Hautkrebs: Patienten werden immer jünger - Tipps zur Früherkennung

Nürnberg - Gefährliches Sonnenbad: Immer mehr Menschen in Bayern erkranken an Hautkrebs. 2008 starben 454 Männer und Frauen an der tückischen Krankheit. Jetzt denkt die Politik darüber nach, wie sie junge Menschen besser schützen kann.

Die gute Nachricht zuerst: Die Überlebenschancen für Hautkrebspatienten werden immer besser. 85 Prozent der Männer und 90 Prozent der Frauen bekommen fünf Jahre nach der ersten Diagnose die erleichternde Nachricht. Die Mediziner sprechen allerdings nicht von einer „Heilung“, sie nennen es die „5-Jahre-Überlebensrate“ – weil man sich nie 100 Prozent sicher sein kann, den Krebs für immer besiegt zu haben. Das war sie, die gute Nachricht. Jetzt kommt die schlechte:

Tipps zur Früherkennung: ABCDE-Regel

Wer im Zweifel ist, sollte zum Arzt gehen – dieser Grundsatz gilt natürlich immer. Doch es gibt auch eine medizinische Eselsbrücke, die helfen soll, Melanome rechtzeitig zu erkennen. Die „ABCDE-Regel“:

A – Asymmetrie: Muttermale sind meist rund oder oval, in der Regel aber symmetrisch. Melanome sind eher unförmig.

B – Begrenzung: Muttermale haben einen regelmäßigen Rand. Melanome sind außen unregelmäßig und ausgefranst.

C – Color (Farbe): Melanome weisen eine unterschiedlich starke Pigmentierung auf, haben verschiedene Farben, können komplett schwarz oder rot sein. Muttermale haben eine einheitliche Färbung und sind hell- oder dunkelbraun.

D – Durchmesser: Je größer, desto gefährlicher. Sind Male größer als fünf Millimeter, kann das ein Indiz für ein Melanom sein. Wichtiger ist aber: Melanome können wachsen oder schrumpfen, Muttermale verändern ihre Größe nicht.

E – Entwicklung: Ist das Mal neu und in kurzer Zeit entstanden, könnte es ein Melanom sein.

Am besten schützt man sich vor Hautkrebs, indem man die pralle Sonne meidet. Wer einen hellen Hauttyp hat und die Sonne nicht gewohnt ist, sollte ohne Schutz nicht länger als zehn Minuten in die Sonne. Textilien schützen am besten, ansonsten hilft Sonnencreme. Besonders bei Kindern können Sonnenbrände schlimme Folgen haben. Wer sich schon in jungen Jahren häufig die Haut verbrennt, bekommt mehr Muttermale, erklärt Hautarzt Wilhelm Stolz. Und wer mehr Muttermale hat, der habe auch ein höheres Hautkrebs-Risiko.

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Immer mehr Menschen in Bayern erkranken an weißem Hautkrebs. Gestern stellte Gesundheitsminister Markus Söder (CSU) den aktuellen bayerischen Hautkrebsbericht in Nürnberg vor. Der Studie zufolge sind die Neuerkrankungen zwischen 2002 und 2006 bei Männern von 25 auf 38 Fälle je 100 000 Einwohner gestiegen, bei Frauen von 13 auf 23.

Immerhin: Der weiße Hautkrebs gilt als weniger gefährlich und leichter therapierbar als der schwarze: Er bildet deutlich seltener Metastasen im Körper – er „streut“ kaum. 90 Prozent aller Todesfälle sind eine Folge des schwarzen Hautkrebses, erklärt Professor Wilhelm Stolz vom Klinikum München-Schwabing.

Die Zahl der Erkrankungen an dem gefährlicheren Hautkrebs, dem schwarzen, von Medizinern „maligne Melanom“ genannt, stagniert seit 2002. Jedes Jahr erkranken laut Statistik 14 von 100 000 Bayern. Das sind über 1000 Männer und über 1000 Frauen Jahr für Jahr. Werden die Melanome zu spät erkannt, „ist das potenziell tödlich“, warnt der Hautarzt. Im Jahr 2008 starben 454 Menschen im Freistaat. 241 Männer und 213 Frauen.

Längst ist der Krebs keine Alters-Krankheit mehr. „Es trifft immer mehr junge Menschen“, sagt Stolz. Laut dem Arzt sind die Gründe in der modernen Freizeitgestaltung zu suchen, im Umgang mit der Sonne. Und bei den Solarien. Tatsächlich hat eine Umfrage der GfK Marktforschung ergeben, dass jeder Zweite Wert darauf legt, braun zu werden. Jeder Siebte bräunt seinen Körper sogar im Solarium vor, bevor er ins Freibad oder an den Strand geht.

Professor Stolz wundert sich ab und an, wenn er mit dem Radl an der Isar vorbeifährt und die Masse von Sonnenanbetern sieht. „Ich habe Patienten, die haben ein verdächtiges Muttermal und gehen trotzdem ins Solarium“, sagt er verständnislos. Bei solcher Unvernunft spielt die löchrige Ozonschicht bei den steigenden Krebs-Zahlen wohl eine „eher untergeordnete“ Rolle, glaubt der Mediziner.

Schon seit langem fordert Stolz eine Absenkung der Altersgrenze für die kostenlose Vorsorgeuntersuchung. Bislang gibt es alle zwei Jahre einen Anspruch auf den Test – jedoch erst ab dem 35. Lebensjahr. Aber bei einer Studie, die Stolz selbst durchgeführt hat, waren 25 Prozent aller erkrankten Patienten jünger als 35. Lange blieb die Warnung des Arztes von der Politik ungehört, doch jetzt beginnt auch Markus Söder zu grübeln: „Weil sich Vorerkrankungen bei jüngeren Menschen zeigen, müssen wir nachdenken, das Vorsorgealter herunterzusetzen“, sagte er gestern in Nürnberg. Möglicherweise auf 25.

Doch Söder kann niemanden zur Untersuchung zwingen. Nur jeder Dritte über 35 nutzt das Angebot, sagt er. Mann muss die Jüngeren eben auch erreichen. Die Städter unter ihnen sind offenbar genauso sonnenhungrig wie die Landbevölkerung. Ein Stadt-Land-Gefälle gibt es nicht, auch kein Nord-Süd-Ungleichgewicht, sagt Katrin Grimmer vom Landesamt für Gesundheit. Die Sonne scheint für alle gleich.

Thomas Schmidt

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