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„So nicht“ – Handschrift eines Viertklässler aus dem Landkreis Dachau.

Umfrage zeigt

Lehrer schlagen Alarm: Die Handschrift in der Krise

München - Was oft vermutet wurde, kann nun durch eine Umfrage mit Zahlen untermauert werden: Schüler haben zunehmend Probleme mit der Handschrift.

Im Unterricht müsse daher mehr Wert auf grob- und feinmotorische Fähigkeiten gelegt werden, fordern Lehrer.

„Stirbt die Handschrift aus?“ – unter dieser Überschrift hatte der Lehrerverband zusammen mit dem Schreibmotorik Institut im Dezember 2014 eine Online-Umfrage gestartet. Die Ergebnisse der vom Stiftehersteller Stabilo International GmbH gesponserten Erhebung liegen jetzt vor. 2100 Lehrer, knapp 20 Prozent hiervon aus Bayern, beteiligten sich bundesweit. Vier Fünftel gaben an, dass sich die Handschrift ihrer Schüler in den vergangenen Jahren verschlechtert hat. Zwar kann man annehmen, dass sich an der Umfrage vornehmlich diejenigen Pädagogen beteiligten, die die Handschrift-Fertigkeiten ihrer Schüler von jeher kritisch beäugen. Dennoch regen die Detail-Ergebnisse zweifellos zur Diskussion an.

-1. Ergebnis: Die Fähigkeit, „schön“ zu schreiben, nimmt über die Jahre ab. In der Grundschule sind noch 58 Prozent der Lehrer mit der Handschrift ihrer Schüler „sehr zufrieden“, „zufrieden“ oder nennen sie „befriedigend“. In weiterführendenSchulen sind dies nur 22 Prozent.

-2. Ergebnis: Unschön-Schreiben ist ein Buben-Problem. 51 Prozent der Buben, aber nur 31 Prozent der Mädchen hätten keine flüssige und leserliche Handschrift, gaben die Lehrer an.

-3. Ergebnis: Fast zwei Drittel der Schüler können nicht 30 Minuten oder gar länger beschwerdefrei schreiben. Die Ergebnisse in den Bundesländern unterscheiden sich hier kaum: In Baden-Württemberg sind 39 Prozent der Kinder beschwerdefrei, in Bayern 38 Prozent, in Niedersachsen 35 Prozent.

-4. Ergebnis: Schlecht-Schreiben ist auf eine Vielzahl von Gründen zurückzuführen – und in der Grundschule gibt es andere als in höheren Klassen. In den Grundschulen wurden folgende Hauptprobleme genannt: eine verkrampfte Hand (73 Prozent) und falsche Stifthaltung (68), aber auch eine schlechte Orientierung auf dem Blatt (54) und eine falsche Sitzhaltung (35). An weiterführenden Schulen wurde von folgenden Problemen berichtet: unleserliches Schreiben (92 Prozent!), zu langsames Schreiben (70) und schlicht zu wenig Routine (57) – damit hängt wahrscheinlich auch eine Beobachtung zusammen, die die Lehrer ebenfalls referierten: 53 Prozent der Grundschullehrer und 69 Prozent der Pädagogen an weiterführenden Schulen erklärten die schlechte Handschrift auch mit der „fortschreitenden Digitalisierung der Kommunikation“. Auf Deutsch: Es wird lieber gewischt (auf den Smartphones), als geschrieben.

-5. Ergebnis: Die schlechte Handschrift muss man nicht fatalistisch hinnehmen, meinen die Lehrer. 74 Prozent der Grundschullehrer fordern ein spezielles motorisches Schreibtraining, eben so viele mehr Zeit zur Förderung im Unterricht. Übrigens sind fast die Hälfte der Lehrer (47 Prozent) an weiterführenden Schulen der Meinung, dass die Schrift auch an Mittel- und Realschulen sowie Gymnasien benotet werden sollte. Eben so viele Lehrer raten dringend dazu, mit dem Füller zu schreiben – was den Sponsor der Umfrage, Stabilo International, wohl nicht freuen wird.

Josef Kraus, Präsident des Lehrerverbands und zugleich Leiter des Gymnasiums in Vilsbiburg, macht aber auch die Schulpolitik verantwortlich: Schreiben und insgesamt die sprachliche Bildung würden vernachlässigt. Schon in der Grundschule seien ein reduzierter Grundwortschatz, die Arbeit mit Lückentexten und Multiple-Choice-Aufgaben prägend. " 

Dirk Walter

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