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Demjanjuk heute: Er lebt in im Seniorenheim Bad Feilnbach, links sein Anwalt Ulrich Busch

Hier genießt KZ-Wächter Demjanjuk die Freiheit

Bad Feilnbach - Seit zwei Monaten lebt der verurteilte KZ-Wächter John Demjanjuk in einem oberbayerischen Pflegeheim. Eine Stippvisite bei einem Mann, der vor Gericht den Todkranken gemimt hat – und jetzt seine Freiheit genießt!

„Ich kann das Thema nicht mehr hören!“ Hans Hofer, Bürgermeister von Bad Feilnbach bei Rosenheim, stöhnt. Dann erzählt er, wie gleich in den ersten Tagen nach dem Bekanntwerden des Neuzuzugs böse E-Mails eintrafen, 30 bis 40 an der Zahl. Es gab Schmähungen, einige schrieben, sie würden nie wieder nach Bad Feilnbach kommen. Dabei kann die Gemeinde nichts für den Neubürger Demjanjuk.

Der 91-Jährige war am 12. Mai wegen Beihilfe zum Mord an 28 000 Menschen zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. Weil das Urteil noch nicht rechtskräftig ist, bleibt er vorläufig auf freiem Fuß. Nach einigen Tagen in einer Münchner Männerunterkunft kam er schließlich im Pflegeheim St. Lukas unter. Dort lebt er abgeschottet von der Außenwelt in einem 20 Quadratmeter großen Zimmer.

Das Seniorenheim Bad Feilnbach

Neugierige Reporter werden von dem resoluten Heimleiter Bernhard Arnold vor die Tür gewiesen. Doch das Oberbayerische Volksblatt hatte jetzt die Gelegenheit, Demjanjuk aufzusuchen. Nur schwer kommt Demjanjuk bei dem Termin im Garten des Pflegeheims aus seinem Stuhl hoch. Fragen waren nicht erlaubt, stellvertretend für Demjanjuk antwortete sein Anwalt Ulrich Busch. Täglich ruft seine Familie aus den USA an. „An eine Reise nach Deutschland ist für sie aber nicht zu denken, es fehlen die finanziellen Mittel“, berichtet Busch. Außerdem habe Demjanjuks Frau (85) selbst ein schweres Herzleiden sowie Asthma. Schwierig zu klären ist offenbar der Sozialhilfe-Status von Demjanjuk. Eine Pflegekasse müsse unter anderem Bedürftigkeit und etwaiges Einkommen des 91-Jährigen klären, berichtet eine Sprecherin des Bezirks Oberbayern. Auch Termine für die Verhandlung über die Revisionen, die Verteidigung und Staatsanwaltschaft beantragt haben, stehen noch nicht fest. Bis zur Entscheidung könne ein Jahr vergehen, schätzt Busch. Bis dahin dürfte Demjanjuk ein Bad Feilnbacher bleiben.

Silvia Mischi, Dirk Walter

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