Genauere Vorhersage

Erstes automatisches Pollen-Warnsystem für Allergiker vorgestellt

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Allergikern zittern schon die Nasenflügel: Es naht die Pollensaison. Damit Hasel, Erle und Birke den Histamin-Geplagten künftig das Leben nicht mehr ganz so schwer machen, erhält Bayern das weltweit erste automatische Pollen-Warnsystem.

München – Mit dem Frühling kommen die Tränen. Und der Schleim. Und die vielen anderen Symptome, mit denen Pollen-Allergiker zu kämpfen haben – je nachdem, welche Pflanze gerade beschließt, ihren Blütenstaub auf die Reise zu schicken. Meistens kommt das Leiden ohne Vorwarnung, mit dem ersten morgendlichen Atemzug an der frischen Luft. Denn die Vorhersage des Pollenflugs hinkt der Präzision des Wetterberichts weit hinterher – noch. Auf Initiative des bayerischen Gesundheits- und des Umweltministeriums entsteht im Freistaat bis 2019 das weltweit erste automatische Pollen-Informationsnetzwerk, kurz ePin. Gestern wurde es im Gesundheitsausschuss des Landtags vorgestellt.

Allergie-Patienten profitieren laut Martin Hicke vom Gesundheitsamt gleich in zweierlei Hinsicht: Zum einen, weil sie mehr und genauere Informationen zu aktuellem und drohendem Pollenflug erhalten. Zum anderen, weil die genaueren Daten auch der Forschung helfen. Derzeit herrscht akuter Mangel an Rohdaten, der eine exakte und ortsgenaue Pollenanalyse fast unmöglich macht. „Wir haben in Bayern eine große leere Fläche“, sagt Hicke. Im Freistaat gibt es bis jetzt nur zwei Messstationen, sogenannte Pollenfallen, deren Daten mühsam von Hand ausgewertet werden müssen. Das dauert mehrere Tage.

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Die Lösung: Eine hessische Firma hat einen elektronischen Pollenmonitor entwickelt, der vollautomatisch im Drei-Stunden-Takt den durch die Luft schwirrenden Blütenstaub auf seine Zusammensetzung analysiert. Das Gerät kann dank optischen Abgleichs mit einer Musterdatenbank die verschiedenen Pollenarten unterscheiden – „so präzise wie ein sehr guter menschlicher Pollenanalyst“, verspricht Hicke. An acht bayerischen Standorten sollen in zwei Jahren die Geräte stehen, drei davon in Oberbayern: in Garmisch-Partenkirchen, Altötting und München. Die Daten, die die Stationen sammeln, stellt der Freistaat gemäß Umweltinformationsgesetz kostenlos zur Verfügung – egal, ob für Privatpersonen, Forscher oder kommerzielle Unternehmen. Wetterdienste können die Rohdaten, die Computer des Münchner Leibnitz-Rechenzentrums zusammentragen, gemeinsam mit anderen meteorologischen Daten nutzen, um ihre Pollenvorhersage aufzuhübschen: mit höherer Ortsgenauigkeit und Aktualität sowie verbesserter Mehrtages-Prognose.

Zwei Millionen Euro kostet der Aufbau des Netzwerks

Zwei Millionen Euro wird es kosten, das Netzwerk aufzubauen, 600 000 Euro im Jahr rechnen die Macher für den laufenden Betrieb. Auszahlen soll sich das Projekt auch noch: Pollenallergien und ihre Auswirkungen machten das Gesundheitssystem in Bayern rund 600 Millionen Euro an Behandlungs- und Arbeitsausfallkosten ärmer – diese Zahlen errechnete das Gesundheitsamt für 2013. „Wenn wir diese Kosten nur um 0,1 Prozent reduzieren können, lohnt sich das System“, rechnet Hicke vor. „Das sollte zu schaffen sein.“

Übrigens: Hier erfahren Sie, was bei Kreuzallergien zu beachten ist.

Das Gesundheitsministerium hofft auf „geringere Krankheitslast, reduzierten Medikamentenverbrauch und gesteigerte Leistungsfähigkeit im Arbeitsleben“. Denn ePin soll helfen, damit Allergiepatienten ihre Medikamente richtig dosieren und rechtzeitig vorsorgen, bevor die Pollen fliegen. Aber auch, um auf die müde machenden Mittel verzichten zu können, wenn der Patient sie nicht braucht. Heilen kann man Allergien so zwar nicht, aber ihre Auswirkungen in einen erträglicheren Rahmen bringen. Jetzt heißt es für die akut Betroffenen – immerhin rund ein Fünftel der Bevölkerung: durchhalten bis 2019.

Rubriklistenbild: © dpa

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