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Ein Archivfoto der Band Böhse Onkelz.

Skandal um bayerischen Beamten

Polizist will Flüchtlinge zu den Böhsen Onkelz schicken

Pocking - Ein harmloses Facebook-Posting hat eine Flut ausländerfeindlicher Hass-Kommentare ausgelöst. Das Unglaubliche: Ein Polizeibeamter hatte die Idee, Asylbewerber zu einem Böhse-Onkelz-Konzert zu schicken - ohne Rückfahrtschein.

Die Facebook-Seite Spottet Pocking ist so etwas wie eine virtuelle Tauschbörse und ein Online-Marktplatz: Dort suchen die Leute nach gebrauchten Computerspielen für die Wii, nach der hübschen Verkäuferin aus der Bäckerei, wollen eine Shisha verkaufen oder ein iPhone kaufen.

Als darüber berichtet wurde, dass neue Asylbewerber nach Pocking im Kreis Passau kommen sollen, hatte dann auch ein Facebook-Nutzer die Idee, diese Plattform zu nutzen. Er wollte den Flüchtlingen ein paar Willkommensgeschenke übergeben - Spielsachen, einen Fernseher, ein Handy. Weil der Nutzer aber nicht genau wusste, wann die Asylbewerber ankommen, stellte er die harmlose Frage: "Hallo, kann mir evtl. jemand sagen wann genau am Freitag die Asylanten in Pocking/Hartkirchen eintreffen werden?"

Dieser "Akt der Nächstenliebe" hat für Kommentare gesorgt - und zwar für jede Menge fremdenfeindliche, wie pnp.de berichtet. Das Unglaubliche: Sogar ein Polizist aus Pocking hatte sich in die virtuelle Unterhaltung eingemischt.

Posting erinnert an Deportation der Juden

Sein im Dialekt formulierter Vorschlag: "I häd nu 60 Eintrittskarten fürs Onkelzkonzert mit Zugticket herzugeben. Aber ohne Rückfahrt. De erübrigt sich dann sowieso."

Die Band Böhse Onkelz wurde einst mit rechtem Gedankengut in Verbindung gebracht. Auch wenn sie sich längst davon distanzierten, haben sie noch viele Fans aus diesem Umfeld. Einige Lieder landeten wegen der Verherrlichung der Nazi-Vergangenheit bereits auf dem Index - und zu einem Konzert dieser Gruppe hat der Polizist den Ausländern eine Zugfahrt angeboten. Die Formulierung "ohne Rückfahrt" erinnert außerdem an die Deportation der Juden in die Konzentrationslager.

Dieter Bezold, Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd zeigte sich laut pnp.de schockiert über diesen Vorfall. "Wir nehmen die Sache sehr, sehr ernst. Die Äußerungen des Kollegen werden wir einer strafrechtlichen Prüfung zuführen und gegebenenfalls an die Staatsanwaltschaft weiterleiten."

Rechtsradikales Gedankengut werde in der Polizei keinesfalls geduldet, sagte Bezold weiter. Auch werde geprüft, ob der Tatbestand der Volksverhetzung erfüllt wird.

Asylbewerber sind noch gar nicht angekommen

Dennoch war der Beamte aus Pocking nicht der einzige, der sich ausländerfeindlich geäußert hat. Dass Asylbewerber mit Willkommensgeschenken in Deutschland begrüßt werden könnten, hat auch andere User auf der Facebook-Seite zu derben Kommentaren verleitet, ebenfalls im Dialekt formuliert. "Des einzige was i denen schenk is a One-Way Ticket zurück in die Heimat!!!", schrieb etwa einer. Und ein anderer: "I hät nu a gasflasche und a Handgranate rum liegen für des gfrast Lieferung frei Haus". Unfassbar!

All diese User werden laut pnp.de demnächst Post von der Staatsanwaltschaft erhalten. Auch hier wird geprüft, ob sie den Tatbestand der Volksverhetzung erfüllen. Einige der krassesten Kommentare wurden bereits gelöscht. Das Original-Posting ist vom vergangenen Mittwoch - bis Montagmorgen wurde es über 300 Mal kommentiert.

Die Asylbewerber, um die sich alles gedreht hat, sind übrigens noch gar nicht angekommen in Pocking - laut dem Bürgermeister steht noch nicht fest, wann sie einreisen.

pak

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