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Der Angeklagte Werner M.

Herrmann-Prozess: Gibt es einen Mittäter?

Augsburg - Im Augsburger Prozess um die Entführung und den Erstickungstod der zehnjährigen Ursula Herrmann besteht weiterhin Unklarheit über einen möglichen Mittäter an dem Verbrechen von 1981.

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Ein früherer Polizeibeamter sagte am Dienstag als Zeuge aus, der 1992 gestorbene Verdächtige habe 1982 erklärt, der Angeklagte habe ihm ein Jahr zuvor eine Stelle im Wald gezeigt, "wo man etwas vergraben kann". Dieser Mann habe die Beamten zu einem Ort geführt, der aber nicht die Stelle war, an der die tote Ursula in einer vergrabenen Kiste gefunden worden war. Die Angaben dieses offenbar alkoholkranken Mannes seien wenig glaubhaft gewesen.

Dem 59-jährigen Angeklagten wird gemeinsam mit seiner Frau erpresserischer Menschenraub mit Todesfolge vorgeworfen. Er soll im September 1981 die zehnjährige Ursula auf dem Heimweg bei Eching am Ammersee vom Fahrrad gerissen und in eine im Wald vergrabene Kiste gesperrt haben. Das Mädchen war Stunden später erstickt, aber erst nach 19 Tagen tot gefunden worden.

Der Angeklagte soll gemeinsam mit seiner Ehefrau versucht haben, von Ursulas Eltern umgerechnet etwa eine Million Euro Lösegeld zu erpressen. Die Angeklagten bestreiten seit Prozessbeginn die Tat und schweigen seither. Beide sind vorbestraft, ergab die Verlesung ihrer Strafregister am Dienstag. Sie wurden in früheren Verfahren zu Bewährungs- und Geldstrafen rechtskräftig verurteilt - der Angeklagte wegen mehrfachen Betrugs und Verstoßes gegen das Waffen- und Sprengstoffgesetz, seine mitangeklagte Ehefrau wegen uneidlicher Falschaussage.

Eine frühere Polizeiermittlerin erklärte als Zeugin, sie habe während der Entführung Ursulas Eltern neun Tage lang betreut. In dieser Zeit habe sie einen Erpresseranruf mitbekommen, den Ursulas Vater nachts entgegengenommen hatte. Danach sei er sehr aufgewühlt gewesen. Es hatte sich um einen sogenannten stummen Schweigeanruf gehandelt, der mitgeschnitten worden war und über den der Angeklagte wegen technischer Details überführt werden soll.

Mehrere Zeugen hätten später angegeben, der verdächtige mögliche Mittäter sei mehrmals mit einem Spaten auf seinem Mofa in der Gegend gesehen worden, in der die Kiste als Gefängnis für Ursula vergraben worden war. Zunächst hatte der Verdächtige gestanden, für den Angeklagten das Loch für die Kiste im Wald gegraben zu haben, diese Angaben später aber widerrufen. Die Ermittlerin gab an, dass der Mann bei längeren Verhören Angaben machte, die nicht mehr zu gebrauchen waren. Einem Gerichtspsychologen gegenüber hatte er einmal erklärt, er sei im Gefängnis von drei nackten Frauen besucht worden.

dpa

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