Perfektes Wanderwetter: 26 Grad und keine Wolke am Himmel – kein Wunder, dass die Freunde der Almwirtschaft die Wege bevölkerten.

Chiemgauer Alpen

Hauptalmbegehung: Politischer Almauftrieb

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Frasdorf - 1100 Wanderer, Sonne satt und ein bisschen Politik – bei der Hauptalmbegehung zeigen Bayerns Almbauern ihre Betriebe zwischen Hochries und Priental. Einige Minister sind zu Gast – und hören Klagen über den Henker der Almwirtschaft.

Die wichtigsten Gäste kommen genau im richtigen Moment. Gerade als der Pfarrer seinen Segen gegeben hat und Georg Mair, Vorstand des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern, zur Eröffnungsrede anstimmt, läuten die Glocken. Mehrere Kühe stürmen den Berg zur Schmiedalm herauf und mischen sich neugierig unter die vielen Wanderer. Als könnten sie kaum erwarten, was der Almbauernchef wichtiges zu sagen hat. Wie bestellt.

Mair und seine Almbauernkollegen hätten keinen besseren Tag erwischen können für ihre alljährliche Hauptalmbegehung. 26 Grad, die Sonne strahlt die prächtigen Berge der Chiemgauer Alpen an, und am Himmel ist kaum eine Wolke zu sehen. Seit 1947, seit der Gründung des Vereins, gibt es die Begehung. In diesem Jahr zum 69. Mal.

Seit jeher richtet sie sich an alle Almbauern, die sich über die Arbeit der Kollegen informieren und gleichzeitig einen gemütlichen Wandertag in den Bergen verbringen wollen. Aber auch an die Politik, an die Entscheider, die bei dem Ausflug ins steile Grün für die Sorgen und Nöte der Almbauern sensibilisiert werden sollen. Langweilig wird das nie. Denn Sorgen haben die Almbauern genug.

Es ist ein stattlicher Rundgang, den die Almbauern in diesem Jahr ausgewählt haben. Rund 13 Kilometer, reine Gehzeit fünfeinhalb Stunden. Viel Zeit, um die wunderbare bayerische Alpenlandschaft zu bestaunen, deren Erhalt die Almbauern gern als ihren größten Verdienst betonen. Als Verschnauf- und Verpflegungspause gibt es Zwischenstopps an fünf Almen. Dort werden nicht nur die örtlichen Besonderheiten erklärt, dort wird auch Politik gemacht. Und kritisiert.

Landwirtschaftsminister Helmut Brunner (CSU) darf sich an der Schmiedalm Mairs Forderungen zur Abgrenzung der Berggebiete, zur Anbindehaltung oder zum Stellenwert des Grünlands anhören. Aber auch ein Lob für das Bekenntnis zur bäuerlichen Landwirtschaft bei der Kabinettsklausur in St. Quirin. Brunner, der schon vor seiner Rede wohlwollenden Applaus bekommt, antwortet nur: „Wenn Sie sich was wünschen, sagt der Minister schon ja, bevor sie es ausgesprochen haben.“

Sichtlich geschafft: Anton Hofreiter (Grüne) hat die ganze Route geschafft.

Brunner, frisches Hemd, frisch frisiert, zieht danach weiter zum nächsten Termin. Auch die Ministerinnen Ulrike Scharf und Ilse Aigner, seit Jahren treue Besucherin, kommen für einzelne Etappen. Zum ersten Mal dabei ist Anton Hofreiter, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Bundestag. Er geht gleich die ganze Route mit.

Treue Besucherin: Ministerin Aigner ist seit Jahren bei der Tour dabei.

Am höchsten Punkt der Wanderung kommen die Almbauern dann auch zu ihrem größten Problem. Riesenalm, 1350 Metern Höhe, Mittagsrast. Zeit, über den Wolf zu reden, der hier häufig nur „der große Beutegreifer“ genannt wird. „Weidehaltung und Wolf, das ist zusammen nicht möglich“, sagt Mair. „Bravo“-Rufe von den rastenden Bauern. Und die Wolfsbeauftragte Brigitta Regauer nennt den seit einiger Zeit durch Bayern streifenden Wolf sogar den „Henker der freien Weidewirtschaft“. Vor so vielen Wolfsgegnern bleibt Umweltministerin Scharf lieber zahm. Sie verweist darauf, dass dieses Thema eigentlich auf europäischer Ebene geregelt werden müsste. Für Anton Hofreiter hat der Wolf in den Alpen aber seine Daseinsberechtigung. „Man muss eben Konzepte finden, wie man das zusammenbringt.“ In Italien gelinge das schließlich auch.

Aber nicht alle Wanderer sind wegen der politischen Debatte gekommen. Martin Probst und Elisabeth Landfried sind extra aus Landsberg angereist, um einen schönen Tag in den Bergen in großer Gesellschaft zu verbringen – stilecht in Lederhosen und Dirndl. Und tatsächlich machen sich viele der über 1100 Besucher schon während der Reden auf zur nächsten Station. Zu sehr lockt der Berg. Zu sehr lockt die Sonne. Ein Tag wie bestellt.

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