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Alle Mordopfer sind im Friedhof von Waidhofen nahe Schrobenhausen begraben. Eine Stele erinnert an sie.

Hinterkaifeck: Auf den Spuren von sechs Morden

Waidhofen - Es ist eines der grausamsten Verbrechen in der bayerischen Kriminalgeschichte: die sechs Morde von Hinterkaifeck.  Sie haben Autoren und Filmemacher inspiriert - jetzt gibt es auch touristische Touren.

Blattsalat mit Schafskäse, Schweinefilet im Kräutermantel an Cognacrahmsauce – ein delikates Menü hat sich Maria Weibl zur Stärkung ihrer Gäste ausgedacht. „Die Leute sollen erst essen und dann wandern. Umgekehrt hört sonst keiner mehr zu“, sagt die Gästeführerin. Seit drei Jahren bietet sie ihre Laternenwanderung mit vorherigem Vier-Gänge-Menü zum Tatort eines grausamen Verbrechens an.

Mit einer Hacke wurde die ganze Familie getötet

Nachdem sich die bunt gemischte Gruppe in dem Gasthof in Waidhofen (Landkreis Neuburg-Schrobenhausen) gestärkt hat, geht es mit Laternen durch die dunkle Nacht. „Ich führe nur von November bis April. Denn die Dunkelheit, die Kälte und der Nebel machen das Romantische bei dieser Führung aus“, schwärmt Weibl. Beim Marschieren berichtet sie über die Geschichte der Familie, vom inzestuösen Verhältnis zwischen Vater und Tochter und vom Tathergang. Mit einer Hacke wurden der ganzen Bauernfamilie die Schädel eingeschlagen. „Mich gruselt schon ein wenig“, sagt eine ältere Dame. „Alleine würde ich hier nicht spazieren gehen.“

Normalerweise hält Weibl die Führungen nur auf Anfrage ab. Nur selten schreibt sie die Wanderung öffentlich aus – wie jetzt. In der Nacht zum 1. April jährt sich das grausame Verbrechen zum 90. Mal. Die Resonanz war riesig. „Über 80 Gäste haben sich angemeldet“, erzählt sie, „ich musste sie auf zwei Termine aufteilen.“ Der sechsfache Mord ist nicht das einzige Thema der Führung.

Maria Weibl nutzt die Gelegenheit, um ihren Gästen Geschichte, Geographie und Heimatkunde näherzubringen. Sie erzählt vom Spargelanbau, von Flora und Fauna. Als die Wandergruppe am sogenannten Hexenhölzl vorbeikommt, ein langgezogener dunkler Wald, berichtet sie: „Von hier aus ist der Mörder wohl zum Hof gekommen.“

Makaber findet die Wanderungen niemand

Die Polizei ging zunächst von einem Raubmord aus. Diese Theorie wurde jedoch verworfen, als sich herausstellte, dass alle Wertsachen noch da waren. Hinter dem Wald liegt die Wiese, wo der Hof einst stand. 1923 wurde er abgerissen. Nur noch ein Gedenkstein erinnert an das schreckliche Geschehen. Die Gruppe singt das Kirchenlied „Näher mein Gott zu dir“. Makaber findet die Wanderung niemand. „Auch die noch lebenden Nachfahren finden es sehr positiv, dass wir die Führung hier anbieten“, sagt Maria Weibl. Das starke Interesse verwundert nicht. Zwei Kino- und mehrere Dokumentarfilme sowie Theaterstücke haben versucht, den sechsfachen Mord aufzuarbeiten.

Bis heute ist die Tat unaufgeklärt

In den 1970er Jahren schrieb der Journalist Peter Leuschner zwei Abhandlungen über den Kriminalfall, 2006 verfasste Andrea Maria Schenkel den Bestseller „Tannöd“ – der Hinterkaifecker Mord stand Pate. Ein Plagiatstreit zwischen Leuschner und Schenkel entbrannte. Schon in den 1950er Jahren hatte der Eichstätter Josef Ludwig Hecker unter dem Namen Josef Ludwig den Stoff literarisch verarbeitet („Nacht in Hinterkaifeck“). Heute wird in zahllosen Internetforen spekuliert. „Wer es letztendlich war, weiß niemand“, sagt Maria Weibl zum Abschluss der Wanderung im Waidhofener Friedhof, wo die Mordopfer begraben liegen. „Und ich glaube auch nicht, dass wir das jemals erfahren werden. Hinterkaifeck wird immer ein Mythos bleiben."

Von Christine Engel

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