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Sprachbarriere: Die vielen jungen Flüchtlinge stellen Bayerns Lehrer vor eine immense Herausforderung.

Junge Flüchtlinge in der Schule

Hilfeschrei von Bayerns Lehrern

München - Die Flüchtlingsdebatte erreicht Bayerns Schulen. In einer gemeinsamen Erklärung stellen die Lehrerverbände Forderungen an die Staatsregierung. Es geht um Geld, um neue Stellen – und um den sozialen Frieden.

Auf einmal sind sie da. Flüchtlingskinder, mit verunsichertem Blick. Mitten im Schuljahr sitzen sie bei Simone Fleischmann im Büro, an der Anni-Pickert-Grund- und Mittelschule Poing (Kreis Ebersberg). „Dann hast du da ein Zwackerl, das nicht weiß, was los ist.“ Viele der frisch in Deutschland angekommenen Kinder haben noch nie eine Schule von innen gesehen. Für sie muss Schulleiterin Fleischmann dann einen Platz finden. Aber wohin, wenn es keine Übergangsklasse gibt?

„Oft muss ich erst einmal das Alter schätzen“, sagt die Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes. Kommunikation? In vielen Fällen unmöglich. Die Sprachbarriere ist zu groß. Angekommen in der Klasse 2b sitzt der Bub oder das Mädchen dann verlassen auf dem Stuhl. „Viele hocken einfach nur da. Andere weinen. Und manche laufen weg“, sagt Fleischmann. Zurück zu Mama. Zurück zur Turnhalle.

Die jungen Flüchtlinge stellen Bayerns Schulen vor eine immense Herausforderung. Die ist so groß, dass Bayerns Lehrerverbände, die sonst selten einer Meinung sind, nun in einer gemeinsamen Erklärung Forderungen an die Staatsregierung formulieren. Sie liest sich wie ein Hilfeschrei.

Es geht, natürlich, um Geld: Die Verbände fordern zusätzliche Mittel für Flüchtlinge an den Schulen. Nicht aus dem Bildungsetat, der mit individueller Förderung, Ganztag und Inklusion bereits jetzt unterfinanziert ist, wenn es nach den Verbänden geht. Sondern aus dem geplanten Nachtragshaushalt der Staatsregierung. Mit dem Geld soll eine „Task-Force“ gebildet werden, also eine Art mobile Reserve, „die dahin geht, wo es brennt und Feuerwehrmann spielt“, sagt Max Schmidt vom Bayerischen Philologenverband. Für die Task-Force könnten nach Ansicht der Verbandsvertreter arbeitslose Junglehrer geschult werden. „Drei bis vier Lehrkräfte pro Schulamtsbezirk wären als Einstieg schon eine unheimliche Hilfe“, sagt Ursula Lay von der Katholischen Erziehergemeinschaft Bayern.

Gleichzeitig warnten die Lehrervertreter davor, die Themen Flüchtlinge und Bildung gegeneinander auszuspielen. „Wenn die Eltern merken, dass etwa wegen Deutschkursen für Flüchtlingskinder regulärer Unterricht ausfallen muss, dann habe ich Angst vor den Reaktionen“, sagt Fleischmann. Mit einem „Entweder-Oder“ könne die Stimmung kippen.

Indirekt wird dieses Entweder-Oder-Prinzip bereits praktiziert. Heinz-Peter Meidinger, Chef des Deutschen Philologenverbands, befürchtet, die demografische Rendite – 1125 Stellen – werde nun zu 90 Prozent für die Flüchtlingskinder verwendet und fließe damit fast allein an Grund-, Mittel- und Berufsschulen – statt wie eigentlich geplant für pädagogische Verbesserungen eingesetzt zu werden.

Die gewünschte Task-Force wird es nach Auskunft des Kultusministeriums vorerst nicht geben. Man wolle aber im Dialog mit den Lehrern gemeinsam sehen, wo man helfen könne, sagte ein Sprecher. Erst am Wochenende hatte das Kultusministerium wegen der hohen Zahl an Flüchtlingen und Asylbewerbern die Prognosen für die Entwicklung der Schülerzahlen kräftig nach oben korrigiert. Bis 2018/19 werden demnach 44 000 Kinder und Jugendliche mehr die Schulen im Freistaat besuchen.

Einige von ihnen werden wieder in Simone Fleischmanns Büro landen. Dann will sie reagieren können. Zum Wohl der Flüchtlingskinder. Und ohne die Bildungschancen der anderen Schüler zu schmälern.

Dominik Göttler

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