Vortrag des Merkur Forums

Facebook gefährlich? Die Hammer-Erklärung

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München –Moritz Becker referiert über die Gefahren für Jugendliche im Internet. Klingt sperrig, ist es aber nicht. Mit Humor und großem Verständnis zerstreut er die Sorgen vieler Eltern.

Um Facebook, Cybermobbing und Youtube zu erklären, braucht Moritz Becker nur einen stinknormalen Hammer. Becker hält das Werkzeug in seinen Händen, dreht es ein wenig hin und her, zeigt damit in das verdutzte Publikum. Rund 100 Leute sind in die Alte Rotation des Münchner Merkur gekommen, damit Becker ihnen sagt, warum ihre Söhne und Töchter eigentlich so viel Zeit im Internet verbringen und wo da genau die Gefahren liegen, über die sie sich oft große Sorgen machen. Und jetzt zeigt er ihnen einen Hammer? Spinnt der?

Becker fragt ins Publikum, wer sich denn damit schon mal auf den Daumen geschlagen hat. Die Leute grinsen. Ist schon ein Vogel, dieser Referent. Dutzende Hände gehen hoch, eigentlich ist das ja jedem schon mal passiert. Und jetzt sagt Becker: „Aber niemand käme auf die Idee, Schaumstoff drüber zu machen. Oder den Hammer erst ab 18 Jahren frei zu geben“. Stimmt. Und so sei das auch mit dem Internet. Natürlich gebe es da Gefahren. Aber Kindern einfach nur Dinge zu verbieten, sei keine Lösung. Die Eltern sollen sich vielmehr mit ihren Kindern beschäftigen, sich zeigen lassen, was man mit Facebook machen kann, was man bei Youtube sehen kann. Aber den oft pubertierenden Sprösslingen auch erklären, was Privatsphäre und Respekt ist. Dann kann so viel schon nicht mehr passieren. Nur bei pauschalen Verboten können sich die Eltern sicher sein, dass ihre Kinder rebellieren. Und sich früher oder später nicht mehr daran halten werden. Der Sozialpädagoge Becker ist Profi. 200 Mal schon hat er diesen Vortrag gehalten. Sein Trick: Er erklärt den Eltern nicht nur die Internet-Phänomene, sondern auch ihre Kinder selbst. Beispiel: Die Jungen verabreden sich nicht übers Telefon, sondern über Facebook zum Fußball am Nachmittag. „Ein sehr beliebtes Kind ohne Facebook wird immer auch angerufen werden“, sagt Becker, „aber nicht jedes Kind ist sehr beliebt.“ Das offenbar gern genutzte Argument vieler Eltern, dass sie früher zum Kicken auch kein Facebook gebraucht hätten, zerstört er mit einer einfachen Frage: „Wer von Ihnen hat noch einen Schwarz-Weiß-Fernseher? Mehr hat’s früher ja auch nicht gebraucht.“ Stimmt auch. Den hat wirklich keiner mehr. Was es braucht, sagt Becker, ist oft nur ein wenig mehr Gelassenheit.

Patrick Wehner

Rubriklistenbild: © Bodmer

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