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Bayern wächst, auch auf dem Land: Nur noch in sieben Landkreisen im Freistaat gehen die Einwohnerzahlen zurück. Heimatminister Söder sieht eine Trendwende.

Heimatminister Söder berichtet

Zurück aufs Land! Die Landflucht ist in Bayern vorerst gestoppt

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Ist die Landflucht gestoppt? Nur noch in sieben bayerischen Landkreisen schrumpft die Bevölkerung. Heimatminister Markus Söder wertet das als Erfolg für die Strategie der Staatsregierung. Doch die Opposition schimpft, Söders Strukturpolitik veröde die Dorfkerne.

München – Trotz aller Sogkraft des Ballungsraums München – noch immer lebt etwas mehr als die Hälfte aller Bayern im sogenannten ländlichen Raum. Der macht abgesehen von Großstädten wie München, Nürnberg, Augsburg oder Ingolstadt rund 90 Prozent der Fläche des Freistaats aus. Aber während die Bevölkerung seit Jahren wächst, müssen strukturschwache Gegenden kämpfen, dass ihnen die jungen Bewohner nicht davonlaufen. Hier zeichnet sich jedoch eine Trendwende ab.

Das zumindest verkündete Heimatminister Markus Söder (CSU) gestern bei der Vorstellung des jährlichen Heimatberichts. Seine wichtigste Botschaft: Nur noch in sieben Landkreisen im Freistaat schrumpft die Bevölkerung – und dort nur in einer Größenordnung zwischen 0,1 und 0,3 Prozent. Fast alle dieser Landkreise liegen in Oberfranken: Wunsiedel im Fichtelgebirge, Bayreuth, Hof, Coburg, Kronach und Kulmbach schrumpfen nach wie vor leicht, zudem der oberpfälzische Landkreis Neustadt an der Waldnaab. Alle anderen Landkreise können laut Söder eine positive Entwicklung verbuchen. In den vergangenen zwei Jahren haben 14 Landkreise den Sprung ins Plus geschafft.

„Unsere Heimatstrategie wirkt“, verkündete Söder. „Der Trend zeigt wieder mehr junge Leute auf dem Land.“ Ein Grund dafür sind laut Söder die wachsenden Studienangebote: In den vergangenen zehn Jahren sei die Zahl der Studierenden an staatlichen Hochschulen im ländlichen Raum um satte 86 Prozent gestiegen. Auch die Geburtenrate zeige, dass der ländliche Raum für Familien mit Kindern wieder attraktiv werde. Während im gesamten Freistaat die Geburtenrate um 3,8 Prozent angestiegen ist, verzeichnet der ländliche Raum sogar ein Plus von 4,5 Prozent. Allerdings sterben nach wie vor mehr Menschen in Bayern als geboren werden – was auch daran liegt, dass die Bayern immer älter werden.

Bei der Zuwanderung verzeichnen alle bayerischen Landkreise ein Plus. Etwas mehr als die Hälfte der zugewanderten Menschen verteilt sich auf den ländlichen Raum. Da sich die Zahlen auf das Jahr 2015 beziehen, würden sich die Asylsuchenden noch nicht so stark bemerkbar machen wie wohl im nächsten Bericht, so Söder.

Sind damit also alle Weichen für Bayerns Zukunft gestellt? Zumindest bei der Opposition ist man da nicht ganz so optimistisch. Besonders bei der Verkehrsinfrastruktur, dem Betreuungsangebot und der ärztlichen Versorgung gebe es noch Nachbesserungsbedarf, sagte der SPD-Abgeordnete Christoph Rabenstein. Und Markus Ganserer (Grüne) betonte, die niedrige Arbeitslosenquote hindere junge Menschen nicht daran, aus ihren Heimatdörfern wegzuziehen. „Wenn in einem Dorf die Nahversorgung wegbricht, Freibäder zugeschüttet werden und der Bus nur noch dreimal am Tag kommt, dann fehlt es an Lebensqualität.“ Söders Strukturpolitik führe zu Flächenfraß, Verschandelung der Ortsrandbilder und Verödung der Dorfkerne, urteilt Ganserer mit Blick auf die aktuelle Diskussion um das Anbindegebot.

Söder sagte dazu bei der Vorstellung des Berichts, dass sein Vorschlag, der den Bau von Gewerbegebieten auf der grünen Wiese erleichtern soll, vielen Bürgermeistern und Fraktionskollegen gar nicht weit genug gehe. Ziel sei es, die Lebensverhältnisse in Bayern gleichwertig zu verändern.

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