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Mit aller Kraft des Willens: In einem solchen Handbike will Felix Brunner die Alpen überqueren. Der 24-Jährige sitzt seit einem schweren Kletterunfall vor mehr als vier Jahren im Rollstuhl.

Rückkehr nach Kletterunfall

Felix fährt im Handfahrrad über die Alpen

Hopferau - Seit einem Kletterunfall sitzt Felix Brunner im Rollstuhl. Der 24-jährige Allgäuer hat seinen Lebensmut aber nie verloren. Auch die Liebe zu den Bergen ist geblieben. Jetzt will er mit einem Handbike die Alpen überqueren.

Felix Brunner hat sich hohe Ziele gesteckt: Der 24-jährige Allgäuer will die Alpen überqueren und weitestgehend mit eigener Muskelkraft 480 Kilometer und 12 000 Höhenmeter überwinden. Schon für Menschen mit gesunden Beinen ist diese Mountainbike-Tour eine Herausforderung. Für Brunner ist sie viel mehr. Denn der begeisterte Bergsportler sitzt seit einem Kletterunfall im Rollstuhl. Mit dem Handbike, einem mit den Armen angetriebenen Fahrrad für Rollstuhlfahrer, will er die Tour meistern. „Ich freue mich wahnsinnig darauf. Es reizt mich, etwas zu schaffen, was auf den ersten Blick als unmöglich erscheint. Ich glaube nicht, dass das vor mir schon jemand versucht hat.“

Am Samstag, 3. August, soll es losgehen: Nach dem Start in Füssen will Brunner nach zehn Tagen sein Ziel Riva am Gardasee erreichen. Ein achtköpfiges Team wird ihn begleiten. „Ich will die Tour natürlich alleine schaffen. Aber wenn es eng wird, ist es gut, wenn mir mal jemand über einen Stein oder Absatz helfen kann.“ Die Route über zahlreiche Pässe – der höchste ist 2604 Meter hoch – hat Brunners Vater ausgesucht. Der leidenschaftliche Mountainbiker habe schon mehrere Transalp-Touren bestritten, sagt sein Sohn. „Ich freue mich unglaublich, dass ich jetzt mit ihm diese Tour machen kann.“

Vor viereinhalb Jahren war noch völlig ungewiss, ob der junge Bergwachtler aus Hopferau im Ostallgäu jemals wieder Sport treiben kann. Im Januar 2009 stürzte er auf dem Rückweg von einer Eisklettertour im steilen Gelände etwa 30 Meter tief in ein Bachbett. Er erlitt Trümmerbrüche mit schweren inneren Blutungen. 13 Monate lag er auf der Intensivstation, davon acht Monate im künstlichen Koma. Weil es immer wieder Komplikationen gab, musste er 60 Mal operiert werden.

Seinen Lebensmut hat Brunner trotzdem nie verloren. „Der Gedanke: ‚Das war’s jetzt‘ kam mir nie.“ Er habe die Situation akzeptiert. „Der Unfall hat mein Leben zwar verändert. Aber was ich jetzt machen kann, ist für mich genauso Erfüllung, wie es Klettern und Bergsteigen waren.“

Mit positivem Denken, davon ist der 24-Jährige überzeugt, geht es im Leben immer weiter. „Der Horizont ist nicht das Ende“, hat er seinen Motivationsvortrag betitelt, den er an Kliniken, in Schulen und Firmen hält. Nicht nur Kranken und Behinderten will er mit seiner Geschichte Mut machen. „Jeder Mensch muss in seinem Leben Probleme und Niederlagen bewältigen. Und für jeden gibt es hinter dem Horizont etwas, für das es sich zu kämpfen lohnt.“

Das bevorstehende Abenteuer sieht Brunner als eine Art Expedition. Er fühle sich körperlich topfit. „Aber ich weiß nicht, ob das Material hält.“ Die Rede ist von dem geländetauglichen Handfahrrad, das ein Rollstuhlfahrer in den USA entwickelt hat. Mit einem üblichen Handbike für die Straße, wie es in Deutschland verkauft wird, wäre die Tour über die Alpen technisch nicht möglich, ist der Allgäuer überzeugt.

Der Grund: Ein normales Handbike hat vorne ein und hinten zwei Räder. „Bei meinem Handbike aus USA ist es genau umgekehrt. Dadurch ist es wendiger, kann engere Kurven fahren und kippt auf holprigen Wegen nicht so schnell um.“ Brunner ließ außerdem einen Hilfsmotor einbauen, der ihm bei Anstiegen helfen soll, ähnlich wie bei E-Bikes. „Das Rad wiegt allein 30 Kilo. Der Motor soll mir bei extremen Steigungen ein paar Kilo abnehmen.“

Bei seinem Unfall hatte Brunner vier Liter Blut verloren. Bis heute benötigte er etwa 800 Blutkonserven. Als Dank organisierte er mit dem Blutspendedienst des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) drei große Blutspendeaktionen im Ostallgäu. „Mir ist klar geworden, wie wichtig Blutspenden ist“, sagt er. Der Blutspendedienst unterstützt den jungen Sportler im Gegenzug bei seinem Vorhaben, die Alpen zu überqueren. „Felix zeigt vorbildlich, wie man sehr schwierige Situationen im Leben meistern kann“, sagt Georg Götz, Geschäftsführer des Blutspendedienstes beim BRK.

„Von der Transfusion zur Transalp“ heißt das Projekt. Und Brunner hat schon eine weitere Schlagzeile parat: „Vom Bergsport in den Rollstuhl und zurück. Das war von Anfang an mein Ziel – und ich habe es erreicht.“

Birgit Ellinger

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