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Hans B. (vermummt) äußerte sich nicht zu den Vorwürfen, sein Komplize Francesco de L. (re.) will von nichts gewusst haben

Haiti-Sexsklave: Sogar der Komplize gibt sich schockiert

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München - Ingenieur Hans B. (58) soll auf Haiti nur deshalb ein Kinderheim gegründet haben, um dort Erdbebenwaisen zu vergewaltigen. Vor Gericht gibt sich sogar sein Komplize schockiert.

Seine Taten sollen einem einzigen Albtraum entsprungen sein. Ingenieur Hans B. (58) aus Berlin soll auf Haiti nur deshalb ein Kinderheim gegründet haben, um dort Erdbebenwaisen zu vergewaltigen und dann nach Deutschland zu verschleppen. Seit Mittwoch muss sich der „Projektmanager“ eines angeblichen humanitären Vereins vor dem Landshuter Landgericht verantworten, zusammen mit einem Komplizen: Beide waren am Flughafen München in dem Moment geschnappt worden, als ein 12-jähriger Sex-Sklave eingeschleust werden sollte.

Die Anklage wirft Hans B. schweren Menschenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung und mehrfachen schweren sexuellen Kindesmissbrauch vor, zum Teil mit Vergewaltigung. Sein Komplize, Francesco de L. aus Brasilien, muss sich wegen Beihilfe zum Menschenhandel veranworten: Er soll bei der brasilianischen Botschaft in Santa Domingo (Dominikanische Republik) mit einer gefälschten Geburtsurkunde einen brasilianischen Reisepass für den Kleinen besorgt haben. Bei der Einreise gab er den Bub dann als seinen Sohn aus. Falls die Verschleppung geglückt wäre, wäre Flavio weiterem Missbrauch ausgeliefert gewesen.

Während der Hauptangeklagte am Mittwoch schwieg, wirkte der Brasilianer fast froh darüber, sich äußern zu können: Der fünffache Vater berichtete über seine ärmliche Kindheit in Brasilien, die eine Wende genommen habe, „als ich in einem Fußballinternat aufgenommen wurde“. Bei einem Turnier sei er entdeckt worden, zunächst nach Anderlecht und dann zu den Nachwuchsmannschaften von Borussia Dortmund und Hertha BSC gekommen. Zuletzt spielte er bei einem Amateurclub.

Hans B. , genannt „John“, habe er 2008 in Berlin kennengelernt. „Ich bin schockiert, was ich in der Anklage über ihn gelesen habe,“ so der 27-Jährige. Der 58-Jährige habe ihn zur Vereinsmitarbeit animiert, von Projekten in der DomRep und in Haiti erzählt und ihm einen gut bezahlten Job als Sozialarbeiter versprochen.

Ende Januar 2011 sei man in die DomRep geflogen: „Ich habe mich gefreut, dort mit Kindern zu arbeiten, sie zu trainieren.“ „John“ sei vor Ort bekannt gewesen. „Er gab den Eltern Geld für Essen und beschenkte die Kinder.“ Von Missbrauchshandlungen habe er nichts mitbekommen.

Irgendwann habe ihm „John“ Flavio vorgestellt, angeblich ein haitianischer Waise. Der Ingenieur habe ihn adoptieren wollen, doch dies sei nicht möglich gewesen. „Wir wollten ihm eine Chance geben und ihn nach Deutschland holen. Deshalb wollte ich ihn dann adoptieren“, erklärte der Fußballer. „Mein Fehler war es, dass ich mit den falschen Unterlagen den Pass besorgt habe.”

Für „John“ hat er offenbar nun weniger übrig. „Er muss ja ein Monster sein!“ Doch sind diese Aussagen nur Ausflüchte? Bei der Festnahme fanden die Beamten 67 kinderpornografische Bilder bei „John“. Von solchen Bildern soll auch der Brasilianer gewusst haben. Der Prozess wird im Januar fortgesetzt.

WS./MC.

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