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Startklar! Berufspilot Georg Vogl (59) sitzt im Cockpit seiner 420 PS starken Propellermaschine

In 2000 Metern Höhe

Hageljäger in Bayern: So  „impfen“ sie die Gewitterwolken

Wenn Georg Vogl in die Luft geht, braut sich am Himmel etwas zusammen. Der 59-Jährige ist Hagelflieger. In 2000 Metern Höhe „impft“ er Gewitterwolken mit Silberjodid. Mitten im Unwetter rüttelt es das Flugzeug gehörig durch. Angst aber hat der Pilot nicht.

Es ist ein heißer Sommertag, viele Menschen sind beim Baden oder sitzen in der Eisdiele. Hagelflieger Georg Vogl (59) aber sitzt auf der Terrasse seines Hauses nahe Rosenheim und beobachtet das Wetter. Daten von meteorologischen Diensten liefern ihm präzise Vorhersagen aufs Smartphone. Vor allem interessiert den 59-Jährigen, wo am bayerischen Alpenrand sich ein Gewitter zusammenbraut. Im Landkreis Weilheim-Schongau sieht es am Nachmittag ganz danach aus.

Vogl steigt ins Auto und fährt zum nahen Flugplatz Vogtareuth. Im Hangar stehen zwei einsatzbereite Flugzeuge. Nach wenigen Minuten heben er und ein Kollege mit beiden zweimotorigen Maschinen ab – Hagelabwehr ist angesagt. Mit Silberjodid, einer Verbindung aus Silber und Jod, bekämpfen sie die gefährlichen Eiskörner, die immensen Schaden anrichten können.

Der Hagelfliegerpilot Georg Vogl bereitet sein Arbeitsflugzeug auf den nächsten Einsatz im Hagel vor, indem er den Silberjodid-Generator pflegt.

Die Hagelflieger sind für Stadt und Landkreis Rosenheim, die Landkreise Miesbach und Traunstein sowie an die 20 österreichischen grenznahen Gemeinden rund um Kufstein im Einsatz – eine Fläche von zusammen 4800 Quadratkilometern. Vogl ist Chef der Naturschutzbehörde im Landratsamt Rosenheim. Als gelernter Berufspilot leitet er das siebenköpfige Team der Hagelflieger.

An den Tragflächen der beiden je 420 PS starken Propellermaschinen hängen zwei Generatoren mit je 20 Litern in Aceton gelöstem Silberjodid, die in einer Gewitterzelle gezündet werden. Der Stoff besitzt eine dem Eis sehr ähnliche kristalline Struktur. „Jedes Gramm erzeugt Milliarden von Eiskeimen“, weiß Vogl. Das Silberjodid „impft“ die Gewitterwolke mit den Eiskeimen. Statt großer Eiskristalle bilden sich viele kleine, anstelle dicker Hagelkörner kommen am Boden allenfalls Graupelschauer oder gar nur Regen an.

Das „Impfen“ der Gewitterwolken geschieht in etwa 2000 Metern Höhe. „Der Aufwind zieht mich regelrecht hinein, wo ich das Silberjodid loswerden will.“ Im Gewitter werden die beiden Flugzeuge gehörig durchgerüttelt. „Es ist turbulent, manchmal sehr turbulent“, sagt Vogl. „Aber unsere Maschinen sind sehr gutmütig.“ Die Sicherheit der Piloten hat immer Vorrang vor der Verhinderung eines Hagelschauers. „Man muss schauen, was man treibt, muss wissen, in welches Tal man noch hineinfliegen kann.“ Wenn es zu gefährlich wird, kehren Vogl und seine Kollegen um. Angst kennt der Vater dreier erwachsener Kinder nicht, nur Respekt vor der Gefahr. „Meine Familie lebt seit Jahrzehnten damit.“

dpa

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