Hammer-Mord: Ehemann gesteht Tötung seiner Frau

Schweinfurt/Sandberg - Ein wegen Mordes angeklagter Mann hat am Freitag vor dem Landgericht Schweinfurt gestanden, seine Ehefrau mit einem Hammer erschlagen zu haben. "Letztendlich war das der einzige Ausweg", sagte der 59-Jährige.

Mehrere Stunden verhören die Richter am Landgericht Schweinfurt am Freitag einen Mann, der seine Frau mit mindestens zehn Hammerschlägen getötet hat. "Letztendlich war das der einzige Ausweg", gibt der 59-Jährige die Tat unumwunden zu. "Ich war am Ende. Ich konnte nicht mehr", erklärt er mit zittriger Stimme dem Gericht seine Verfassung, nachdem er die kranke 60-Jährige jahrelang alleine zu Hause versorgt hatte. Doch die Vorsitzende Richterin Elisabeth Ott versteht dennoch nicht, wieso der streng religiöse Angeklagte seine Frau umgebracht hat, der es zur Tatzeit längst wieder besserging.

35 Jahre war das Paar verheiratet gewesen. Im vergangenen November war der 59-Jährige nach eigenen Worten beim Nullpunkt angekommen: Um die Mittagszeit tötete er im gemeinsamen Haus in Sandberg (Landkreis Rhön-Grabfeld) seine Frau. Sie lag im Wohnzimmer. Ob sie schlief, als ihr Mann zuschlug, blieb auch zum Prozessauftakt unklar.

Immer wieder verstrickte sich der Angeklagte bei seiner Aussage in Widersprüche, wich von seinem Geständnis direkt nach der Bluttat ab. Der Angeklagte wirkte teilweise zerstreut, dann konnte er sich wieder an alles erinnern. Die Verhandlung musste mehrfach unterbrochen werden. Gutachtern zufolge ist der Angeklagte zwar verhandlungsfähig. Auch das Gericht spürte, wie sehr ihn die Medikamente beeinflussten, die er einnehmen muss.

Etwa ein Jahr lang konnte die Frau nach Aussage ihres Mannes nicht aus dem Bett aufstehen. Sie habe nicht gejammert, erzählt er. Woran die Hausfrau litt, wird nicht so recht deutlich. Wasser in den Beinen, Übergewicht - der Angeklagte, der früher in seiner Geburtsstadt Berlin einen einjährigen Abendkurs zum Krankenpfleger gemacht hat, wich nicht von ihrer Seite. "Ich habe meine Frau 35 Jahre lang versorgt."

Prügelende Eltern, sexueller Missbrauch, keine Ausbildung, Hilfsarbeiten, mobbende Kollegen, Streit mit Nachbarn, eine herrische, dominante Frau, die es mit dem Geld nicht so genau nahm. Er selbst sehr religiös, extrem sparsam bis geizig - schnell wurde der Kammer klar, dass der Mann kein leichtes Leben hatte. Er habe sich um den gesamten Haushalt gekümmert, den Hund ausgeführt, war einkaufen. Sie habe sich kaum bewegen können, nur shoppen konnte sie noch, erzählte der Angeklagte. Schimpfen ging auch - "Schlappschwanz" soll sie ihn genannt haben. "Ich war völlig überfordert. Ich hätte ärztliche Hilfe benötigt", schilderte der 59-Jährige seine Gefühlslage.

Oberstaatsanwalt Rainer Gündert geht davon aus, dass der Angeklagte die Bluttat heimtückisch geplant hat. Der Mann äußerte sich ähnlich. "Nach der Tat nahm der Angeklagte eine Brotzeit ein", sagte der Oberstaatsanwalt. Darüber hinaus habe er noch eineinhalb Stunden geduscht, ergänzte der Angeklagte. Ob er sich damit von allem befreien wollte, fragt die Vorsitzende Richterin. "Das kann schon sein", antwortete der Mann. Etliche Stunden nach dem Verbrechen rief der 59-Jährige die Polizei. "Ich wollte meine Frau verabschieden", begründete er die Zeitspanne. Eigentlich habe er sich umbringen wollen. Ob der Mann unter Depressionen leidet oder andere psychische Erkrankungen hat, muss nun ein Gutachter klären.

Von Angelika Röpcke

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