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Protestaktionen wie hier vor dem Gesundheitsministerium in Berlin gab es auch in Bayern.

Hebammen protestieren: "Wir sind am Ende"

München - Simulationen von geplatzten Fruchtblasen mitten auf der Straße: Bayerns Hebammen haben mit drastischen Mitteln ihre schlechten Arbeitsbedingungen angeprangert.

Sie schreien und schreien und schreien. Mitten in den Fußgängerzone von München, Nürnberg und Würzburg stellen sie Sturzgeburten und geplatzte Fruchtblasen nach. Danach bleiben sie regungslos am Boden liegen. „Wir sind einfach am Ende“, sagt Astrid Giesen, die Vorsitzende des Bayerischen Hebammenlandesverbandes.

Die Hebammen befürchten das Aussterben ihres Berufsstandes. Immer mehr Kolleginnen ziehen sich aus der Geburtshilfe zurück – wegen hoher Beiträge zur Haftpflichtversicherung. Besonders gefährdet sind die selbständigen Hebammen, die sich auf Hausgeburten spezialisiert haben. Sie müssen immer höhere Prämien zahlen, um sich gegen das Risiko zu versichern, dass bei einer Geburt etwas schiefgeht und das Kind gesundheitlichen Schaden nimmt. Die Prämie soll ab Juli mehr als 4200 Euro kosten, fast zehnmal so viel wie vor zehn Jahren.

„Nürnberg ist unser Katastrophenbeispiel“, erzählt Kick van Walbeek, Geburtshelferin aus Miesbach. „Dort haben nach der ersten drastischen Erhöhung vor einem Jahr alle außerklinisch tätigen Hebammen das Handtuch geworfen.“ Denn: Das Jahreseinkommen liegt nur bei knapp 24 000 Euro. Bayrische Hebammen, die keine Versicherung im günstigeren Österreich bekommen haben, erwischt es schlimm. Im Freistaat ist der Anteil an freiberuflich arbeitenden Gesundheitshelferinnen mit 80 Prozent sehr hoch.

Wochenbettbetreuung ist finanzielles Fiasko

Doch auf die Geburtshilfe zu verzichten ist meistens keine Alternative. Auch die Wochenbettbetreuung ist ein finanzielles Fiasko. Pro Besuch kann van Walbeek 27 Euro abrechnen – egal, wie lange er dauert. Für die Monate Oktober und November wurde die Aktion „Dienst nach Vorschrift“ gestartet. Nach 20 Minuten brachen die Hebammen die Wochenbettberatung ab und übergaben der Mutter stattdessen eine Postkarte, auf der die Frauen ankreuzen sollte, welche Behandlung nicht erfolgen konnte. Die Karten wurde an Gesundheitsminister Daniel Bahr geschickt. Rund 100 kamen aus van Walbeeks Praxis. „Gehört haben wir nie wieder etwas“, sagt sie. Allzu groß ist ihre Hoffnung auch diesmal nicht: „Der Bahr ist ein netter Bub, aber wir brauchen einen, der mal auf den Tisch haut.“

Nach der abermaligen Protestaktion hat der Gesundheitsminister Unterstützung angekündigt: „Ich möchte nicht, dass Hebammen wegen steigender Haftpflichtprämien aufgeben müssen“, sagt er. Eine Studie hat sein Ministerium auch in Auftrag gegeben. Weiteren Ergebnisse neben der Haftpflicht-Problematik: Der Nettostundenlohn liegt bei unter zehn Euro, in einzelnen Regionen gibt es massive Unterversorgung.

Für die Hebammen nichts Neues. Ebenso wenig wie Bahrs Forderung an die Krankenkassen, die steigenden Prämien bei der Vergütung zu berücksichtigen. „Das fordern wir schon seit Jahren“, sagt van Walbeek. Das Problem daran: Bahrs Argumentation, dass es bei der Vergütung Spielräume gebe, sehen die Kassen naturlich anders.

Von Katharina Blum

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