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Die massive Natursteinmauer ist durch den Aufprall in drei Stücke zerbrochen. Der gefrorene Klumpen zersplitterte in zahlreiche Einzelteile.

Er kam vom Himmel: Wissenschaftler untersuchen Eisbrocken

Hettstadt - Ein dicker Eisklumpen ist vom Himmel gefallen – direkt in den Garten von Johannes Pfetscher. Seither rätselt der Senior: Woher kommt das mysteriöse Eis? Selbst Experten sind nicht sicher.

Johannes Pfetscher hortet einen Schatz in seinem Gefrierschrank. Das Prachtstück ist etwa ein Kilo schwer, blütenweiß, empfindlich gegen Wärme – und vielleicht eine meteorologische Sensation. Der Eisklumpen, der jetzt zwischen Tiefkühlpizza und gefrorenem Gemüse liegt, ist das Überbleibsel von einem ehemals kolossalen Brocken, der – im wahrsten Sinne des Wortes aus heiterem Himmel – in Pfetschers Garten gekracht ist.

Der Pensionär sitzt am Dienstagvormittag gerade an seinem Computer in Hettstadt bei Würzburg, als es an der Tür klingelt. Die Postbotin steht draußen, sie stammelt: „Du hast da Eis im Garten!“ Pfetscher versteht im ersten Moment nicht, was die Frau meint. Dann sieht der 66-Jährige überall das Eis auf der Straße vor seinem Grundstück – und einen gefrorenen Klumpen, der etwa einen halben Meter Durchmesser hat und geschätzt 20 Kilogramm wiegt. Die Wucht des Aufpralls hat einen Krater mitten ins Blumenbeet gerissen. „Meine massive Natursteinmauer hat es in drei Teile zerschlagen“, erzählt der Franke später. Er selbst bekommt von dem Einschlag nichts mit – obwohl sein Büro Luftlinie nur etwa sechs Meter vom Krater entfernt liegt.

Dem Einschlagwinkel zufolge ist der Brocken einen Meter am Dach des Einfamilienhauses vorbeigerast: „Da hab ich echt ein Riesen-Glück gehabt.“ Die Postbotin steht nur wenige Meter entfernt, als der Brocken vom Himmel fällt: „Es hat sich angehört wie eine Silvesterrakete, und dann hat es einen unheimlichen Schlag getan“, erzählte die 29-jährige Melanie W. der „Mainpost“. Der gefrorene Klumpen zersplittert in viele Einzelteile – und das große 20-Kilo-Stück.

Johannes Pfetscher weiß im ersten Moment nicht, wie er reagieren soll. Dann ruft er aufgeregt den Bürgermeister, schließlich die Polizei an. Als die Beamten eintreffen und den Eisbrocken mit einem Meterstab vermessen, hat er schon etwas an Umfang verloren – schließlich war der Dienstag ein warmer Frühlingstag. Nach zwei Stunden hat der gefrorene Block immer noch 43 Zentimeter Durchmesser. Mit dem Eis hätte er locker einen 30-Liter-Eimer voll machen können, sagt Pensionär Pfetscher. Er holt einen Spaten und gräbt das Gefrorene aus. Ein Stück packt er in eine Plastiktüte und steckt es in den Gefrierschrank. Der Rest schmilzt langsam vor sich hin, noch um 20 Uhr liegen einzelne Eis-Bröckchen auf der kaputten Mauer und dem Gehweg.

Doch woher kommt das Eis? Nach der ersten Aufregung beginnt das Rätselraten in Hettstadt. Weil die Gegend in der Einflugschneise des Frankfurter Flughafens liegt, ist der spontane Verdacht eklig: „Vielleicht sind es gefrorene Fäkalien aus einer Flugzeugtoilette“, denkt sich Pfetscher. Doch er selbst und auch die Polizei schließen diese Möglichkeit schnell aus: „Das Eis ist strahlend weiß“, sagt der Hettstädter. „Und nicht bläulich verfärbt vom Desinfektionsmittel.“ Ist der Klumpen vielleicht ein überdimensioniertes Hagelkorn? Robert Goler vom Meteorologischen Institut der Uni München schließt das nach Sichtung der Wetterbilder aus: „Es gab an diesem Tag keinen Niederschlag und keine Gewitterwolken.“ Dass größere Eisklumpen zur Erde fallen, ist nach Auskunft von Experten relativ selten, Eis-Meteoriten wie die Polizei vermutet hatte, gebe es nicht.

Johannes Pfetscher kontaktierte schließlich die Uni Würzburg. Die Experten von dort wollen die Probe aus Pfetschers Gefrierschrank untersuchen – ist Leitungswasser nachweisbar, kommt das Eis tatsächlich aus einem Flugzeug, vielleicht aus einem undichten Ventil. Und wenn nicht? Vielleicht ist es eine Materie, die von einem Kometen stammt. Dann ist der Schatz von Johannes Pfetscher tatsächlich ein Geschenk des Himmels.

Carina Lechner

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