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Nehmen ein Fußbad in einer Pfütze: vier Spatzen. 

Gefahr, dass das Tier verstummt

Heute ist Weltspatzentag: Es pfeift immer seltener von den Dächern

Er ist klein, mit grau-braunem Gefieder und ist immer in größeren Gruppen unterwegs: der Spatz. Ihn wollen Vogelschützer am heutigen Weltspatzentag in den Fokus der Öffentlichkeit rücken. Und dafür wird es höchste Zeit.

Hilpoltstein – „Tschilp! Tschilp!“ Der typische Ruf der Spatzen, er ist leiser geworden in den vergangenen Jahren im Freistaat. Es besteht die Gefahr, dass er ganz verstummt. „In der Münchner Innenstadt gibt es nur noch eine Handvoll Spatzen im Marienhof“, sagt Norbert Schäffer, Vorsitzender des Landesbunds für Vogelschutz (LBV). Den Rückgang des einstigen sogenannten Allerweltvogels erklärt Schäffers Kollegin Lorena Heilmeier vom LBV-Projekt „Der Spatz als Botschafter der Stadtnatur“: „Der Haussperling findet in bayerischen Städten immer weniger Brutmöglichkeiten und Nahrung für die Jungvogelaufzucht.“

Zum heutigen Weltspatzentag will der LBV deshalb das Verschwinden des grau-braunen Vögelchens ins öffentliche Bewusstsein rücken. Dafür ist es höchste Zeit, denn seit 2016 steht der Spatz in Bayern sogar auf der Vorwarnliste der Roten Liste der Brutvögel. „Als Charaktervogel der bayerischen Biergärten ist der Hausspatz auf der Suche nach Brezenbröseln unter vielen Biertischen im Freistaat mittlerweile verschwunden“, sagt die Expertin.

In den Städten mangelt es ihm vor allem an geeigneten Nistplätzen. Als Gebäudebrüter ist er auf Nischen und Hohlräume an Häusern angewiesen. Durch energetische Bauweisen und Fassadendämmungen bleibt für den Spatz und andere Gebäudebrüter aber kaum noch Platz.

„Haben die Haussperlinge einen Nistplatz gefunden, stehen sie vor dem nächsten Problem, denn für die Aufzucht ihrer Küken brauchen die Spatzeneltern Insekten als Nahrung“, sagt Lorena Heilmeier. Jedoch sprechen städtische Grünanlagen und Gärten durch englischen Rasen und exotische Ziergehölze die bayerische Insektenwelt weniger an. „Ohne Insekten gibt es aber auch kein Futter für die Spatzenküken“, bemängelt die LBV-SpatzenExpertin. „Dabei haben sich Haussperlinge als wahre Schädlingsvernichter herausgestellt, weil sie oft mehrmals im Jahr brüten und zu ihrem eigenen Schutz immer in größeren Trupps unterwegs sind“. Der Spatz ist ein Koloniebrüter, die Größe einer Gruppe kann von einer Handvoll bis zu ein paar Dutzend Vögel reichen.

Der Bestand dieses Vogels ist in vielen Ländern rückläufig – obwohl der Spatz der Kulturfolger schlechthin ist: Schon vor Jahrtausenden hat er sich dem Menschen angeschlossen und wie kaum ein anderer Wildvogel eng an uns gebunden. Deshalb hat die indische Naturschutzorganisation „Nature Forever Society“ bereits 2010 den Weltspatzentag ins Leben gerufen, der seitdem weltweit am 20. März auf den Rückgang von Spatzen und anderen „Allerweltsarten“ aufmerksam machen soll. 

Teresa Pancritius

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