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Die Angeklagten im Fall Ursula Herrmann: Werner M. und Gabriele M.

Fall Herrmann: Am Tattag spielte Werner M. "Risiko"

Augsburg - Am ersten Prozesstag um die Entführung von Ursula Herrmann und ihren grausamen Erstickungstod in einer Holzkiste hat der Angeklagte Werner M. seine Unschuld beteuert.

Höhepunkt des Prozessauftaktes war die persönliche Erklärung des angeklagten Fernsehtechnikers Werner M. "Ich habe mit der Tat nichts zu tun", sagte der 58-Jährige vor dem Landgericht Augsburg - mit fester, lauter Stimme. "Ich bedauere den Tod von Ursula Herrmann und das Schicksal der Familie." In seiner 23-seitigen Erklärung ging er ausführlich auf seine Lebensumstände und Bekanntschaften zum Zeitpunkt der Entführung ein. Im Detail schilderte er, was er am Tattag unternommen haben will.

Protokoll: Der erste Prozesstag

So erzählte er unter anderem von angebratenen Pilzen in einem Edelstahlkochtopf, die er in einem Geländewagen transportiert habe, und von dem Brettspiel "Risiko", das er zusammen mit Bekannten am Abend der Entführung bis Mitternacht gespielt haben will. "Der 15. September 1981 war für uns ein Tag wie jeder andere." Er und seine Bekannten hätten damals weder ein Verbrechen geplant noch eines begangen. Knapp äußerte sich der Angeklagte auch über seine Beziehung zur Familie Herrmann, in deren Nachbarschaft er damals wohnte und bei der seine Ex-Frau ein Jahr lang als Putzfrau gearbeitet haben soll. Er habe die Familienverhältnisse nicht gekannt. Er wisse nur von Erzählungen her, dass seine eigene Tochter Mitte der 70er Jahre mit Ursula Herrmann gelegentlich gespielt haben solle.

Video: Die Anwältin

Video: Der Verteidiger

Video: Der Angeklagte

Laut Anklage hat der Mann vor 27 Jahren die Schülerin aus Eching am Ammersee entführt, um zwei Millionen D-Mark (1,022 Millionen Euro) zu erpressen. Das Mädchen erstickte in der Holzkiste, in der sie im Waldboden versteckt worden war.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 58-Jährigen erpresserischen Menschenraub mit Todesfolge vor. Er war am 28. Mai 2008 in Kappeln (Schleswig-Holstein) festgenommen worden. Laut Anklage hat er am 15. September 1981 in den Abendstunden die Schülerin auf deren Heimweg vom Rad gerissen und in den Wald verschleppt. In der dort vergrabenen Holzkiste erstickte das Mädchen wenig später, weil die primitive Belüftung von Laub verstopft war. Die Ehefrau des Beschuldigten, die 62-jährige Gabriele M., ist wegen Beihilfe angeklagt. Auch sie beteuerte vor Gericht ihre Unschuld.

Der Prozess um den Tod von Ursula Herrmann

Bei den Eltern des Kindes gingen kurz nach der Entführung zwei Erpresserbriefe und Erpresseranrufe ein. Die Briefe soll die Ehefrau des Beschuldigten aus Textteilen von Zeitungen zusammengeschnitten haben. Als die Eltern einen Nachweis über die Unversehrtheit ihrer Tochter verlangten, brach der Kontakt zu dem Entführer ab. 19 Tage nach der Tat wurde Ursulas Leiche von einem Suchtrupp der Polizei in der vergrabenen Kiste gefunden.

Entführungsfall Ursula Herrmann

Der Angeklagte hatte damals in der Nachbarschaft gewohnt und war später nach Schleswig-Holstein gezogen. Er war schon einmal ins Visier der Ermittler geraten, aber den Beamten fehlten handfeste Beweise. Bei einer Hausdurchsuchung vom Oktober 2007 in seiner Wohnung in Schleswig-Holstein wurde ein Tonbandgerät beschlagnahmt, das der wichtigste Baustein der Anklage ist. Das Gerät soll bestimmte Besonderheiten aufweisen, die exakt mit den von der Polizei veranlassten Mitschnitten der Erpresseranrufe übereinstimmen.

Die Schwurgerichtskammer lehnte am Donnerstag zwei Anträge der Verteidiger auf vorübergehende Aussetzung des Verfahrens ab. Die Verteidigung hatte ihren Vorstoß damit begründet, dass die Aktenlage mit rund 270 Bänden und zusammen 50.000 Blatt völlig unübersichtlich sei. Das Gericht ließ diese Argumentation nicht gelten. Der Prozess wurde fortgesetzt. Am Donnerstagnachmittag gegen 15.20 Uhr ging der erste Verhandlungstag zu Ende.

Die Kammer unter dem Vorsitzenden Richter Wolfgang Rothermel hat bis zum Jahresende 53 Prozesstage angesetzt. Mehr als 200 Zeugen und Sachverständige sollen gehört werden.

lby/cal

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