Hauptschulen gehen die Schüler aus

München - Das Kultusministerium muss seine Schülerprognosen erneut korrigieren. Der Schwund an der Hauptschule ist dramatisch – die Minuszahlen übertreffen alle Befürchtungen. Die Realschulen haben hingegen unerwartet starken Zulauf.

Soll er sich freuen? Anton Huber, Verbandschef der bayerischen Realschullehrer, weiß nicht so recht. Um 3500 Schüler werden die Realschulen bayernweit im nächsten Schuljahr zulegen – auf dann 239.000 Schüler. Eigentlich sei für die staatlichen Realschulen ein leichter Rückgang prognostiziert worden, sagt der Realschuldirektor im niederbayerischen Eggenfelden. Ein Grund für die Trendwende sei aber das neue erleichterte Übertrittsverfahren. Auch Schüler, die im Probeunterricht in den Abschlusstests nur zwei Vierer erhalten, können demnach auf die Realschule gehen.

Dieses Optionsmodell, das Kultusminister Ludwig Spaenle am Freitag noch einmal verteidigte (wir berichteten), wird bei den Eltern offenbar nachgefragt. An seiner Schule, berichtet Huber, hätten acht Kinder im Probeunterricht nur zwei Vierer geschafft – und alle acht, die früher in die Hauptschule verwiesen worden wären, hätten sich trotz Bedenken für die Realschule entschieden.

Das unerwartete Plus bringt das Kultusministerium in Schwierigkeiten, denn Huber leitet aus dem Zuwachs Forderungen nach mehr – im Doppelhaushalt 2009/10 bislang nicht eingeplante – Lehrerstellen ab. Etwa 180 Lehrer zusätzlich seien notwendig. Dem Vernehmen nach hat im bayerischen Kultusministerium schon das Rechnen begonnen, wie diese Stellen wenigstens zum Teil organisiert werden können.

Die Kehrseite des starken Schüleranstiegs bei den Realschulen ist das erneute Abbröckeln der Schülerzahlen bei den Hauptschulen. Im kommenden Schuljahr müsse diese Schulart nach der neuen Schülerprognose des Kultusministeriums einen Rückgang von 10 000 Schüler verkraften. Diese Zahl war schon im vergangenen Jahr vorausgesagt worden.

Neu ist aber, dass die mittelfristige Perspektive für die Hauptschulen bedeutend schlechter ist, als selbst von Pessimisten bislang angenommen: Gegenüber seiner Vorjahresprognose hat das Ministerium die eigenen Zahlen stark nach unten korrigiert: Im Schuljahr 2018/19 werden demnach nur mehr 158 500 Schüler die dann zu „Mittelschulen“ umgebauten Schulen besuchen – das ist ein Rückgang gegenüber der heutigen Zahl (240 000) um ein Drittel. Zuletzt war davon die Rede gewesen, dass der Schülerrückgang rund ein Viertel (180 000 Schüler) betragen würde. Kultusminister Ludwig Spaenle führt das auch auf „dramatische Bevölkerungsverluste“ in Nord- und Ostbayern zurück. „Wir wollen aus einer Kombination von inhaltlichen und organisatorischen Maßnahmen antworten.“ So können Verbünde mehrerer benachbarter Hauptschulen die bisherigen Klassen-Mindestgrößen unterschreiten.

Auch die Vertreter anderer Schularten sehen die Entwicklung mit Sorge. „Dass das Kultusministerium die Haupt- in Mittelschulen umbaut, scheint bei den Eltern noch nicht angekommen zu sein“, sagt der Vorsitzende des Philologenverbands, Max Schmidt. Die Gymnasien werden nach der Prognose ihre starke Stellung weiter ausbauen können. Auf den erneuten Zuwachs im kommenden Schuljahr auf 388 200 Schüler (ein Plus von 3500 Schülern) wird zwar im Jahr darauf ein Rückgang um 30 000 Gymnasiasten folgen. Dies liegt jedoch am Wegfall des letzten G 9-Jahrgangs – ab dem Schuljahr 2011/12 ist das Gymnasium ein reines G 8-Gymnasium. Langfristig werden nach der Prognose rund 43 Prozent der Grundschüler aufs Gymnasium überwechseln – etwas mehr als heute (40 Prozent).

Für das kommende Schuljahr erwartet Schmidt eine Stagnation, wenngleich in einzelnen Regionen, etwa dem Tölzer Land, die Anmeldezahlen neue Höchststände erreichen. Schmidt kritisiert gleichfalls das gelockerte Übertrittsverfahren, das zusätzliche Schüler auf Realschule und Gymnasium lenke.

Bayern könne hier von Sachsen lernen – der dortige Freistaat habe die Übertrittsnote auf 2,0 angehoben (Bayern: 2,33) und somit die Bedingungen für den Übertritt ans Gymnasium verschärft.

Dirk Walter

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