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Was bringt eine Pflegekammer für die Qualität der Pflege? Das ist vielen nicht klar.

Eine unendliche Geschichte

Hilft den Pflegekräften eine Kammer?

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München – Die Pflege steckt in Schwierigkeiten – doch hilft den Pflegekräften eine Kammer? Gestern sollten Zahlen Klarheit in die alte Debatte bringen.

Wird die Debatte um eine Pflegekammer zur unendlichen Geschichte? „Tja“, seufzt Marliese Biederbeck vor Saal 2 im Landtag und zuckt mit den Schultern. Sie ist Bayern-Chefin des Berufsverbands für Pflegeberufe, kämpft seit vielen Jahren für die Kammer. Gerade hat der Pflegeausschuss über die Umfrage diskutiert, die Fakten schaffen sollte. Jetzt sagt Biederbeck: „Das war die Verzögerungstaktik, die wir schon die ganze letzte Legislaturperiode erlebt haben.“

Die Idee, für Pflegekräfte eine Kammer einzurichten, wie sie auch Ärzte oder Apotheker haben, hat viele Jahre auf dem Buckel. Biederbeck erhofft sich dadurch eine Stärkung der geplagten Branche. Doch erst Markus Söder (CSU), einst Gesundheitsminister, schwang sich zu ihrem Unterstützer auf. Sein Nachfolger Marcel Huber war zögerlicher – und machte die Entscheidung von einer Umfrage abhängig. Die Ergebnisse lagen im vorigen Dezember auf dem Minister-Tisch – inzwischen war Melanie Huml im Amt. Das Problem: Die Zahlen sind nicht so eindeutig, dass sie sofort eine Entscheidung treffen konnte – oder wollte.

Gestern lud der Pflegeausschuss die Wissenschaftler ein, die die Umfrage gemacht hatten. Klar ist jetzt: Der Teufel steckt im Detail. Gut 1000 Fragebögen hat Ulrich Schneekloth von der Hochschule München ausgewertet. Befragt wurden Pflegekräfte, die drei Jahre gelernt hatten, in Einrichtungen der Kranken-, Kinderkranken- und Altenpflege. Das Ergebnis: 50 Prozent sind für die Kammer, 34 dagegen – der Rest hat keine Meinung oder weiß zu wenig. Und das ist laut Schneekloth problematisch: „Wenn wir eine Pflegekammer für alle wollen, brauchen wir einen Informationsstand, dass alle sicher sind, ob sie dagegen oder dafür sind.“ Dass 50 Prozent eine recht knappe Mehrheit ist, zudem eine statistische Fehlerquote von ein paar Prozent hin oder her gilt, störte nur den Freie-Wähler-Abgeordneten Peter Bauer.

Viele Pfleger sind wegen der zusätzlichen Bürokratie und der finanziellen Belastung dagegen – eine Kammer bedeutet Zwangsmitgliedschaft. Zudem verstehen einige nicht, was eine Kammer für sie persönlich bringen soll oder wie dadurch die Qualität der Pflege verbessert werden soll. Jede Menge Munition für die Kammer-Gegner. Dazu zählt der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste, der 8000 Einrichtungen bundesweit vertritt und eine eigene Umfrage startete, mit demselben Fragebogen aber doppelt so vielen Befragten. Ergebnis: 91 Prozent lehnten die Kammer ab.

Zahlen hin oder her. Die Botschaft der Wissenschaftler gestern war eindeutig: Die Politik muss sich entscheiden. Eine neue Befragung soll es nicht geben, aber im Februar einen Runden Tisch mit Ministerin Huml. Dort soll aber, so betonte ein Behördenvertreter, die Diskussion nicht wieder von vorne beginnen.

Carina Lechner

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