1. Startseite
  2. Bayern

Stress und Depressionen: 1,5 Millionen Bayern haben durch psychische Probleme erhöhtes Herzinfarktrisiko

Erstellt:

Von: Thomas Eldersch

Kommentare

Psychische Erkrankungen wie Stress und Depressionen können das  Herzinfarktrisiko erhöhen.
Psychische Erkrankungen wie Stress und Depressionen können das Herzinfarktrisiko erhöhen. © IMAGO/William Perugini/Symbolbild

Psychische Probleme und Herz-Kreislauf-Erkrankungen gehen häufig einher. Das legt der neue Gesundheitsreport der DAK-Krankenkasse nahe.

München – Zwei Jahre Corona, gestiegene Lebenshaltungskosten und eine Wirtschaft, die auf eine Rezession hinsteuert. Viele Faktoren können Arbeitnehmern derzeit auf den Magen schlagen oder die Psyche in Mitleidenschaft ziehen. Das stellte auch die Krankenkasse DAK in ihrem jüngsten Gesundheitsreport 2022 fest. Dabei fanden sie heraus, dass psychische Erkrankungen wie Stress und Depressionen auch einen enormen Einfluss auf den Körper haben können. Vor allem das Herzinfarktrisiko steigt durch psychische Probleme stark an.

DAK-Gesundheitsreport: Fehlzeiten aufgrund von psychischen Problemen nehmen zu

Knapp 50.000 Menschen in Bayern sterben laut dem Bericht jedes Jahr an den Folgen einer Herz-Kreislauf-Erkrankung. „Unser aktueller Gesundheitsreport zeigt, dass die Rolle von Stress und psychischen Erkrankungen als Risiko für Herzinfarkte oft unterschätzt wird“, sagt Sophie Schwab, Landeschefin der DAK-Gesundheit. „Die Fehlzeiten wegen psychischer Erkrankungen steigen seit Jahren. Depressionen und negativer Stress sind bereits für sich genommen eine große Belastung. Sie gehen aber auch buchstäblich ans Herz.“

Besonders die Fehlzeiten aufgrund von psychischer Belastung sind in den letzten zehn Jahren um 50 Prozent angestiegen. „Wichtig ist die Früherkennung und Aufklärung über adäquate Behandlungsmöglichkeiten“, erklärt Stephen Aita, Ärztlicher Direktor und Chefarzt Psychosomatik der Klinik Höhenried. „Ansonsten drohen akute Verschlechterung und Chronifizierung, die erhebliche Fehlzeiten nach sich ziehen.“

Zwischen Psyche und Herz gibt es eine auffällige Wechselwirkung.

DAK-Landeschefin Sophie Schwab

Untersucht wurden für den Gesundheitsbericht die Daten von 350.000 DAK-Versicherten in Bayern sowie eine Befragung des Forsa-Instituts bei mehr als 1000 Beschäftigten im Freistaat. Das Ergebnis ist dramatisch. Bei jedem fünften Befragten liegt ein psychisches Risiko für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung vor. Hochgerechnet auf die Erwerbstätigen haben damit rund 1.540.000 Erwerbstätige in Bayern ein erhöhtes Herzinfarkt-Risiko durch Depressionen, Ängste oder Arbeitsstress.

Dazu haben Menschen, die unter Depressionen, Stress und Angststörungen leiden, häufig auch noch andere Risikofaktoren. Sie rauchen häufiger (+19 Prozent), sie haben eine diagnostizierte Stoffwechselstörung (+9 Prozent), sie haben Diabetes (+6 Prozent) oder leiden an Bluthochdruck (+4 Prozent). „Zwischen Psyche und Herz gibt es eine auffällige Wechselwirkung“, sagt DAK-Landeschefin Schwab.

Starker Anstieg der Fehltage wegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen mit zunehmendem Alter

Der Report zeigt ebenfalls, dass koronare Herzkrankheiten (KHK) auch schon im mittleren Alter zu Herzinfarkten führen können. Und dass diese häufiger bei Arbeitnehmern mit Depressionen auftreten. „Zum einen ist es so, dass Menschen mit psychischen Erkrankungen häufiger Herzprobleme haben. Zum anderen zeigen unsere Abrechnungsdaten, dass Herz-Kreislauf-Patientinnen und -Patienten auch häufiger eine psychische Erkrankung entwickeln“, erklärt Schwab. Vier Prozent der Männer mit einer Depressionsdiagnose sind gleichzeitig mit KHK in Behandlung, aber nur 2,2 Prozent ohne Depression. Bei den Frauen ist der Unterschied ebenfalls deutlich.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen auch häufig zu Fehltagen. Diese nehmen im Alter zu. Im Durchschnitt gab es 51 Fehltage wegen KHK auf 100 Versicherte bei der Gruppe von 45-49-jährigen Männern. Bei der Gruppe der 55-59-Jährigen lagen die Fehlzeiten schon bei 138 Tagen. DAK-Landeschefin Schwab sieht deshalb Firmen in der Pflicht, Stress, Belastung und die psychische und physische Gesundheit ihrer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Blick zu haben und zu schützen.

Mit dieser App können Sie ihr Herzinfarktrisiko bestimmen (Video)

(Übrigens: Unser Bayern-Newsletter informiert Sie über alle wichtigen Geschichten aus dem Freistaat. Melden Sie sich hier an.)

Stress am Arbeitsplatz führt zu Ängsten und Depressionen

Besonders häufig führt Stress am Arbeitsplatz zu Ängsten und Depressionen. Man spricht in diesem Zusammenhang von der sogenannten Grafikationskrise. Sie meint eine Kluft zwischen Leistung und Belohnung. Zehn Prozent der Befragten in Bayern sind insgesamt betroffen – Frauen doppelt so häufig wie Männer: Sie bringen viel Leistung oder nehmen es zumindest so wahr und erfahren gleichzeitig wenig Wertschätzung. So empfinden 15 Prozent ihre Vergütung als nicht angemessen und ebenso viele empfinden das, was sie als Anerkennung von ihren Vorgesetzten bekommen, als zu dürftig.

Fazit der Krankenkasse: Es würde noch zu wenige Angebote von der Arbeitgeberseite zur betrieblichen Gesundheitsförderung geben. Prävention sei hierbei sehr wichtig, betont Schwab. Auch bei Krankenkassen könnte man sich Hilfe suchen. Dazu senkt weniger rauchen, eine gesündere Ernährung, mehr Entspannung und ein gesünderes Arbeitsleben erheblich das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Außerdem steht jedem gesetzlich Versicherten ab 35 Jahren alle drei Jahre ein kostenloser Gesundheitscheck zu. (tel)

Alle News und Geschichten aus Bayern sind nun auch auf unserer brandneuen Facebook-Seite Merkur Bayern zu finden.

Auch interessant

Kommentare