Michael Piazolo und Markus Söder in einer Nahaufnahme.
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Michael Piazolo (li.) und Markus Söder werden mit massiven Eltern-Protesten konfrontiert.

Aufstand gegen Schulminister Piazolo

Eltern rebellieren: Zu viele Schulaufgaben in der Pandemie-Zeit

  • Dirk Walter
    vonDirk Walter
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Ungewöhnlich: Mitten in der Ferienzeit schießen sich die Eltern auf Schulminister Michael Piazolo ein, beklagen zu viele Schulaufgaben in zu kurzer Zeit und Chaos bei der Digitalisierung. Der kontert - für seine Verhältnisse - ungewöhnlich scharf.

München – Kurz vor einem geplanten Schulgipfel haben bayerische Eltern- und Schülerverbände fehlende Konzepte in Bayerns Corona-Schulpolitik beklagt und schnelle Verbesserungen gefordert. „Wir Eltern werden nicht hinnehmen, dass unsere Kinder durch die Pandemie zu Verlierern werden“, hieß es in einem am Montag veröffentlichten gemeinsamen Schreiben der Landeselternvereinigung der Gymnasien (LEV) und des Bayerischen Elternverbands (BEV) an Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler). Auch von Schülerseite wolle man auf „Umstände mit Nachbesserungsbedarf“ hinweisen, teilte Christian Mancin, Pressesprecher des Landesschülerrats in Bayern, in einem weiteren offenen Brief mit.

Am Mittwoch soll es ein Gipfelgespräch mit Ministerpräsident Markus Söder (CSU) geben, zu dem laut Kultusministerium auch die Elternverbände eingeladen sind. In dem mit den Worten „Es geht um unsere Kinder! Ein Brandbrief“ eingeleiteten Schreiben der Elternverbände kritisierten diese den Corona-Unterricht im Freistaat aber als planlos und ungerecht. „Der Leistungs- und Bildungsstand des einzelnen Schülers hängt in der Pandemie mehr denn je von elterlicher Unterstützung und Förderung ab“, hieß es. Die Schulen seien wegen der Gefahr, jederzeit wieder auf Distanzunterricht umstellen zu müssen, auf schnelle Notengebung bedacht, was Schüler und Eltern massiv unter Druck setze. Wörtlich heißt es: Das Ministerium habe „den Takt der Leistungserhebungen seit Schuljahresbeginn so massiv forciert, dass die Kinder und mit ihnen die Familien nur noch ächzen“. Es werde geprüft, „was die rote Tinte hergibt“. Piazolo bestreitet, die Schulen dazu angestiftet zu haben. Fürs „Notensammeln“ gebe es keinen Grund. Die Form des offenen Briefs nennt er „befremdlich“.

Zwei Schulaufgaben je Woche erlaubt

Laut Schulordnung dürfen an den Gymnasien zwei Schulaufgaben je Woche geschrieben werden, zudem sind am Tag einer Schulaufgabe keine Exen erlaubt (wohl aber mündliches Ausfragen). Heinz-Peter Meidinger, Chef des Deutschen Lehrerverbands, hält eine „Schulaufgaben-Welle“ für glaubhaft. „Man kann das ja verstehen, die Schulschließungen kommen ja“, sagte er dem „Münchner Merkur“. Allerdings schließe er aus, dass die Schulen Vorschriften verletzt hätten.

Zudem beklagen die Verbände „digitales Chaos“: Lizenzdauern für digitale Programme seien zu kurz, die Schulen bespielten bis zu acht digitale Kanäle gleichzeitig. Auch die Grünen-Fraktion im Bayerischen Landtag forderte mehr Flexibilität in den Lehrplänen und eine angemessene Regelung zur Notengebung und Anzahl der Leistungsnachweise in diesem Schuljahr.

Von Seiten Mancins vom Landesschülerrat hieß es: „Wir möchten uns davon distanzieren, alles schlecht zu reden und sich nur zu beschweren.“ Dennoch dürfe es keine „Notenjagd“ aus Angst vor weiteren flächendeckenden Schulschließungen geben. Auch bei den Lüftungsmaßnahmen gebe es Nachholbedarf – das bloße Lüften von Klassenräumen allein sei nicht die Lösung und es brauche Luftreinigungs- oder Luftfilteranlangen. „Gerade in der kommenden Winterzeit kann es nicht die Realität sein, dass Schülerinnen und Schüler sich anziehen und ausrüsten müssen, als gingen sie auf eine Polarexpedition“, sagte Mancin. Das führe zu Krankheiten.

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