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Das Heim in Eisingen, das in Kritik geraten ist.

Heimkraft soll Behinderte misshandelt haben

Eisingen - Im skandalträchtigen Behindertenheim St. Josefs-Stift in Eisingen bei Würzburg sollen erneut Menschen drangsaliert und genötigt worden sein.

"Es geht aber nicht um Züchtigung", sagte der Geschäftsführer Bernhard Götz am Dienstag. Wegen des Verdachts der Nötigung, der Misshandlung Schutzbefohlener und möglicher Körperverletzung habe er Ende Juli eine ehemalige Mitarbeiterin der Förderstätte des Hauses bei der Staatsanwaltschaft Würzburg angezeigt. Diese habe eine behinderte Frau eine halbe Stunde zu Boden gedrückt, fixiert und dabei gefilmt, sagte Götz und bestätigte damit einen Bericht der "Süddeutschen Zeitung" (Dienstag).

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Misshandlung: Vorwürfe gegen Heimmitarbeiter

In den Häusern des St. Josefs-Stifts leben rund 380 geistig und körperlich Behinderte, 290 davon in Eisingen, dem damit größten Haus in Unterfranken. Etwa 520 Beschäftigte arbeiten für die katholische Einrichtung, die seit Jahren immer wieder in die Schlagzeilen gerät. So wurden hier bereits Mitte der 90er Jahre Behinderte misshandelt. Zudem gab es Vorfälle von sexuellem Missbrauch. Darüber hinaus waren zwischen 1994 und 1998 nicht genehmigte Bluttests an den Bewohnern vorgenommen worden.

Die jetzt in die Kritik geratene Förderstätte ist eine Lern-, Beschäftigungs- und Arbeitseinrichtung für verhaltensauffällige Heimbewohner. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Erik Ohlenschlager, bestätigte die Anzeige. In dem Videofilm sei die Heimkraft zu sehen, wie sie eine Behinderte ohne Hilfsmittel fixiere und dabei offensichtlich beruhigt habe. Mögliche andere Misshandlungsfälle seien hingegen weder filmisch dokumentiert noch von der Geschäftsführung der Einrichtung der Staatsanwaltschaft in der Anzeige mitgeteilt worden, sagte Götz.

Das Video war nach Götz Worten bei Aufräumarbeiten in der Förderstätte, die gerade saniert wird, entdeckt worden. Der Film zeige eine nicht aggressive Behinderte, die festgehalten werde. "Es ist nicht erkennbar, dass sie das will", sagte Götz mit Blick. "Ich kann das hier nicht dulden", zumal die Mitarbeiterin keine Erlaubnis von der Mutter der Behinderten für den Film hatte. Götz bestritt "SZ"-Informationen, das Video sollte zu Lehrzwecken eingesetzt werden. "Wir drehen keine Lehrfilme."

Die Hilfskraft, die die Videokamera wahrscheinlich vor etwa zwei Jahren bedient hatte, sei inzwischen intern versetzt worden. Sie habe nur Anweisungen ihrer Chefin befolgt und ansonsten stets gute Arbeit geleistet. Dennoch sei sie wie ihre Vorgesetzte angezeigt worden. Die Fachkraft selbst hatte Ende April aus privaten Gründen gekündigt, bevor die Vorwürfe erhoben worden waren. Wie Götz berichtete, soll die Frau in den vergangenen zwei Jahren zudem mit einer anderen Beschäftigten verhaltensauffällige Behinderte grundlos hart angepackt haben.

"Die Fachkräfte waren sehr dominant, sehr rüde", erklärte der Geschäftsführer. So sollen sie Behinderte mehrfach, angeblich zur Beruhigung, in ein leeres Zimmer gesteckt haben, obwohl die Bewohner nicht aggressiv gewesen seien. Oberstaatsanwalt Ohlenschlager sagte jedoch: "Es gibt keine konkreten Erkenntnisse, dass Bewohner gegen ihren Willen oder rechtswidrig in einen sogenannten Time-Out-Raum eingesperrt worden sind."

Zwei Hilfsarbeiter des Stifts hatten Mitte Mai die Geschäftsleitung über die Vorfälle informiert, eine Fachkraft wurde versetzt, die andere war wegen ihrer Kündigung zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr im Haus beschäftigt. Der Geschäftsführer hatte zugleich die Vorgesetzte der beiden Frauen, die Leiterin der Förderstätte, fristlos entlassen, weil sie ihrer Verantwortung nicht nachgekommen sei. Dagegen klagt die Führungskraft derzeit vor dem Arbeitsgericht Würzburg, ein Gütetermin war jüngst gescheitert.

dpa

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