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Bayern wächst – hier junge Trachtler am Kochelsee. 

Heimatbericht 2015 veröffentlicht

Söder will Bayern mit umstrittener Maßnahme stärken

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München - Nach Jahren des Rückgangs wächst die Zahl der Bewohner im ländlichen Raum wieder. Die Zahl der Problem-Landkreise sei kleiner geworden, erklärt Heimatminister Markus Söder. Er will das Land mit einer umstrittenen Maßnahme weiter stärken.

„Es geht insgesamt aufwärts, aber wir sind noch nicht am Ziel“, bilanzierte Söder im neuen „Heimatbericht 2015“. Der ländliche Raum – der abgesehen von Großstädten wie München, Augsburg, Nürnberg oder Ingolstadt fast ganz Bayern umfasst – hat zuletzt leicht an Bevölkerung gewonnen. 

Söder nannte dazu eine Reihe von Daten:

  • Insgesamt 7,13 Millionen Menschen wohnten auf dem Land. Das ist ein (wenn auch bescheidenes) Plus von 46 000 Bewohnern.
  • Nur noch neun Landkreise und kreisfreien Städte haben unter dem Strich Bevölkerung verloren: Bayreuth, Coburg, Kronach, Kulmbach, Main-Spessart, Rhön-Grabfeld, Tirschenreuth und Wunsiedel. Im Heimatbericht 2014 hatte Söder noch 21 Problem-Landkreise genannt. Oberbayerische Problem-Regionen gibt es nicht, am wenigstens wächst die Bevölkerung in den Landkreisen Weilheim-Schongau, Starnberg und Altötting (mit einer Bewohner-Zunahme von maximal 0,8 Prozent).
  • Der Zuwachs beruht auf Zuwanderung, zu 70 Prozent aus dem EU-Ausland. Obwohl die Zahl der Geburten wieder steigt und 2015 den höchsten Stand seit 15 Jahren erreichte (118 300), kann das die Zahl der Verstorbenen (133 500) nicht ausgleichen.
  • Weil der Heimatbericht 2015 auf den Daten von Ende 2014 beruht, ist die jüngste Flüchtlings-Zuwanderung nicht berücksichtigt. Es gibt nur eine bayernweite Zahl: 2015 wurden in Bayern knapp 160 000 Asylbewerber registriert. Söder äußerte sich nur vorsichtig, wie sich diese Zahl auf das Land auswirkt. Vorerst hätten alle Landkreise entsprechend ihrer Bevölkerungszahl in etwa gleich viele Asylsuchende aufgenommen.

Doch anerkannten Flüchtlingen steht es frei, sich selbst einen Wohnsitz zu suchen – es sei denn, eine Residenzpflicht hindert sie daran. Ob also Flüchtlings-Zuzug das ländliche Bayern stärke, sei vielleicht erst im „Heimatbericht 2017“ erkennbar.

Den ländlichen Raum möchte Söder mit fünf „Heimatstrategien“, wie er es nannte, weiter stärken. Neben der Digitalisierung, der Behördenverlagerung und der Regionalisierung von Hochschul-Einrichtungen nannte er den kommunalen Finanzausgleich. Die Anteile an den Steuereinnahmen, die den Gemeinden per Gesetz zustehen, würden gezielt zur Stärkung des ländlichen Raums eingesetzt.

Der Staat „fördert und sichert gleichwertige Lebensverhältnisse und Arbeitsbedingungen in ganz Bayern“, auf diesen 2013 eingeführten Bestandteil der Bayerischen Verfassung beruft sich Söder gern, wenn es um den ländlichen Raum geht. Dazu zählt er auch eine Maßnahme, die in den kommenden Wochen wieder für Diskussionen sorgen wird: Söder will das Anbindegebot für den ländlichen Raum lockern.

Gemeint ist: An Ausfahrten von Autobahnen oder vierspurigen Bundesstraßen sollen künftig Gewerbegebiete erlaubt sein – auch wenn sie weit entfernt von Siedlungen liegen. Dazu wird das Landesentwicklungsprogramm geändert. Der Gesetzentwurf sei gerade in der Anhörung des Ministerrats, sagte Söder unserer Zeitung. „In zwei, drei Wochen“ werde das beschlossen. Die Gemeinden wollten das. Man dürfe über den ländlichen Raum „keine Käseglocke“ stülpen. Gegen das Vorhaben, das Söder 2014 erstmals angekündigt hatten, gibt es Widerstand von Städtetag, Denkmal- und Heimatpflegern, aber auch vom Bauernverband.

Eine Grafik zur Bevölkerungsentwicklung in Bayern finden Sie hier.

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