Nicole Gruber vom Tierschutzverein Freising mit Kater Leo
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Das Freisinger Tierheim ist voll, aber noch nicht überfüllt, berichtet Nicole Gruber vom Tierschutzverein Freising; doch die Corona-Rückgaben haben nun begonnen, beobachtet sie. Kater Leo zeigt sich da beunruhigt.

Viele geben die Vierbeiner wieder ab

Haustier-Boom während Corona - doch nun kommen viele „Lockdown-Tiere“ ins Heim

  • Nina Praun
    VonNina Praun
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Während des Lockdowns haben sich viele Menschen Katzen und Hunde zugelegt; als netten Zeitvertreib daheim. Nun sind die strengsten Einschränkungen gefallen. Was passiert also mit den Haustieren?

Freising/Selb/Deggendorf – „Die ersten Tiere kommen nun tatsächlich bei uns an“, sagt Nicole Gruber, Tierheimleiterin in Freising.* Keiner spricht es zwar direkt aus; dass das Zulegen des Haustieres während des Lockdowns vielleicht eine Schnapsidee war – doch Gruber hört es hier und da zwischen den Zeilen durch: „Man merkt es schon, wenn es heißt, wir haben keine Zeit mehr, oder: Wir sind einfach überfordert.“

Ähnliche Beobachtungen hat Heike Stöger vom Tierschutzverein in Deggendorf* in den vergangenen Wochen gemacht. „Jetzt kommen die ersten Rückläufer: ,Schwierige‘ Hunde sind mehr geworden, dazu kamen auch Kleintiere wie Chinchillas an, und auch Katzen.“ Sie glaubt, dass viele Tiere nun nach und nach zurückgegeben werden, da die Menschen nicht mehr so viel Zeit haben wie während des Lockdowns.* „Die Zeit des Homeoffice ist jetzt vorbei, und außerdem kann man auch wieder weggehen“, sagt Stöger.

Corona-Lockdown - Viele Tierhalter sind nicht auf das neue Familienmitglied vorbereitet

Julia Stopp vom Tierschutzverein Selb bemerkt ebenso, dass im dortigen Tierheim immer mehr Hunde und Katzen ankommen. „Der Mensch will etwas Kleines, Süßes haben, und dann klappt es plötzlich doch nicht so wie erwartet“, erklärt Stopp die Abgabe von Tieren. Denn auch Katzen können ihre Unzufriedenheit auf unangenehme Weise zeigen: Sie werden unsauber oder kratzen das Kleinkind. Ein anderes Problem sind Hunde, die aus dem Ausland nach Deutschland kamen: Während des Lockdowns waren junge Hunde so gefragt, dass sich Züchter kaum noch vor Anfragen retten konnten. So blühte erstens der illegale Welpenhandel; und auch Tierschutzorganisationen, die gerettete Welpen aus dem Ausland vermitteln, waren gefragter denn je. Nur waren die neuen Besitzer nicht alle perfekt auf das neue Familienmitglied vorbereitet. „Das ist ja gar keine böse Absicht der Tierschutzorganisationen“, sagt Stopp. „Aber da gibt es leider nie einen Plan B.“

Dieser Plan B lautet also jedes Mal: das örtliche Tierheim. Doch egal, aus welchem Grund Tiere abgegeben werden, dort stoßen die verzweifelten Tierbesitzer stets auf offene Ohren. „Das bringt ja nichts, wenn man den Leuten ein schlechtes Gewissen machen würde“, sagt Stöger aus Deggendorf. „Dann würde derjenige das Tier vielleicht nur aussetzen. Und für uns ist es ja das Wichtigste, dass es dem Tier gut geht.“

Tierschützer: Darum geben wir Tiere nicht leichtfertig ab

Genau dieser Anspruch sorgt umgekehrt auch dafür, dass die Tierheime ihre Schützlinge nicht leichtfertig abgeben. „Wir haben bei unseren Tiere explizit darauf aufgepasst, dass sie in gute Hände kommen – auch während des Lockdowns“, sagt Nicole Gruber vom Tierschutzverein Freising. Dieser Anspruch zahlt sich aus: Keines der Tierheime hat auch nur eines der vermittelten Hunde oder Katzen zurückbekommen.

Also ist das Freisinger Tierheim zwar schon „relativ voll, aber noch nicht überfüllt“, sagt Gruber. Glücklicherweise. Denn bald beginnen die Sommerferien. „Und wenn die Urlaubszeit beginnt“, so Gruber, „dann wird es sicher noch krasser.“ *Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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