Das Haberfeldtreiben

Der oberbayerische Brauch des Haberfeldtreibens ist eine Art nächtliches Feldgericht.

Bei dem düsteren Ritual prangern die Haberer in schwarzen Mänteln und Hüten und mit rußgeschwärzten Gesichtern in Versform die Missetaten des Betreffenden an. Der Haberfeldmeister trägt im Fackelschein die angeblichen Untaten vor und schließt jeweils mit der Frage: "Is des wahr?" Die Haberer erwidern zustimmend und unter dem Lärm von Kuhglocken, Trommeln, Ratschen und Trompeten: "Wahr is!" Mit der Drohung, im nächsten Jahr wieder zu kommen, falls sich der Untäter nicht bessert, ziehen sie sich am Ende des Treibens zurück.

Früher waren Haberfeldtreiben auch eine Art des Widerstands des Landvolks gegen die Obrigkeit, wenn diese Verfehlungen nicht ahndete. Justizministerin Beate Merk (CSU) spricht heute von einem gesetzlosen Instrument und einer inakzeptablen Selbstjustiz. Um den "Täter" für alle sichtbar zu machen, wurde früher gelegentlich auch dessen Haus kenntlich gemacht, etwa indem man einen Mistwagen zerlegte und aufs Dach stellte.

Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Brauch verboten, weil die Haberfeldtreiben eskalierten und es zu Beschädigungen und Körperverletzungen kam. Die Bauern ließen den Brauch aber jüngst einige Male wieder wieder aufleben, etwa 1999 wegen der Gentechnik sowie im Jahr 2000. Ende 2008 war dann Bauernpräsident Gerd Sonnleitner Ziel eines Haberfeldtreibens.

dpa

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