Haftstrafe für Augsburger Altenpfleger

Augsburg - Ein Altenpfleger hat die Bewohner eines Heimes in Augsburg geschlagen und zum Essen genötigt. Der 60-Jährige wurde deshalb nun zu einer Freiheitsstrafe von eineinhalb Jahren verurteilt.

Lesen Sie auch:

Neue Pflegeheim-Leitung nach Skandal in Augsburg

In einem Augsburger Heim hat ein Altenpfleger die Bewohner mehrfach geschlagen und sie zum Essen gezwungen. Das Landgericht Augsburg verurteilte den 60-Jährigen deshalb am Donnerstag zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten wegen vorsätzlicher Körperverletzung, Nötigung und versuchter Körperverletzung. In seiner Urteilsbegründung hob der Vorsitzende Richter Karl-Heinz Haeusler die schlechten Bedingungen hervor, unter denen der Pfleger arbeiten musste.

“Man muss schon sehen, unter welchen Zwängen Sie gearbeitet haben“, betonte der Richter. Allerdings sitze nicht das Heim auf der Anklagebank, sondern der Altenpfleger selbst. Und dieser habe sich nicht richtig verhalten. Haeusler bezeichnete den 60-Jährigen als “Mann mit zwei Gesichtern“. Der Altenpfleger habe genau gewusst, was die Heimleitung von ihm verlangte und sich zum eigenen Vorteil stets kooperativ gezeigt. “Aber auf Kosten derer, die Ihnen anvertraut waren.“

Kurz vor dem Urteil hatte die Kammer einige Anklagepunkte fallengelassen, weil sie nicht einwandfrei nachgewiesen werden konnten. In zwei Punkten sprach das Gericht den Altenpfleger zudem frei - unter anderem vom Vorwurf, einen Bewohner in den Schwitzkasten genommen zu haben. Der Haftbefehl wurde nach neun Monaten Untersuchungshaft aufgehoben. Eine Strafzumessungskammer werde nun klären, ob der Verurteilte seine Reststrafe im Gefängnis absitzen müsse oder ob sie zur Bewährung ausgesetzt werden könne.

Mit dem Urteil folgte das Gericht den Forderungen der Staatsanwaltschaft. “Die Bewohner waren ausgeliefert und er hat das ausgenutzt“, betonte die Anklägerin in ihrem Plädoyer. Die Verteidigung des Pflegers hätte ihn hingegen mit viereinhalb Monaten auf Bewährung ausreichend bestraft gesehen. Er sei ein “passionierter Altenpfleger“, der keinem Bewohner vorsätzlich schaden wollte. Zudem habe er unter Denunzierungen seiner Kollegen gelitten. “Jeder arbeitete gegen jeden“, sagte sein Anwalt.

Der 60-Jährige selbst hatte nach den Plädoyers unter Tränen beteuert, ein guter Altenpfleger gewesen zu sein. Er habe Fortbildungen gemacht und versucht, sich Zeit für die Bewohner und ihre Angehörigen zu nehmen. “Ich habe immer versucht, das beste zu tun“, sagte er. Allerdings sei er alleine für 22 Menschen verantwortlich gewesen. “Wenn ich etwas getan habe, dann war es nicht mein Wille“, betonte der Pfleger.

Die Missstände im Augsburger Heim waren im Januar durch anonyme Briefe einiger Mitarbeiter bekanntgeworden. Die Heimleiterin und der angeklagte Pfleger wurden daraufhin vom Bayerischen Roten Kreuz (BRK), zu dem das Heim gehört, fristlos entlassen. Zwischenzeitlich seien die Rahmenbedingungen sehr viel besser geworden, sagte BRK-Sprecherin Hanna Hutschenreiter nach der Urteilsverkündung. “Das Heim ist gut aufgestellt, es ist ein kompletter Neuanfang gemacht worden mit einer neuen Heimleitung“, betonte sie. Zudem sei die Einrichtung vom medizinischen Dienst und von der Heimaufsicht sehr gut bewertet worden.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Lawinen-Ticker: Nur in Allgäuer Alpen erhebliche Gefahr
Lawinen sind der absolute Alptraum für Wintersportler. In unserem Ticker verraten wir Ihnen, wie sich die Lage an den bayerischen Ausflugszielen aktuell darstellt.
Lawinen-Ticker: Nur in Allgäuer Alpen erhebliche Gefahr
Wer kennt diesen Mann? Polizei veröffentlicht Foto nach Raub
Ein bewaffneter Mann hat am Donnerstagabend eine Tankstelle in Eggenfelden überfallen. Jetzt hat die Polizei ein Foto veröffentlicht.
Wer kennt diesen Mann? Polizei veröffentlicht Foto nach Raub
Rätsel nach Fund von Frauenleiche gelöst
Wer ist die Frau? Und woran starb sie? Diese Fragen waren nach dem Fund einer Leiche im Landkreis Kelheim offen. Inzwischen hat die Polizei sie wohl geklärt.
Rätsel nach Fund von Frauenleiche gelöst
Straße nach Lkw-Unfall stundenlang gesperrt
Ein Lkw-Fahrer ist bei einem Unfall auf der Bundesstraße 14 in der Nähe von Gebenbach (Landkreis Amberg-Sulzbach) schwer verletzt worden.
Straße nach Lkw-Unfall stundenlang gesperrt

Kommentare