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Kultusminister Ludwig Spaenle geht in die Offensive.

Hauptschulkongress: Vorwärtsverteidigung in der Arena

München - Kultusminister Ludwig Spaenle geht in die Offensive. In der Allianz Arena wirbt er für die in die Kritik geratene neue bayerische Mittelschule. Nicht jeder lässt sich von der Begeisterung anstecken.

In der Ferne hämmern einige Handwerker, unten kriecht ein Rasenmäher über das satte Grün der Allianz Arena. Spieler sind nicht zu sehen, auch die Tribünen der Arena sind leer, bis auf den Mittelblock. Der ist dicht besetzt mit 600 Teilnehmern eines Hauptschul-Kongresses. Dort, im Abschnitt 230, hat auch Uli Hoeneß Platz genommen. Er ist jetzt „Erster Botschafter der Bayerischen Mittelschule“. Hoeneß spricht davon, dass Handwerker – „die meisten vermutlich mit Hauptschulabschluss“ – das „schönste Fußballstadion der Welt“ gebaut haben, und davon, dass er „nicht vergessen“ habe, „woher ich komme“, aus ganz kleinen Verhältnissen nämlich. Und am Ende sagt er: „Wir in Bayern haben mit Abstand das beste Schulsystem.“

Solche PR hat die neue Schulart dringend nötig. Der Erfinder, Kultusminister Spaenle, hat zuletzt viel Kritik einstecken müssen für sein Vorhaben, die Hauptschulen ab dem Schuljahr 2010/11 zu Mittelschulen umbauen zu wollen. Mittelschulen müssen verschiedene Kriterien erfüllen, etwa eine individuelle Förderung ab der 5. Klasse, eine Kooperation mit einer Berufsschule und der regionalen Wirtschaft und ein Ganztagsangebot. Dort soll den besten Absolventen ein Schulabschluss ähnlich wie ein Realschulabschluss angeboten werden. Die bisherigen M-Züge verschwinden. Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband attackierte die Mittelschule, der Elternverband ebenso. Also soll es der Hauptschul-Kongress in der „Business Lounge“ der Allianz Arena richten. Schnellsprecher Spaenle donnert seine Offensive ins Mikrofon, er spricht von „strategischen Zielen“ und „Alleinstellungsmerkmalen“, die die neue Mittelschule haben werde. Am Ende gibt er dann doch ein klares Ziel aus: Viertklässler, die einen Schnitt von 2,66 haben, sollen es sich künftig überlegen, ob sie wirklich auf die Realschule wechseln wollen oder vielleicht doch auf die Hauptschule. Spaenle will werben, garniert seine Rede mit saloppen Bemerkungen über seine Vorgänger, deren Politik „die Menschen vielleicht nicht mitgenommen hat, sie sahen nur mitgenommen aus“. Er erntet Lacher, doch bedeutet das schon Zustimmung zur Mittelschule?

Der Geschäftsführer des Bayerischen Städtetags, Reiner Knäusl, ist skeptisch. Die Reform sei „die letzte Chance“ für die Hauptschule, „wenn jetzt nichts qualitativ besser wird, muss man über andere Wege nachdenken“. Es sei fraglich, ob alle Hauptschulen Spaenles Kriterienkatalog erfüllen könnten. Auch Vertreter der Wirtschaft sind nachdenklich. Die Hauptschule stehe vor einer „Weggabelung“, sagt der Präsident der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft, Randolf Rodenstock. Aber die bayerische Wirtschaft habe ein „vitales Eigeninteresse am Erhalt dieses Schultyps“. Sein Stellvertreter Bertram Brossardt sagt, dass es nach dieser Reform „auch mal gut sein muss“ – viele Zuhörer applaudieren. Der SPD-Bildungsexperte Hans-Ulrich Pfaffmann spricht von „Durchhalteparolen“ und wundert sich, „dass Hoeneß sich hier vor den Karren spannen lässt“. Der ehemalige Volksschulrektor Reinhold Carli aus Ottenhofen (Kreis Erding), Mitglied im CSU-Arbeitskreis Schule, wiederum ärgert sich über die „Diffamierung“ der neuen Schulart und ist aus dem BLLV ausgetreten.

Spaenle will sich von Pros und Contras nicht beeinflussen lassen. Die Schulzahlen brechen „in brutalem Maße“ weg, sagt er. „Wenn wir nichts tun, wird die Hauptschule weiter leise sterben.“

Von Dirk Walter

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