Durch Wasserwalze gespült: Junger Mann stirbt in der Isar

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Polizeisprecher Heinz Henneberger (M) informiert an der gesperrten Autobahn A3 bei Würzburg über Schüsse auf eine Autofahrerin.

Heckenschütze könnte Serientäter sein

Würzburg/München - Eine mysteriöse Anschlagsserie macht Autofahrern Angst: Unbekannte schießen ziellos auf Verkehrsteilnehmer. Jetzt wurde eine Frau getroffen. Führt der Fall aus Würzburg zu einem Serientäter?

Wenige Millimeter haben einer 40-jährigen Frau das Leben gerettet: Die Bautzenerin ist am Dienstagabend auf der linken Spur der A 3 bei Würzburg unterwegs und verliert plötzlich die Kontrolle über ihr Auto. Sie knallt gegen die Mittelleitplanke, kommt schwer verletzt zum Stehen. Erst im Krankenhaus stellen die Ärzte fest: Im Hals der 40-Jährigen steckt das Projektil einer Kleinkaliberwaffe. Bei einer minimal anderen Flugbahn wäre das Geschoss vielleicht tödlich gewesen. „Die Frau hatte unfassbares Glück“, sagt Polizeisprecher Heinz Henneberger. Die 40-Jährige ist außer Lebensgefahr, sie hat die Kugel im Hals und den daraus resultierenden Unfall überstanden.

Der Tatort Autobahn wurde gestern Mittag zwei Stunden lang für Mitglieder der 20-köpfigen Sonderkommission „BAB“ gesperrt: Die Ermittler suchten mit Metalldetektoren nach Beweisen. Die Polizei geht nicht davon aus, dass der oder die Täter das Opfer gezielt ausgewählt haben. „Dafür war es um 18.10 Uhr zu dunkel.“ Unklar ist, ob sich der Schütze im Umfeld der Straße postiert hat, oder ob er von der Gegenfahrbahn aus einem Auto herausgeschossen hat. Dafür würde sprechen, dass die Kugel durch das Fenster auf der Fahrerseite einschlug. Das Opfer kann dazu nichts sagen.

So undurchsichtig der Fall im Moment scheint: Er könnte der Durchbruch in den Ermittlungen zu einer ganzen Anschlagsserie sein. Immer wieder melden Fahrer von Autotransportern Einschusslöcher – meistens an dem Fahrzeug, das ganz hinten oben auf dem Schlepper steht. Die Löcher haben sechs bis sieben Millimeter Durchmesser. Seit Juli 2008 zählt das Bundeskriminalamt 228 ähnliche Fälle, besonders betroffen sind Autobahnen in Bayern und Baden-Württemberg. Nur bislang war bei den Anschlägen kein Mensch zu Schaden gekommen.

Die bayerischen Kollegen haben 42 Fälle in ihren Akten. Noch am Mittwoch nach dem Unfall der Bautzenerin hatten sich drei Lasterfahrer gemeldet, die die A 3 bei Würzburg passiert und später Einschüsse bemerkt hatten. Doch die Zahlen sind reiner Zufall, sagt Ludwig Waldinger, Sprecher beim Bayerischen Landeskriminalamt. Viele Anschläge würden überhaupt nicht bemerkt. Und: „Wenn einer von Hamburg nach Rosenheim fährt, und den Einschuss erst am Ziel oder auf einer Rastanlage bei uns sieht, meldet der das der bayerischen Polizei. Doch wo auf der Strecke die Täter zugeschlagen haben, ist völlig unklar.“ Der Strohhalm, an den sich die Ermittler klammern können, ist allein die Strecke, die zurückgelegt wurde. „Niemand weiß, wie viele Attacken es wirklich sind.“

Der Würzburger Fall ist der erste, bei dem der Tatort fest steht. In mühevoller Kleinstarbeit sichern Experten nun Spuren, zum Beispiel aus der komplett zersplitterten Scheibe des Unfallautos.

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