Testlauf ab kommendem Schuljahr

Mittelstufe am Gymnasium: Doch kein Unterricht am Nachmittag

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München - In der verlängerten Mittelstufe am Gymnasium, die ab nächsten Schuljahr getestet wird, wird jetzt doch weitgehend auf Nachmittagsunterricht verzichtet. Damit dürfte das Modell attraktiver werden als einst von CSU-Seite gedacht.

„Der Einsatz hat sich rentiert“, stellte Heinz-Peter Meidinger zufrieden fest. Der Deggendorfer Schulleiter und Chef des Deutschen Philologenverbands hatte das ursprüngliche Konzept des Kultusministeriums scharf kritisiert. Jetzt sei es „deutlich attraktiver“ geworden als zuerst angekündigt. Zur Erinnerung: In der verlängerten „Mittelstufe plus“ zwischen der 8. und 10. Jahrgangsstufe gibt es ein Zusatzjahr – die „9 plus“. Schüler haben denselben Stoff wie ihre Mitschüler am G8, bekommen aber ein Jahr mehr Zeit. Schulen sollen sich bis Ende Februar bewerben – an etwa 35 bis 40 Standorten wird das Modell zwei Jahre lang getestet, ehe es bayernweit kommt. Bei einer Erstinformation im Januar waren Schulleiter aber stutzig geworden – da war auf einmal von Nachmittagsunterricht die Rede. Dadurch wären die Unterschiede zum G8 reduziert und das Modell unattraktiv geworden – was vielleicht auch, wie manche unkten, der Sinn der Übung war.

Im Bildungsausschuss des Landtags gab sich Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) gestern tiefenentspannt. In den Jahrgangsstufen 8, 9 und 9 plus werde es nur 30 Wochenstunden geben – also sechs Stunden am Tag ohne Nachmittagsunterricht, präzisierte er. Nur in der 10. Klasse der Mittelstufe plus gibt es 32 Stunden. Im Vergleich zum G8 sind das zwei bis vier Stunden je Woche weniger. „Informationen anderer Art sind falsch.“

„Hätte er das vor drei Wochen gesagt, hätten wir uns viel gespart“, knurrte es aus den Reihen der Zuhörer im Ausschusssaal. Auch die Opposition lobte die Korrektur. „Das ist eine Entlastung, da gebe ich Ihnen recht“, sagte der Bildungsexperte der Freien Wähler, Günther Felbinger. Die Reduzierung des Nachmittagsunterrichts sei „wichtig“, befand auch sein SPD-Kollege Martin Güll. Aber viele Details seien unklar: Was zum Beispiel passiere mit einem Schüler, der in der Mittelstufe plus sitzenbleibe? Warum bekomme ein „Mittelstufen-plus-Schüler“ erst nach elf Schuljahren die Mittlere Reife? Und wer entscheide eigentlich darüber, wer auf die Mittelstufe plus gehen dürfe? Die Schüler? Eltern? Lehrer?

Dies solle erst im Testlauf festgezurrt werden, antwortete Spaenle. Als Felbinger ihm dann „Etikettenschwindel“ vorhielt, entglitten dem Minister die Gesichtszüge. Entgeistert warf er seinen Stift auf den Tisch. Ihn wundere die „Schrillheit“ der Debatte. Die Mittelstufe plus „war Ihre Idee, dafür werden Sie jetzt auch geprügelt“, entgegnete Güll: Die SPD selbst denke das Gymnasium nach wie vor von neun Jahren her – nicht von acht wie der Minister. Und der Lehrerverband BLLV kündigte an, ein eigenes Konzept zum Gymnasium vorzulegen. Die Diskussion wird also weitergehen.

Dirk Walter

Rubriklistenbild: © dpa

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