Studenten erheben schwere Vorwürfe

Halbes Gramm Gras: Überharter Polizeieinsatz in Regensburg?

Regensburg - Nachts zu laut und ein bisschen Marihuana geraucht: Möglicherweise Grund genug für die Regensburger Polizei, zu nachtschlafender Zeit eine Hausdurchsuchung durchzuführen - und das mit aller Dreistigkeit.

Die Vorgeschichte: Im Bericht der Regensburger Polizei ist von einer Ruhestörung im Süden der Stadt die Rede, zu der die Beamten gerufen wurden. Vor Ort nahmen die Beamten Marihuanageruch wahr, woraufhin die Wohnung durchsucht wurde. In der Folge seien mehrere Gramm Marihuana sowie entsprechendes Zubehör sichergestellt worden.

Betroffene erzählen ihre Seite der Geschichte

Diese Version wird von den Betroffenen aber dementiert und ganz anders geschildert. Die jungen Leute wendeten sich an vice.com, wo sie ihre Seite der Geschichte erzählen. Zu einer normalen Ruhestörungs-Kontrolle seien zwei Beamte gekommen. Als sich einer der WG-Bewohner - mit roten Augen - für die Lautstärke entschuldigte, zogen die Polizisten wieder ab. Die Vorwürfe, die die Betroffenen dann erheben, sind drastisch:

Die Vorwürfe

Vorwurf 1: Kurz darauf habe die Tür wieder geklingelt. Einer der zu diesem Zeitpunkt sechs Leute in der Wohnung öffnete die Tür, da er noch nüchtern war. Acht oder neun Polizisten sollen dann in die Wohnung gestürmt sein, den jungen Mann dabei gestoßen haben.

Vorwurf 2: Der Forderung nach einem Durchsuchungsbefehl seien die Beamten nicht nachgekommen. Lediglich die Aussage, dass dieser mündlich erteilt wurde, sei gefallen.

Vorwurf 3: Die Polizisten hätten abfällige Kommentare geäußert, wie: "Wir hatten einfach mal wieder Bock, eine Wohnung hochzunehmen."

Vorwurf 4: Die WG-Bewohner und ihre Gäste hätten ihre Rechte eingefordert (Anwalt anrufen, bei der Durchsuchung des Zimmers anwesend sein), aber unter Androhung von Handschellen und der Abnahme ihrer Handys nicht erhalten.

Vorwurf 5: Die Beamten hätten keinerlei Interesse an einer Durchsuchung gezeigt, vielmehr daran, ein Chaos zu veranstalten. Bei einer Beschwerde darüber habe ein Polizist gemeint: "Wir können auch den Boden mit der Motorsäge aufschneiden, wenn wir wollen."

Vorwurf 6: Die Wohnungstür sei die ganze Zeit offen gewesen. Vier weitere Zivilbeamte seien eingetroffen, darunter eine Frau. Sie habe die einzige weibliche Person der Betroffenen ins Badezimmer geführt, sich dort nackt ausziehen lassen. Nach Aussage der WG-Bewohner sei das Ziel reine Erniedrigung gewesen.

Vorwurf 7: Als die jungen Leute nach den Namen der Beamten fragten, hätten sie keine Antwort erhalten.

Jetzt ergäben sich Probleme für die Bewohner, vor allem mit der Hausverwaltung, die meinen, dass jetzt "Schwerkriminelle" in ihrer Wohnung leben. Einer der Bewohner habe nun Schlafprobleme, bekomme bei jedem Klingeln an der Tür Angst, obwohl die Wohnung völlig sauber sei. Panik mache sich breit, wenn er Polizei nur sieht und hört.

Das sagt die Polizei

Michael Rebele, Pressesprecher der Regensburger Polizei erklärt: "Wir haben von dieser Geschichte nur durch das Portal vice.com erfahren. Bei uns ging keine Beschwerde oder gar Anzeige ein." Zu den Vorwürfen könne man nichts sagen, der Fall liegt allerdings in der Personalabteilung zur Prüfung. Dabei werden die Beamten, die am Einsatz beteiligt waren, befragt. Anschließend soll der Fall auch noch von der Staatsanwaltschaft geprüft werden, die dann entscheidet, wie es weitergeht. Gut möglich, dass die Bewohner der WG und ihre Gäste auch als Zeugen gehört werden. Erst nach der Rückmeldung der Beamten und der Staatsanwaltschaft wird man den Fall dann zu den Akten legen - oder weiterverfolgen.

ahi

Rubriklistenbild: © dpa

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