeiten widmen, die ihnen das Pilotmodell eröffnet“, erklärt Sprecher Ludwig Unger. Den Vorstoß des Philologenverbands will er nicht kommentieren. Jede Stellungnahme sei wertvoll.

Schon einmal, im Dezember 2013, hatte eine Hauptversammlung des Philologenverbands den Anstoß zu einer langen öffentlichen Debatte über das G9 geführt. Damals sprachen sich in Amberg fast alle Delegierten für das G9 aus – in der Folgezeit gab es erst das Volksbegehren, dann die Kurskorrektur des Ministeriums, die zur Mittelstufe plus führte. Ob sich nun die Geschichte wiederholt?

Meistgelesene Artikel

Zu Fuß ins Schneetreiben: Polizei sucht geflüchteten Unfallfahrer - „Müssen von Verletzung ausgehen“
Nach einer Kollision mit einem Anhänger ist der womöglich verletzte Unfallfahrer geflüchtet. Die Polizei leitete sofort umfangreiche Suchmaßnahmen ein.
Zu Fuß ins Schneetreiben: Polizei sucht geflüchteten Unfallfahrer - „Müssen von Verletzung ausgehen“
Schneefall am Dienstag, dann kommt der Kälteeinbruch: So zapfig wird´s in Bayern
Es wird ungemütlicher im Freistaat: Am Dienstag fällt viel Schnee. Zum Wochenende hin folgt ein erster Kälteeinbruch. Der News-Ticker.
Schneefall am Dienstag, dann kommt der Kälteeinbruch: So zapfig wird´s in Bayern
Großeinsatz in Ankerzentrum: Bewohner attackieren Polizei - Feuer bricht aus
Am frühen Dienstagmorgen kam es im Ankerzentrum in Bamberg zu einem größeren Polizeieinsatz. Bewohner griffen Beamte an.
Großeinsatz in Ankerzentrum: Bewohner attackieren Polizei - Feuer bricht aus
Nach Bahn-Warnstreik: Auch am Dienstag erhebliche Einschränkungen - damit müssen Pendler rechnen
Die Tarifverhandlungen sind vorerst gescheitert. Die Gewerkschaft EVG organisierte für den Montagmorgen einen Warnstreik. Der Berufsverkehr ist auch am Dienstag noch …
Nach Bahn-Warnstreik: Auch am Dienstag erhebliche Einschränkungen - damit müssen Pendler rechnen

Kommentare