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Bauern protestieren beim Haberfeldtreiben gegen Seehofer und seine Politik.

Haberfeldtreiben

Wütende Bauern demonstrieren gegen Seehofer

München - Das Haberfeldtreiben ist ein alter Brauch aus dem Tegernseer Land. Am Mittwochabend war es wieder so weit: Vermummte Bauern zogen gegen Seehofer zu Felde.

Mit Kuhglocken, Trommeln und Ratschen sind am Mittwochabend mehrere hundert wütende Bayern gegen Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) und dessen schwarz-gelbe Staatsregierung zu Felde gezogen. Zu dem traditionellen Haberfeldtreiben vor der Münchner Staatskanzlei hatte die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) aufgerufen. Anlass für den Protest waren die sinkenden Milchpreise, die Debatte über die grüne Gentechnik sowie die Zwangsimpfungen von Rindern gegen die Blauzungenkrankheit.

Bilder vom Haberfeldtreiben

Bilder vom Haberfeldtreiben

Hausherr Seehofer war wegen Wahlkampfterminen in Franken nicht anwesend. Justizministerin Beate Merk (CSU) hatte das Haberfeldtreiben am Mittwoch schon vorab scharf verurteilt. Das Ritual sei völlig inakzeptabel und gehöre nicht in eine Demokratie. Die Demonstranten marschierten mit Fackeln und mit teils geschwärzten Gesichtern vor Seehofers Amtssitz auf. Ihre Kritik richtete sich gegen Seehofer, aber auch gegen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bundesagrarministerin Ilse Aigner (CSU).

Ein düsteres Ritual

Die AbL-Bundesvorsitzende Maria Heubuch sagte: “Wir sind im Moment dabei, alles zu verlieren, was uns wichtig ist.“ Die Milchpreiskrise gefährde Zehntausende von Existenzen, warnte sie. Andere Redner kritisierten, die Politik versuche, die Bauern für dumm zu verkaufen.

Haberfeldtreiben sind eine alte Form von Bauernprotesten aus dem Tegernseer Land, eine Art Feldgericht. Bei diesen düsteren Ritualen prangerten die Haberer in Versform die Missetaten ihrer “Opfer“ an. Dabei kam es gelegentlich auch zu Verwüstungen und Übergriffen. Die letzten großen Haberfeldtreiben gab es Ende des 19. Jahrhunderts.

Merk betonte, Haberfeldtreiben früherer Zeiten seien keine Demonstrationen gewesen. “Es handelte sich vielmehr um Selbstjustiz, bei der Streitigkeiten und Verfehlungen geregelt beziehungsweise geahndet wurden, ohne die zuständigen Obrigkeiten einzuschalten“, sagte sie laut Mitteilung. “Wer dieses gesetzlose Instrument in der heutigen Zeit wiederbeleben will, geht den völlig falschen Weg.“ Argumente durch emotionale Aggression zu ersetzen, sei kein Weg, betonte Merk.

Auch der Bauernverband und der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter hatten sich vorab von dem Protest der AbL, einer kleinen Konkurrenzorganisation des Bauernverbandes, distanziert.

dpa

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