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Heute beginnt der Ökumenische Kirchentag

München - Dunkle Wolken hängen über dem 2. Ökumenischen Kirchentag, der heute in München beginnt. Nicht nur im übertragenen Sinne wegen der Missbrauchsfälle und der Kirchenkrise. Sondern auch wortwörtlich:

Die Wetteraussichten sind trüb. Doch 110 000 angemeldete Gäste wollen allen Widrigkeiten zum Trotz Zeichen der Hoffnung setzen.

Das 18 Meter hohe, weiße Holzkreuz ragt auf der Münchner Theresienwiese in den grauen Himmel. Auf diesem Platz, auf dem alljährlich im September sechs Millionen Menschen beim Oktoberfest die bajuwarische Gemütlichkeit feiern, werden am heutigen Mittwochnachmittag mindestens 70 000 Menschen erwartet: Die Theresienwiese als Ort für ein ökumenisches Familientreffen.

Unter dem Motto „Damit ihr Hoffnung habt“ stimmen sich ab 16.30 Uhr Pilger aus ganz Deutschland auf fünf Tage geistlichen Austausches ein. Ein buntes Fest der Christen soll sich in der bayerischen Landeshauptstadt ereignen – wenn das Wetter einigermaßen mitspielt. So werden nach dem Eröffnungsgottesdienst die Gläubigen in die Stadt strömen. Mit Blasmusik geht es zum „Abend der Begegnung“ in der Altstadt, wo alle sieben bayerischen Bezirke mit ihren Spezialitäten aufwarten.

400 000 werden mitfeiern, hoffen die Organisatoren – das Zentralkomitee der deutschen Katholiken und der Deutsche Evangelische Kirchentag. So wie vor sieben Jahren in Berlin, als der 1. Ökumenische Kirchentag als ein riesiges Glaubensfest startete. Der 1. ÖKT begann mit großer Begeisterung – und endete mit Katzenjammer. Damals hatte ein gemeinsames Abendmahl-Spektakel außerhalb des offiziellen Programms in der Berliner Gethsemane-Kirche das Treffen überschattet.

Eine solche Konfrontation soll es in München nicht geben. Doch das Thema ist nicht vom Tisch. Denn an der Tatsache, dass nach katholischer Lehre evangelische und katholische Gläubige kein gemeinsames Abendmahl feiern können, hat sich seit Berlin nichts geändert. „Die Trennung am Tisch des Herrn hält an und schmerzt“, sagt der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch. Natürlich werde die Frage der Eucharistie und des Abendmahls beim ÖKT eine Rolle spielen. „Aber der Weg der Einigung, so sehr er auch ersehnt wid, darf nicht durch Experimente gefährdet werden.“

Auch der Münchner Erzbischof Reinhard Marx hofft, dass es nicht zu Provokationen kommt. „Das wird man nie genau kontrollieren können. Wir leben ja hier nicht in einer Diktatur, wo man das befehlen kann. Aber im Rahmen des Ökumenischen Kirchentages haben wir sehr, sehr verlässliche, gute Absprachen. Das ist sozusagen das Fundament der Ökumene. Sonst ist Ökumene gar nicht möglich, wenn man nicht das Selbstverständnis des anderen achtet“, bemerkt Marx dazu.

Der Münchner Kirchentag setzt auch einen ganz neuen Akzent. Er gibt der Gemeinsamkeit mit der orthodoxen Kirche einen großen Raum. Am Freitagabend werden die christlichen Kirchen hier ein eindrucksvolles Zeichen setzen: Auf dem Odeonsplatz beginnt um 18 Uhr eine orthodoxe Vesper, bei der an 1000 Tischen 10 000 Menschen das gesegnete Brot, Äpfel und Wasser teilen. Vor allem aber werden sie die Gemeinschaft teilen – zusammen singen, beten, biblische Texte lesen. Als Symbol dafür, dass die Kirchen und Menschen viel mehr verbindet, als sie trennt.

„Es gibt eine Ökumene der verschiedenen Geschwindigkeiten“, beschreibt Stefan Vesper, Generalsekretär des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken (ZDK), die Situation. Es sei halt wie bei den Igeln – wenn sich zwei so nahe kommen, spürten sie auch die Stacheln. Derzeit sind es weniger die Stacheln des anderen, die schmerzen. In der evangelischen Kirche leidet man noch an dem Rücktritt der beliebten EKD-Ratsvorsitzenden Margot Käßmann. Die Katholiken sind zutiefst verunsichert durch die Missbrauchsdebatte in ihrer Kirche. Manche befürchten, dass die Krise den Kirchentag überschattet.

Aber es gibt auch die anderen Stimmen, die gerade jetzt auf die Stärke des Glaubens setzen. Die Hoffnungszeichen aussenden wollen gegen das Stimmungstief. „Die Ökumene des sozialen Engagements ist eine große Chance“, sagt ZDK-Generalsekretär Vesper. Das gemeinsame Glaubensbekenntnis als Reaktion auf Frust und Resignation. Und all die gemeinsamen Aktionen, die Gemeinden vor Ort auf die Beine stellen. Vieles von dem soll sich in den fast 3000 Veranstaltungen widerspiegeln. Wenn am Samstagabend um 22.30 Uhr auf dem Marienplatz ein Nachtgebet in einem Kerzenmeer gesprochen wird, soll das als hoffnungsvolles Licht ins Dunkel strahlen.

Claudia Möllers

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